Schwaches Vorsorgegeschäft: Axa greift mit neuen Produkten an

Schwaches Vorsorgegeschäft
Axa greift mit neuen Produkten an

Der französische Versicherer Axa ändert radikal seine Strategie im Vorsorgegeschäft. Das Unternehmen will mit Garantieprodukten statt herkömmlicher Lebens- und Rentenversicherungen bei Konsumenten punkten.

KÖLN. „Der Europastart erfolgt in Deutschland“, sagte Heinz-Peter Roß, Vorstand der Axa Deutschland vor Journalisten. Danach kommen Frankreich, Belgien, Spanien und Portugal. Die Produkte liefert eine zum Jahresanfang aus Aufsichts- und Steuergründen in Dublin gegründete Gesellschaft. Verkauf, Abwicklung und Service erfolgen lokal.

Die Franzosen greifen damit die Konkurrenten an, die weiter auf klassische Lebens- und Rentenversicherungen setzen. Axa reklamiert für sich einen Wettbewerbsvorteil: Die neuen Produkte böten höhere Garantien und Renditechancen für die Kunden. Nur internationale Finanzkonzerne könnten solche Produkte nach Ansicht der Axa anbieten. Der Versicherer – nach der Allianz die Nummer zwei in Europa – will sich in Deutschland aus einem Dilemma befreien: Auf Grund geringer Überschussversprechen verkauft der Konzern hier nur noch wenig klassische Produkte. Höhere Überschüsse seien wegen anhaltend niedriger Zinsen aber unangebracht, betont Roß. Gleichwohl gewährt fast die gesamte Konkurrenz höherer Überschüsse auf Vorsorgepolicen, deren Rendite aus Garantie- und Überschussbeteiligung besteht.

Vorbild für die neuen Produkte sind Angebote der US-Schwestergesellschaft Axa Equitable Life, bei denen diverse Investmentmöglichkeiten mit Garantien verknüpft sind. Mit solchen Angeboten konnten Versicherer in den von Banken dominierten US-Vorsorgemarkt einbrechen. Heute hat die Axa dort einen Marktanteil von zehn Prozent. Kürzlich folgte der Marktstart in Japan, jetzt ist Europa dran.

Anders als bei klassischen Policen schreibt das Unternehmen den Kunden die Garantien nicht jährlich, sondern erst bei Vertragsende gut. So sinken Garantiekosten und Eigenkapitalbedarf für den Anbieter. Gleichwohl übertreffen die über die gesamte Laufzeit mit 3,15 bis 3,25 Rendite gegebenen Garantien die der klassischen Produkte von 2,75 Prozent. „Sinken die Garantien wie erwartet kommendes Jahr, steigen unsere Chancen“, sagte Axa-Deutschland-Chef Eugene Teysen. Sein Haus lockt Kunden zudem mit höheren Renditechancen als bei klassischen Produkten. In den USA betrugen die Renditen seit Einführung 1997 im Schnitt mehr als sechs Prozent, trotz Börsenkrise.

Höhere Renditen bräuchten die Verbraucher, um Vorsorgelücken zu schließen, so Roß. Schließlich sinke bis 2030 die Bruttorente im Schnitt um mehr als ein Fünftel. Mehr als 90 Prozent der Menschen sehen ihren Bedarf, sagt Roß und verweist auf eine neue repräsentative Studie von Psychonmics. Doch fast jeder Dritte halte die Produkte für unzureichend, um mit seinen verfügbaren Mitteln eine ausreichende und garantierte private Vorsorge betreiben zu können.

Durch den Produktwechsel verdient die Axa mehr Geld im Vorsorgegeschäft. Die Marge sei zweieinhalbmal höher, sagt Roß. Die Konzernmutter hatte wiederholt die geringe Profitabilität des deutschen Vorsorgegeschäfts kritisiert.

Roß erwartet Nachahmer: „Ich gehe davon aus, dass mindestens drei Gesellschaften in Deutschland folgen“, sagt er. Potenzielle Kandidaten wie die Generali-Tochter Aachen Münchener winkten am Dienstag ab, die Zurich wollte keinen Kommentar zur Produktentwicklung abgeben. Die Allianz Leben sieht in kapitalmarktnahen Produkten nur eine Ergänzung.

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