Credit Suisse prüft geplanten Börsengang

Schweizer Großbank
Credit Suisse prüft geplanten Börsengang

Die Großbank will im zweiten Halbjahr 2017 ihr Schweizer Geschäft an die Börsen bringen - doch nun werden andere Optionen geprüft. Das Unternehmen hat das zweite Jahr in Folge einen Verlust in Milliardenhöhe erzielt.
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ZürichDie Credit Suisse findet nicht aus den roten Zahlen heraus. Vor allem wegen hoher Rechtskosten verbuchte die zweitgrößte Schweizer Bank 2016 einen Verlust von 2,44 Milliarden Franken, wie Credit Suisse am Dienstag mitteilte.

Das Unternehmen stellt auch den für das zweite Halbjahr 2017 geplanten Börsengang des Schweizer Geschäfts auf den Prüfstand. Das Kernkapital habe sich seit der Ankündigung der IPO-Pläne im Herbst 2015 verbessert, erklärte Konzernchef Tidjane Thiam am Dienstag auf einer Analystenkonferenz. In der Restrukturierungsphase habe die Möglichkeit eines Börsengangs ein wirksames Sicherheitsnetz gebildet, um bei Bedarf das Kapital zu stärken. „Angesicht des unsicheren geopolitischen Umfelds, in dem wir agieren, wollen wir diese Optionalität bewahren.“ Entsprechend treibe die Bank die Vorbereitungen für eine solche Transaktion wie geplant voran. Gleichzeitig prüfe Credit Suisse eine breite Palette von Optionen, um zu ermitteln, ob es Wege gebe, für die Aktionäre ein attraktiveres Ergebnis zu erreichen. 

Bei der Bilanzqualität machte die Credit Suisse kaum Fortschritte. Die Kernkapitalquote, die die Widerstandskraft gegen Finanzmarktstürme widerspiegelt, notierte bei 11,6 (Vorjahr 11,4) Prozent. Damit gehören die Zürcher zu den Schlusslichtern unter Europas Großbanken. Sogar die mit einer Dauerkrise kämpfende Deutsche Bank steht mit 11,9 Prozent mittlerweile besser da. Abhilfe schaffen soll eigentlich hier der letzte große Sanierungsschritt Thiams. Mit dem Teil-Börsengang der Credit Suisse Schweiz will der Konzern zwei bis vier Milliarden Franken erlösen.

Nachdem Altlasten dem Zürcher Institut im Verlauf von zwei Jahren damit nun Verluste von insgesamt über fünf Milliarden Franken einbrockt haben, hoffen die Anleger, dass Thiam im laufenden Jahr die Wende gelingt. „Wir sind gut aufgestellt, um unser Restrukturierungsprogramm in den Jahren 2017 und 2018 erfolgreich fortzuführen“, erklärte der Ivorer. Nach dem Abbau von rund 7250 Stellen in 2016 will Credit Suisse im laufenden Jahr weitere gut 5500 Jobs streichen.

Vor allem der Vergleich im US-Hypothekenstreit drückte im vergangenen Jahr auf das Ergebnis. Immerhin fiel der Abschluss etwas besser aus als im Vorjahr. 2015 hatten Abschreibungen auf eine Übernahme in den USA für einen Verlust von 2,94 Milliarden Franken gesorgt. Für 2016 hatten Analysten durchschnittlich einen Fehlbetrag von 2,1 Milliarden Franken prognostiziert. Trotz des erneut negativen Jahresergebnisses sollen die Aktionäre wie im Vorjahr eine Dividende von 70 Rappen (66 Cent) aus Kapitalreserven erhalten. Die Anteilseigner können sich diese entweder in bar oder in Form neuer Anteile auszahlen lassen.

Im Tagesgeschäft machte die Bank Fortschritte. Im Kerngeschäft kletterte der Vorsteuergewinn auf 3,5 Milliarden Franken. Zwei Milliarden steuerte das Schweizer Geschäft bei, das in der zweiten Hälfte 2017 separat an die Börse kommen soll. Im Wertpapier-Geschäft resultierte dagegen nur ein kleiner Gewinn. Das hat vor allem damit zu tun, dass Thiam den Anleihenhandel eindampfte.

