Schweizer Banken Ein Steuergeschenk mit Nebenwirkungen

Die US-amerikanische Regierung will die Steuersätze für Unternehmen senken. Für die schweizerischen Großbanken UBS und Credit Suisse ist das ein Problem: Sie müssen wohl Milliarden Franken abschreiben.
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Wegen der US-Steuerreform drohen der schweizerischen Credit Suisse milliardenschwere Abschreibungen. Quelle: Reuters
Filiale der Credit Suisse

Wegen der US-Steuerreform drohen der schweizerischen Credit Suisse milliardenschwere Abschreibungen.

(Foto: Reuters)

David Mathers war mit seinen Ausführungen schon fast am Ende, als er den Investoren der Credit Suisse am vergangenen Donnerstag ein kleines, aber feines Detail verriet: Wegen der geplanten Steuerreform in den USA drohen der Großbank rund 2,1 Milliarden Franken (1,8 Milliarden Euro) an Abschreibungen, erklärte der Credit-Suisse-Finanzchef. Damit droht der Bank in diesem Jahr womöglich ein Milliardenverlust. Auch der Konkurrenz von der UBS stehen milliardenschwere Abschreibungen ins Haus.

Die US-Regierung will den Steuersatz für Unternehmensgewinne von 35 auf 20 Prozent senken. Die Steuerreform ist ein zentrales Vorhaben von US-Präsident Donald Trump. Doch das Steuergeschenk für Konzerne hat Nebenwirkungen. Der Grund dafür sind so genannte Verlustvorträge, die beide Institute während der Finanzkrise in den USA aufgebaut haben. Wenn die amerikanische Regierung die Unternehmenssteuern senkt, verlieren die Verlustvorträge an Wert. Das wirkt sich auf die Ergebnisse der Banken aus.

So gefährlich sind die größten Banken der Welt
Klasse 1 – UBS, Santander, Royal Bank of Scotland
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 17 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – das ist eine weniger als im Vorjahr. Diese Banken müssen ein Prozent mehr Kapital zusätzlich zu der erforderlichen Eigenkapitalquote vorhalten. Unter diesen für das System vergleichsweise nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich zum Beispiel die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, ING Bank, die Royal Bank of Scotland und Bank Morgan Stanley.

Klasse 1 – Standard Chartered
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Welche Konsequenzen der Brexit für die britische Standard Chartered haben wird, ist noch nicht absehbar. Die Bank belegt wie im Vorjahr einen Platz in Klasse 1, die einen Kapitalaufschlag von einem Prozent voraussetzt.

Neu in Klasse 1: Die Credit Suisse.
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Neu in der Klasse 1 ist die US-Bank Credit Suisse, die im Vorjahr noch mehr Kapital vorhalten musste. Jetzt beträgt dieser Zuschlag für das Schweizer Geldhaus nur noch ein Prozent. Sie hat aus Sicht der Regulierer an Relevanz verloren.

Klasse 2 – Barclays
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James Staley, seit Dezember 2015 Chef der britischen Bank Barclays, konnte die Risikoeinstufung des Geldhauses reduzieren. Barclays gehört, wie auch 2016 schon, nur noch der Klasse zwei an. Dort ist ein Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent erforderlich.

Klasse 2 – Wells Fargo
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Wells Fargo spielt mit Barclays in einer Liga. Beide gehörten Klasse 2 an, was einen Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent bedeutet.

Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten.

Klasse 2 – Industrial and Commercial Bank of China
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Für genauso systemrelevant halten die Regulierer die Industrial and Commercial Bank of China. Aufschlag auch hier: 1,5 Prozent.

Die Credit Suisse etwa hoffte eigentlich darauf, in diesem Jahr wieder ein positives Ergebnis präsentieren zu können. Bankchef Tidjane Thiam hatte eine frohe Botschaft zum Investorentag mitgebracht: „Unsere Strategie funktioniert“. Nach zwei verlustreichen Jahren schrieb die Bank während der ersten drei Quartale endlich wieder schwarze Zahlen. Doch wegen der Steuerreform droht der Bank nun ein Verlust von 800 Millionen Franken.

Auch der UBS drohen milliardenschwere Abschreibungen. Das lassen zumindest Angaben der Bank bei der Präsentation der Quartalszahlen vermuten. Für jeden Prozentpunkt an Steuersenkungen hat die UBS eine Abschreibung auf die Verlustvorträge von 200 Millionen Franken veranschlagt. Damit dürften auf das Institut Abschreibungen über rund drei Milliarden Franken zukommen. Zuerst hatte der „Tages-Anzeiger“ über die drohenden Abschreibungen berichtet.

Die Aktionäre der Institute sehen das Thema bislang relativ gelassen. Denn auf das Eigenkapital der Banken haben die Abschreibungen keine Auswirkungen. Wie auch andere Unternehmen dürften die beiden Institute in den kommenden Jahren von den niedrigeren Steuersätzen profitieren. Doch noch ist die Sache nicht offiziell. Wann die Abschreibungen fällig werden, hängt davon ab, wann Präsident Trump das neue Gesetz unterschreibt. „Wenn Präsident Trump die Reform in diesem Jahr unterschreibt, kommt es dieses Jahr“, sagte Credit-Suisse Finanzchef Mathers, „und wenn er es im nächsten Jahr tut, dann im nächsten“.

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