Schweizer Banken

Leerstand im Mekka der Hochfinanz

Früher war Genf ein Zentrum der Banker und Vermögenden. Doch nach dem Ende des Schweizer Bankgeheimnisses folgte der Exodus bei vielen Geldhäusern – auch aus anderen Gründen. Der Trend dürfte sich fortsetzen. Ein Ortsbesuch.
Genf galt früher als Finanzzentrum. Die Zeiten sind vorbei. Quelle: dpa
Stadt am See

Genf galt früher als Finanzzentrum. Die Zeiten sind vorbei.

(Foto: dpa)

GenfDas Gebäude steht leer, auf den Fensterbänken liegen Zigarettenstummel und Nussschalen: Drei Jahre nach den Verkauf der Privatbank Lloyds Banking Group sucht der Besucher vergeblich nach Lebenszeichen im leerstehenden Gebäude.

Die am Fluss gelegenen Büros beim Place de Bel-Air sind nur einen Steinwurf entfernt von den verbliebenen Privatbanken, Hedgefonds-Niederlassungen und Luxusgeschäften im Herzen der Schweizer Stadt. Der versperrte Eingangsbereich, in dem sich einst millionenschwere Kunden die Klinke in die Hand gaben, zeugt davon, dass einige der ersten Adressen der Finanzwelt Genf endgültig den Rücken gekehrt haben.

„Der Rückzug der internationalen Privatbanken hat in einigen der innerstädtischen Büros, die einst an der Spitze des Marktes rangierten, eine unheimliche Stille hinterlassen,“ sagt Raphael Reginato, der in Genf als Makler für die Immobilienfirma AMI International arbeitet. „Genf ist nicht mehr der Magnet für die internationale Hochfinanz, der es einst war.“

Mehr Gehalt, weniger Bonus
Demonstrant in Frankfurt: Ein Sack voller Geld für den Vorstand
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Nicht nur am Stammtisch sorgen hohe Vorstandsboni für Ärger. Auch für normale Tarifangestellte in den Banken sind sie Gesprächsstoff, wie das Kostüm dieses Demonstranten zeigt.

...und für die Aktionäre
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Der wandelnde „Geldsack“ war die kreativste Verkleidung auf der Banker-Demo. Die meisten anderen Streikenden kamen in Alltagskluft, vereinzelt marschierten aber auch Anzug- und Krawattenträger mit.

Lautstarke Proteste im Frankfurter Bankenviertel
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Die Gewerkschafter zogen mit Trillerpfeifen und Ratschen durch Frankfurts Bankenviertel. Sie waren laut - aber nicht viele: Etwa 350 Banker waren dabei. In Wiesbaden hatten am Vortag mehr als 500 Verdi-Mitglieder demonstriert.

Demonstranten fordern mehr Gehalt
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Anlass des Streiks sind die stockenden Tarifgespräche für die Angestellten im privaten und öffentlichen Bankgewerbe: Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte deshalb zu einem eintägigen Warnstreik in Frankfurt aufgerufen. Verdi verlangt 4,9 Prozent mehr Gehalt, von den Arbeitgebern gibt es bislang kein Angebot.

Deutsche Bank besonders in der Kritik
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Auch einige Deutschbanker demonstrierten mit. In dem Finanzinstitut wird über ein großes Sparpaket verhandelt. Für Boni und vieles andere sei Geld da, nur nicht für eine Gehaltserhöhung, monierte einer der demonstrierenden Deutschbanker.

Furcht vor den Folgen des Bankenumbaus
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Dass die Arbeitgeber den Gewerkschaften bislang noch überhaupt kein Angebot vorgelegt haben, ist aus Sicht von Verdi ein „Novum“. Die Arbeitgeber begründen ihre harte Haltung mit den steigenden Kosten für strengere Regulierungsauflagen, dem Ertragsdruck der niedrigen Zinsen sowie den nötigen Investitionen für die Digitalisierung.

Stellenabbau nur sozialverträglich
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Von der Frankfurter Streikaktion zeigten sich die Arbeitgeber allerdings wenig beeindruckt. Die Auswirkungen seien wie auch in den Vorjahren begrenzt geblieben, war dort zu hören. Auch einige der Demonstranten waren enttäuscht über die geringe Streikbereitschaft ihrer Kollegen.

Banken aus Nordamerika und Europa verlassen Genf aus vielen Gründen: Da sind der Verlust des Bankgeheimnisses, der starke Franken und der Druck auf die Gewinne durch niedrige Zinsen und verschärfte Regulierung. Steuerermittlungen der USA und Frankreichs sowie der Datenaustausch unter den Staaten haben die traditionelle Diskretion gegenüber reichen Kunden mit Sitz im Ausland untergraben.

Der Trend dürfte sich fortsetzen. „Alle gehen von einer weiter sinkenden Zahl an Banken in Genf aus“, sagt Stephane Muller, Partner bei Ernst & Young in Genf. „Zum Glück haben einige der ortsansässigen Institute in Familienhand Kaufinteresse.“

Damit droht der Anteil der Banken an der Wirtschaftsleistung des Kantons Genf zu sinken. Derzeit entfallen 17 Prozent des Genfer Bruttoinlandsprodukts auf den Finanzsektor, wie aus den regionalen Daten hervorgeht. Von 2008 bis 2015 ist die Zahl der Banken von 140 auf 119 gesunken, während die Belegschaft in den letzten drei Jahren um neun Prozent geschrumpft ist.

Von den Folgen sind auch andere Branchen betroffen. So machen Bankmitarbeiter nur noch ein Viertel der Geschäftsreisenden-Übernachtungen aus – vor anderthalb Jahren war es noch doppelt so viel. Die Übernachtungspreise für Firmenkunden seien um zehn Prozent gefallen, so Thierry Lavalley, Direktor des Fünf-Sterne-Betriebs Grand Hotel Kempinski. „Die Menschen müssen nicht mehr nach Genf kommen, um ihre Kontostände zu überprüfen“, sagt Lavalley. „Es gibt weniger Geschäftsreisen.“

Nach dem Ende des Bankgeheimnisses kämen weniger Touristen aus Frankreich und Italien, merkt Eric Kuhne, Mitglied der Verwaltung des 3-Sterne-Hotels Astoria, an. Sowohl das Kempinski als auch das Astoria verzeichnen dafür nun mehr Buchungen von Gästen, die für diplomatische Gespräche oder zu Konferenzen in der Stadt kommen.

Banken strukturieren um
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