Denn einerseits kam der Ausstieg aus riskanten Positionen die Bank teuer zu stehen. Andererseits ging der Boom in dem Anleihengeschäft, der die Ergebnisse von US-Investmentbanken wie JP Morgan oder Goldman Sachs zuletzt befeuert hatte, an den Schweizern vorbei.

„In einem schwierigen Jahr haben unsere Teams großen Einsatz gezeigt und gute Fortschritte erzielt. Dadurch konnten sie das Jahr mit einem starken Endspurt abschließen“, sagte Thiam. Während im Gesamtjahr die Erträge um 7 Prozent auf 21,6 Milliarden Franken zurückgingen, zogen sie im vierten Quartal verglichen zum Vorjahreszeitraum wieder an.

Die Vermögensverwaltung erwies sich 2016 als Stütze für die Bank, aber auch das lange problematische Kapitalmarktgeschäft konnte letztlich zulegen. Die Finanzmärkte sind seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten in Aufruhr - höhere Handelsaktivitäten sind in der Regel gut für Banken.

„Viele der positiven Trends des vierten Quartals hielten im Januar an“, fuhr Thiam fort. So hätten alle Bereiche der Vermögensverwaltung im Januar Zuflüsse verzeichnet. Die Kundenaktivität an den Kapitalmärkten und im Handelsgeschäft sei weiter „robust“. Vor allem der Verkauf von Kredit- und verbrieften Produkten lief sehr gut. Die Bank profitiert unter anderem von der gestiegenen Unsicherheit der Unternehmen mit Blick auf die Entwicklung der tendenziell wieder steigenden Zinsen. Viele Konzerne sichern sich deshalb für die Finanzierung ihrer Geschäfte jetzt noch Kredite.

Mitte Januar 2017 konnte Credit Suisse ihren größten Rechtsstreit mit einer Milliardenzahlung in Höhe von 5,3 Milliarden Dollar beilegen. Die Investoren reagierten damals erleichtert, dass der Vergleich mit dem US-Justizdepartement wegen Tricksereien mit komplexen Wertpapieren in den USA vom Tisch war – trotz der happigen Strafe.

„Die Anleger freuen sich über jede Altlast, die abgehakt ist“, erklärte EFG International-Fondsmanager Urs Beck damals. „Die Kosten sind zweitrangig.“ Er könne sich bei der Beurteilung der Bank nun wieder stärker auf das operative Geschäft konzentrieren.

Wie die Deutsche Bank, die UBS und viele andere internationale Großbanken kaufte auch die Credit Suisse vor der Finanzkrise faule US-Hypotheken auf, bündelte sie in Wertpapieren – sogenannte „Residential Mortgage Backed Securities (RMBS)“ – und verkaufte diese an große Anleger weiter. Als der US-Immobilienmarkt einbrach, blieben die Investoren auf riesigen Verlusten sitzen. In dem Verfahren gegen die Credit Suisse stellte das US-Justizministerium fest, dass die Bank Kredite an den Mann brachte, die Mitarbeiter in E-Mails als „kompletten Mist“ bezeichneten.

So befindet die Credit Suisse sich in einer ähnlichen Lage wie die Deutsche Bank. Nach der Finanzkrise hatte der Konzern zunächst an einem breiten Investmentbanking festgehalten im Vertrauen, dass sich das Kapitalmarktgeschäft nach dem Lehman-Schock wieder erholt. Doch diese Besserung ließ lange auf sich warten. Bankchef Thiam, der seit gut eineinhalb Jahren im Amt ist, setzt auf Kosteneinsparungen und den Ausbau der als stabil geltenden Vermögensverwaltung. Der Umbau gehe in diesem und dem kommenden Jahr weiter, sagte Thiam.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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