Schutz gegen Katastrophen
Versicherer lehnen Flut-Pflichtversicherung ab

Die Versicherungsunternehmen sehen keinen Grund für eine Pflichtversicherung gegen Flutkatastrophen. Stattdessen fordert die Branche besseren Hochwasserschutz vom Staat.
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BerlinDie Versicherungsbranche hat Forderungen nach einer Pflichtversicherung für Hausbesitzer gegen Naturkatastrophen zurückgewiesen. Diese würde Anreize für eigene Schutzmaßnahmen etwa gegen Hochwasser-Schäden zunichtemachen, sagte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland, der „Rheinischen Post“ vom Samstag. Zudem wären wegen der schweren Schäden Staatsgarantien in erheblicher Größe nötig. Stattdessen sollte der Staat mehr Geld in den Hochwasserschutz investieren, forderte Erdland. „Andernfalls werden wir uns bei weiter zunehmenden Naturkatastrophen in eine unbezahlbare Spirale aus steigenden Schäden und steigenden Prämien begeben.“

Ausgelöst wurde die Debatte über eine Pflichtversicherung durch die immensen Hochwasserschäden in Nord- und Ostdeutschland. Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge wäre eine flächendeckende Elementarschadenversicherung für den Staat und die Steuerzahler billiger als Soforthilfen der Politik. Bund und Länder hatten sich auf einen Nothilfe-Fonds von acht Milliarden Euro verständigt. Im DIW-Modell wäre diese Summe von der Versicherung gedeckt. Nach der Flut 2002 war das Modell der Berliner Forscher am fehlenden politischen Willen der Bundesländer gescheitert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Schutz gegen Katastrophen: Versicherer lehnen Flut-Pflichtversicherung ab"

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  • @N_K: Wollen Sie wirklich alles kollektivieren? - Im Gegensatz zur KFZ-Haftpflicht (Gefährdung anderer), hat man beim Wohnen nicht mal die Möglichkeit des Verzichts (Auto kann, Wohnung muss - wenn auch nicht in Flußnähe). Insofern trägt das Beispiel der Kfz-Haftpflicht nicht. Wenn wir als Versicherungsmakler am möglichen Bedarf des Kunden vorbei eine Elementarschadensdeckung mit einschließen, wäre dies zumindest eine unzureichende Beratung. Warum soll ein Mieter im achten Stockwerk im genannten Fall zwingend den Schutz vor Elementarschäden in seine Hausratversicherung einschließen? - Alle klagen über die steigenden Nebenkosten (zweite Miete). Warum soll jeder Mieter in Deutschland die Elementarschadensversicherung im Rahmen der Gebäudeversicherung mit bezahlen? - Handelte es sich nicht "nur" um (möglicherweise beherrschbare) Überschwemmungsprobleme, sondern um andere Naturgewalten, wie sähe dann Ihre Argumtation aus. Läge Neapel in Deutschland, müßte dann jeder Deutsche eine "Erdbeben-/Vulkanversicherung abschließen? - Wie sieht es umgekehrt mit den Gewinnen einer exponierten geografischen Lage aus (Tourismus, mehr Ernten etc.). Fließen diese dann auch zum Teil in den Risikotopf? - Die einzige Möglichkeit die ich sehe, ist eine Auschnittsdeckung (z.B max.100.000 Euro - Einfamilienhaus) durch die private Versicherungswirtschaft; dies mit Kontrahierungszwang für die Versicherer. Zu den Obliegenheiten des Hauseigentümers gehören dann bauliche Maßnahmen (Fliesen im Erdgeschoß, Türschwellen gegen Schlamm etc.). Der Staat hat das seine zu tun (Deiche, Flutungsflächen, Bebauungspläne, Steuerstundung etc.). Selbstverständlich soll den Flutopfern geholfen werden, auch mit Steuermitteln, aber nicht um den Preis der totalen Vergemeinschaftung von privaten Risiken. Was Sie vorschlagen läuft darauf hinaus, dass der Fahrradfahrer und Fußgänger die KFZ-Haftpflichtversicherung des Autofahrers subventioniert.

  • "Versicherer lehnen Flut-Pflichtversicherung ab"
    "heckenschuetze
    ... In BaWü gibt es bereits eine Pflichtverischerung für Elementarschäden. ...
    Also zuerst denken bevor man Blödsinn verzapft."

    Lieber "heckenschuetze"

    in Ihrem Beitrag stimmt EIN Wort nicht: "gibt" es, Richtig muß es heißen: "GAB" es.
    Dank der Privatisierungs-Hysterie gibt es leider nur EINEN Weg: Nach UNTEN - dank unserer hervorragenden Privatisierungs-Komiker im Regierungs-Stall.

    Bitte lesen Sie meinen nachstehenden Kommentar - ich hatte (als Innendienstler in der Versicherung) mit dem Monopol-Problem mehrere Jahrzehnte lang genug Ärger am Hals.

  • "Versicherer lehnen Flut-Pflichtversicherung ab"

    Klartext (als ehem. Versicherungs-Mitarbeiter):

    Bis in die 90-er Jahre gab es in der Gebäudeversicherung das sogenannte MONOPOL, das sich zunächst nur auf das Feuer-Risiko insgesamt beschränkte. In drei Gebieten (Baden, Hohenzollern und Württemberg) gab es zusätzlich eine ELEMENTARSCHADEN-VERSICHERUNG. Im Staatsgebiet Hamburg eine Sturmversicherung (ein Teil der Elementar-V.).

    Während die Feuer-Monopol die unterschiedlichsten Versicherungsformen (Zwang, Pflicht, Bannrecht, Wettbewerb und so weiter) verzeichnete, gab es in der Elementar-V. in den genannten Gebieten nur ZWANG, d-h-: Jeder MUSSTE sein Gebäude absichern. Das war GUT!

    Daß das »Feuer-Tohuwabohu« der unterschiedlichsten Versicherungsformen durch Wegfall des Monopols beendet wurde (zum Teil waren in der gleichen Straße diverse Hausnummern Pflicht, Monopol oder Wettbewerbsgebiet), ist einerseits zu begrüßen. Andererseits bringt die »freiwillige« (nicht nur) Gebäudeversicherung ziemlichen Unsinn ins Gelände: In erdbebengefährdeten Gebieten (Unter anderen z.B. den Köln-Aachener Raum) lehnen die Versicherer die Risiko-Übernahme ab oder verlangen echte »Abschreckprämien«. Dasselbe gilt für Inhaltsversicherungen, z.B. erweiterte Hausrat oder Geschäftsversicherungen (Feuer, Einbruch, Leitungswasser, Sturm (ERWEITERT um ELEMENTAR!) usw.

    Eine Alternative gäbe es:

    Orientieren wir uns an der KFZ – Haftpflichtversicherung. Ohne eine solche gibt es keine Zulassung des Fahrzeugs. Dasselbe ist für die Gebäude-, die private Haftpflicht- und (mit Fragezeichen) für die Inhaltsversicherung (z.B. Hausrat) zu empfehlen. Und zwar mindestens von Flensburg bis Garmisch, besser aber – im Euro-Wahnsinn – von Narvik bis Palermo. Alle müssen Müssen! Dann werden die Prämien kalkulierbar- und das ewige Geschachere – wer wieviel wem aus den Rippen leiert – hört auf.

    Dafür bräuchte man aber Mut, nicht nur politische DUMMSCHWÄTZEREI !!!!!

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