Schwedische Banken Hoffnungszeichen im Norden

Erleichterung bei SEB und Swedbank: Nachdem Lettland nun ein drastisches Sparpaket beschlossen hat und den Haushalt im laufenden Jahr um 500 Mio. Lat (750 Mio. Euro) kürzen will, macht sich bei den schwedischen Bankern die Hoffnung breit, dass der schlimmste anzunehmende Unfall doch noch in letzter Sekunde vermieden werden konnte.
SEB-Filiale in der lettischen Hauptstadt Riga. Die schwedischen Banken SEB und Swedbank sind stark in dem osteuropäischen Land engagiert. Quelle: Reuters

SEB-Filiale in der lettischen Hauptstadt Riga. Die schwedischen Banken SEB und Swedbank sind stark in dem osteuropäischen Land engagiert.

(Foto: Reuters)

STOCKHOLM. Der Super-Gau für die schwedischen Banken wäre ein vollständiger Kollaps der lettischen und damit vermutlich auch der estnischen und litauischen Wirtschaft.

SEB und Swedbank dominieren mit Marktanteilen von bis zu 70 Prozent den Bankenmarkt in den drei baltischen Ländern. Nachdem vor allem Lettland im vergangenen Herbst von der Finanzkrise besonders stark betroffen war und am Rande des Staatsbankrotts stand, wuchs die Sorge in Schweden vor einem völligen Kollaps der Finanzsysteme auf der anderen Seite der Ostsee. Swedbank und SEB haben in den drei baltischen Ländern insgesamt Kredite für rund 370 Mrd. Kronen (33,7 Mrd. Euro) vergeben. Das sind bei der Swedbank rund 17 Prozent des gesamten Kreditvolumens, bei der SEB rund 13 Prozent. Ein Zusammenbruch der Wirtschaft würde den Banken enorme Kreditverluste bescheren.

Außerdem drohte in den vergangenen Wochen die Abwertung der lettischen Währung. Da rund 85 Prozent aller in Lettland vergeben Kredite in Euro abgeschlossen wurden, würde eine Abwertung des fest an den Euro gebundenen lettischen Lat zu enormen Kreditverlusten führen. Die Schuldner könnten schlicht und einfach ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen. "Wir sind für jeden Fall gut gerüstet", sagten wie aus einem Munde SEB-Chefin Annika Falkengren und ihr Swedbank-Kollege Michael Wolf. Dennoch hatten sie Grund zu größter Beunruhigung: Allein in den vergangenen drei Wochen sank der Kurs der Swedbank-Aktie um 18 Prozent, das SEB-Papier fiel um 13 Prozent. Der Kurssturz drückt die Furcht vor einer eventuellen Abwertung des Lat und den damit folgenden Kreditverlusten für die Banken aus. Durch das drastische Sparpaket der lettischen Regierung, das unter anderem erneute Lohnkürzungen von bis zu 20 Prozent, eine Senkung der Altersbezüge um zehn Prozent und einen massiven Personalabbau im öffentlichen Dienst vorsieht, ist die Gefahr einer Abwertung zunächst gebannt. Denn der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte für die Auszahlung einer zweiten Tranche des im Winter genehmigten 7,5 Mrd.-Euro-Notkredits an Lettland eine radikale Haushaltssanierung gefordert.

Mit den jetzt verabschiedeten Maßnahmen wird das kleine Land aller Voraussicht nach bis Monatsende die zweite Überweisung des IWF-Kredits erhalten. Analysten der Ratingagentur Fitch bescheinigen den beiden schwedischen Banken in einem eigenen "Stress-Test", dass sie ausreichend Kapital besitzen, um selbst den "worst case" zu überstehen. Beide Banken hatten im Frühjahr ihre Aktionäre erfolgreich um eine Kapitalerhöhung gebeten. Ein Stress-Test der schwedischen Zentralbank kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Allerdings warnt Mattias Persson, Chef der Zentralbank-Abteilung für finanzielle Sicherheit, vor allzu großem Optimismus: "Wir glauben, dass die Kreditverluste gleich hoch bleiben", sagt der Experte. Und das trotz des lettischen Sparpakets. Die Zentralbank rechnet in ihrem Hauptszenario damit, dass die Kreditverluste in diesem und im kommenden Jahr für die schwedischen Banken bei rund 170 Mrd. Kronen liegen. 40 Prozent davon stammen aus dem Baltikum und der Ukraine. Doch selbst die im schlechtesten Fall angenommenen 300 Mrd. Kronen an Kreditverlusten würden die Banken nicht vor unlösbare Aufgaben stellen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%