Schweiz
Commerzbank lugt über die Alpen

In der Krise straffen Banken ihr Geschäft und ziehen sich aus Auslandsmärkten zurück. Die Commerzbank will zumindest in der Schweiz angreifen - in einem anderen Geschäftsbereich als die Konkurrenten.
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Die meisten anderen Auslandsbanken sind in der Schweiz im Private Banking aktiv, kümmern sich also um vermögende Privatkunden. Dieses Geschäft hat die Commerzbank vor gut zwei Jahren verkauft. Statt dessen will das deutsche Geldhaus nun im Firmenkundengeschäft in der Schweiz punkten. Die Zahl der Mitarbeiter wurde auf rund fünfzig fast verdoppelt. Die Zahl der Firmenkunden soll um 150 auf 550 steigen, kündigte Martin Keller an, der das Schweizer Geschäft leitet. Dabei will sich die Commerzbank deutsche Firmenkunden in die Schweiz begleiten und umgekehrt Schweizer Konzernen bei Geschäften in Deutschland helfen - auch mit Krediten, wie Commerzbank-Vorstand Markus Beumer betonte.

„60 Prozent unseres Ergebnisses kommt aus dem Mittelstandsgeschäft. Wir wären schön blöd, das Geschäft zurück zu fahren, das Gewinne abwirft“, erklärte er in Zürich.

Derzeit kämpft die zweitgrößte deutsche Bank damit, die Eigenkapitalforderungen der Europäischen Bankenaufsicht EBA zu erfüllen. Laut EBA klafft bei der Commerzbank ein Loch von 5,3 Milliarden Euro. Vergangene Woche hatte Commerzbank-Chef Martin Blessing den Plan vorgestellt, wie die Lücke ohne Kapitalerhöhung und neue Staatshilfen gefüllt werden soll. Unter anderem will die Bank Risiken abbauen, wie gewerbliche Immobilienkredite oder Schiffsfinanzierungen und Gewinne einbehalten. Laut Bank-Vorstand Beumer drohe deswegen keine Kreditklemme, Kredite würden aber deutlich teurer werden.

Er räumte ein, dass Kunden mit Blick auf die Kapitalausstattung der Commerzbank Fragen stellen würden. Kunden habe die Bank deswegen aber nicht verloren. „Es ist eher ein Verkaufsargument geworden, dass wir als systemrelevante Bank eingestuft werden“, sagte Beumer.

Von den deutschen Banken ist die Deutsche Bank mit Abstand das aktivste Institut in der Schweiz. Nach eigenen Angaben verfügt sie über rund 1000 Mitarbeiter und bietet die gesamte Palette an: Private Banking, Asset Management für Institutionelle Kunden wie Pensionskassen, Firmenkundengeschäft und Investmentbanking. Als einzige Landesbank ist noch die LBBW in der Schweiz vertreten.

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