Schweizer Experte: „Deutsche Banken waren Weltmeister im Tricksen“

Schweizer Experte
„Deutsche Banken waren Weltmeister im Tricksen“

Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist noch lange nicht vorbei, denn die Deutschen sind vom großen Crash besonders stark betroffen, sagt Journalist und Buchautor Leo Müller. Im Interview geißelt der Schweizer Experte für Finanzkriminalität als Grund dafür unter anderem das Geschäftsgebahren der deutschen Banken, wirft der Regierung in Berlin ein Komplett-Versagen in der Finanzpolkitik und eine sträfliche Inkompetenz vor und sagt, was sich im System ändern muss.
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Die spanische Santander verdiente in den Krisenjahren 2007 und 2008 fast 18 Milliarden Euro, während die zehn größten deutschen Banken Ihrer Analyse nach im gleichen Zeitraum 23 Milliarden Euro Verluste schrieben. Sind die deutschen Banker schlechter als die spanischen?

Die deutschen Banken zählen heute sogar europaweit eindeutig zu den Schlusslichtern. Das ist der Preis dafür, dass sich viele deutsche Banken mit Bilanztricks durch die Krise gemogelt haben. Während andere Institute in Europa wie die Nordea oder die Santander blendend durch die Krise gingen, viele andere ihre krisenbedingten Verluste berichtigt und verarbeitet haben, erleben wir nun in Deutschland ein endloses Fiasko. Das Ergebnis: Deutschland hat heute die größten Bad Banks der Welt. Deutsche Banken waren Weltmeister im Täuschen und Tricksen. Deutsche Landesbanken erhöhten ihre Einsätze bei den Verbriefungswetten sogar noch um Milliardensummen, als die anderen bereits ausstiegen. Das war eine gigantische Veruntreuung von Staatsvermögen. Und noch immer verweigern die größten deutschen Banken bei gewaltigen Risikovolumen die Bewertung nach aktuellen Marktwerten. In dieser zweifelhaften Disziplin sind sie ebenfalls Weltmeister.

Bei der Sanierung und Regulierung des Bankensystems gehen die wichtigsten Impulse ebenfalls nicht von Deutschland, sondern von den USA aus. Warum ist die Finanzpolitik so zögerlich?

Wir erleben in Deutschland ein Komplett-Versagen der Finanzpolitik und eine sträfliche Inkompetenz. Da rächt sich die politische Arroganz gegenüber der Wall Street, wie sie von Ex-Finanzminister Peer Steinbrück gepflegt wurde. Unterdessen haben deutsche Finanzpolitiker ihren Landesbanken-Managern erlaubt, dass sie Citibank spielten. Das war grob fahrlässig und es war ein gigantischer Bilanzschwindel.

Aber die Regierung hat doch immerhin die systemwichtigen Banken retten müssen?

Ja, planlos, kopflos und inkompetent. Das Ergebnis: Heute sind die deutschen Rettungsinvestitionen für die Banken höher als die der Amerikaner - in absoluten Zahlen. Und der Trend ist frappierend: Die Amerikaner reduzieren ihre Staatshilfen, die Deutschen fahren sie hoch. Die großen Verlustmeldungen des Soffin-Rettungsfonds kommen noch. Und an jedem Werktag verpulvert Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit der verstaatlichten Hypo Real Estate zehn Millionen Euro. Diese Zombie-Bank ist nicht kreditwürdig und nicht überlebensfähig.

Haben die deutschen Politiker zu wenig Distanz - die Kanzlerin hat Josef Ackermann sogar zum Geburtstag eingeladen?

Diese Aufregung über ein Kanzler-Dinner für Ackermann ist typisch deutsch. Selbstverständlich sollten Regierungsmitglieder und Unternehmenschefs hin und wieder ein Glas Wein miteinander trinken. Das ist wichtig, nicht verwerflich. Das Problem ist hier nur: Die Kanzlerin versteht immer noch nichts von den Finanzmärkten - was sie übrigens auch offen zugibt. Und sie hat bis heute nichts zur gründlichen Untersuchung der Systemfehler getan. Andere Länder haben längst ihre Expertenberichte veröffentlicht.

Was muss sich im System ändern?

Die Finanzpolitik muss vor allem dafür sorgen, dass die Bilanzwahrheit wieder hergestellt wird und die Banken mit hinreichend Eigenkapital ausgestattet sind. Das kann die Regierung - wenn sie will - ganz rasch im nationalen Alleingang einführen - wie zum Beispiel die Schweiz.

Aber die Kanzlerin fordert doch strengere internationale Regeln?

Sie faselt von internationalen Abkommen - wie immer, wenn man eine politische Entscheidung auf die lange Bank schieben will. Tatsächlich ist das Auftreten der Bundesregierung in den Gremien ziemlich dreist: Sie redet von besserer Regulierung und fordert - wenn es konkret wird - sogar längere Uebergangsfristen und Sonderregeln für deutsche Banken. Und sie fordert liebend gern eine strenge Regulierung von Hedge-Fonds. Auch das ist Augenwischerei: Deutschland hat praktisch keine Hedge-Fonds.

ZUR PERSON: Leo Müller

Leo Müller gilt als Experte für Finanzkriminalität. Er arbeitet als Journalist für das Wirtschaftsmagazin Bilanz in der Schweiz und ist Dozent am Studiengang Economic Crime Investigation der Hochschule Luzern. Im März veröffentlicht er im Econ-Verlag ein neues Buch mit dem Titel "Bank-Räuber - Wie kriminelle Manager und unfähige Politiker uns in den Ruin treiben".

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  • Es ist an der Zeit, bankvorstände und Aufsichtsräte der letzten 10 Jahre zur Rechenschaft zu ziehen. AUCH iN DEUTSCHLAND !!

    Wann wird hier endlich von der Staatsanwaltschaft gehandelt??
    beim kleinen bürgen ist diese nicht so zimperlich...

    Das war ein von langer Hand geplanter bANKRAUb, welcher viele ruiniert hat!!

    Die Drahtzieher haben sich schon vor Jahren abgesetzt, leben in Saus und braus und werden, wie man täglich lesen kann, für ihre Kriminellen Taten noch fürstlich belohnt!!

    Sollen diese Kriminellen wirklich davonkommen??

  • Ja leider Fondue, bei der UbS haben sich leider auch die Deutschen beliebig profitable und teuer verkauft, auf der Hatz nach hohem Einkommen ohne große Gegenleistung.


  • Na, dann passt dieser Film ja ausgezeichnet zum Thema.

    http://www.ndr.de/apps/java/45min/player.jsp?id=diezockerbank110

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