Schweizer Datenskandal
Ein Maulwurf in der Falle

In der Schweiz macht ein Spionage-Thriller an diesem Freitag Schlagzeilen. Laut Medienberichten hat ein ehemaliger UBS-Sicherheitsmann und Agent Daten anderer Banken verkauft. Einige Spuren führen auch nach Deutschland.
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ZürichDie Story, die heute die Schweizer Medien aufmischt, hat alles, was es für einen guten Spionage-Thriller braucht: Einen Ex-Sicherheitsmann einer Großbank und Ex-Geheimdienstler mit Zugang zu empfindlichen Daten, dubiose Auftraggeber aus dem Ausland, zweifelhafte Informationen – und zu guter Letzt eine Strafanzeige, die es in sich hat. Was ist da los in der Eidgenossenschaft?

Alles dreht sich um Peter K., der bis 2010 in der UBS-Sicherheitsabteilung gearbeitet hat – und damit die Geheimnisse von Banken kannte. Zuvor war der Schweizer 16 Jahre lang Fahnder bei der Zürcher Polizei als Spezialist für organisierte Kriminalität. Laut den Berichten habe Peter K. auch für den Schweizer Geheimdienst NDB als Informant gearbeitet.

Dieser Peter K. soll nun, wie der Schweizer „Tages-Anzeiger“ und das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ am Freitag berichten, einem deutschen Journalisten, der früher für den Bundesnachrichten-Dienst (BND) tätig war, im vergangenen September gegen Geld die Liste von 7.000 Kunden der russischen Gazprom-Bank besorgt haben.

Später habe der Daten-Spion dem Journalisten auch die Kunden-Daten des ehemaligen BND-Präsidenten August Hanning angeboten – für 140.000 Euro. Die dann gelieferten Kontoauszüge stellten sich allerdings als gefälscht heraus. Daher soll Hanning Strafanzeige gestellt haben.

Laut den Zeitungsberichten wurde Peter K. bei einem Treffen mit einem Mittelsmann am 2. Februar im Zürcher Hotel Savoy Baur en Ville verhaftet. Auf die Spur gebracht hatte die Ermittler die UBS. Laut den Informationen hat die Schweizer Großbank am 12. Januar Strafanzeige gestellt und ein umfangreiches Dossier beigefügt. Die UBS wollte den Fall auf Anfrage nicht kommentieren.

Die Fakten präsentieren sich bislang noch wirr, nicht alle Zusammenhänge sind klar. Warum etwa soll ein deutscher Journalist Interesse an Kundendaten der russischen Gazprom-Bank haben? Und auch die Art und Weise, wie die Ermittler auf die Spur des Daten-Diebs gekommen sein sollen, klingt schillernd.

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  • Wenn nach diesem Artikel eines klar wird, dann dies:

    Die Hehler sind vor Gier so blind, dass ihnen alles zugeschrieben werden kann.

    Wer ist in der Vergangenheit als Hehler aufgetreten?
    Eins, zwei, drei - wissen Sie's? Ich auch!

  • Natürlich gibt es immer Geheimnis Verrat aufgrund von Gier. In den wenigsten Fällen ist bei Geheimnisverrat Idealismus im Spiel, einen Staat oder eine Organisation zu schützen, wie auch bei den Steuer CDs geschehen , die an Deutschland verkauft wurden.
    Für den Staat und für Unternehmen ist die ewige Frage: wie sicher, wie zuverlässig ist ein Mitarbeiter, ein Bewerber für eine wichtige Position. Heute sagte man im Deutschlandfunk in einer Diskussionsrunde, dass der traditionelle Familienstatus - also verheiratet mit Kindern - für wichtige Positionen überhaupt nicht mehr zählt. Das ist sicher ein Grund, warum Unzuverlässigkeit nicht mehr im Vorfeld einer Auswahl für Kandidaten zu einem gewissen Grad ausgelotet werden kann..

    Ein Mann in einer wichtigen Position wird sich hüten, einen Familienskandal loszutreten. Mit einer Familie ist der Freundes- und Kollegenkreis grösser und abhängiger, da die Ehefrau eine feste Grösse in der Verankerung in der Gesellschaft spielt. Es ist eine Illusion zu glauben, dass eine Ehe unfreier macht als beliebige Beziehungen. Eine traditionelle Famile ist mehr förderlich für eine berufliche Anerkennung, und damit auch für einen Arbeitgeber von sensiblen Einsätzen eine zusätzliche (wenn auch nicht 100%) Sicherheit.

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