Schweizer Bank
Julius Bär steigert verwaltete Vermögen

Die Schweizer Privatbank Julius Bär hat vom Anstieg der Aktienmärkte profitiert. Dadurch stieg der Wert der Kundendepots und das von der Bank verwaltete Vermögen. Julius Bär hat damit die Erwartungen leicht übertroffen.
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ZürichDer Handelsstreik der Kunden belastet die Erträge der Schweizer Privatbank Julius Bär. In den ersten vier Monaten 2012 sackte die Bruttomarge Angaben vom Dienstag zufolge auf unter 100 Basispunkte von 104,5 Basispunkten im Gesamtjahr 2011 ab. Angesichts der unsicheren Aussichten habe der Risiko-Appetit der Kunden abgenommen. Vor allem bei Aktien und Devisen verharrten die Kunden an der Seitenlinie und schmälerten damit die Erträge der Bank. "Es sieht aus wie eine Gewinnwarnung", kommentierte ein Vermögensverwalter die Mitteilung.

Die ganze Branche kämpft zurzeit mit der Zurückhaltung der Kunden. Ende April hatte etwa die Bank Vontobel gewarnt, dass die Profitabilität gesunken sei und das Halbjahresresultat 2012 den Vorjahreswert verfehlen dürfte. Mit einer Erholung rechnen Analysten erst, wenn sich die Finanzmärkte beruhigen.

Bär leidet auf hohem Niveau. Die Bruttomarge des größten börsennotierten reine Vermögensverwalters des Landes liegt deutlich über den Werten von Konkurrenten wie Vontobel oder auch der Bank Sarasin. Allerdings musste auch Bär in letzter Zeit einen markanten Rückgang verkraften. Vor drei Jahren hatte die Bruttomarge noch bei 119 Basispunkten gelegen. Die Bruttomarge misst die Einnahmen der Bank als Prozentsatz der verwalteten Vermögen.

Die tieferen Erträge führten bei Bär auch zu einer Verschlechterung des Kosten-Ertragssatzes auf gut 70 Prozent. Damit verfehlte das Zürcher Institut die erst im Februar gesenkte Zielsetzung von 62 bis 66 Prozent. Bär habe Maßnahmen eingeleitet, um die Kosten zu senken. Einem Sprecher zufolge ist aber ein weiterer Personalabbau nicht geplant.

Während die Rentabilität unter den Analystenerwartungen lag, konnte Bär bei den vermögenden Kunden mehr neues Geld einsammeln als erwartet. Der Nettoneugeld-Zufluss lag den Angaben zufolge auf das Jahr hochgerechnet leicht über dem mittelfristigen Zielband von vier bis sechs Prozent. Besonders gut lief es in Deutschland und den Schwellenländern.

Dazu beigetragen haben dürften die neuen Kundenberater, die die Bank eingestellt hat. So hatte Bär Anfang Jahr vier Hongkonger Kundenberaterinnen von Sarasin abgeworben. Branchenkreisen zufolge betreuten sie bei Sarasin vier Milliarden Dollar. Ende April verwaltete Bär 178 Milliarden Franken. Den Anstieg von den 170 Milliarden Ende 2011 begründete die Bank auch mit der bis dahin guten Entwicklung der Aktienmärkte, die den Wert der Kundendepots anhob.

An der Börse sanken die Bär-Aktien 4,7 Prozent auf 32,61 Franken, während der europäische Bankenindex um 0,4 Prozent anzog. Kepler-Analyst Dirk Becker sprach von einem schlechten Start in das laufende Jahr. Bär habe zwar deutlich höhere Neugeldraten als die Großbanken UBS und Credit Suisse erreicht. Aber die Zuflüsse seien aus Märkten gekommen, wo die Margen tiefer seien als beim traditionellen Geschäft mit ausländischen Kunden in der Schweiz.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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