Schweizer Großbank in Not
UBS am Scheideweg

Der Verwaltungsrat der Bank muss bei seinem Treffen zwei Fragen beantworten: Bleibt Grübel Chef und kann er die anstehende Restrukturierung noch selbst leisten? Und wie viel Investmentbank braucht die UBS eigentlich?
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Zürich/LondonDie Schweizer Großbank UBS sieht sich nach dem Handelsskandals in London nicht unter größerem Druck ihrer Aktionäre. „Nein“ sagte UBS-Präsident Kaspar Villiger am Dienstag zu Journalisten vor seinem Hotel in Singapur auf die Frage, ob UBS Druck ihrer Aktionäre spüre. Die Bank sei sehr solide, ergänzte Villiger. Bis Donnerstag tagt der UBS-Verwaltungsrat in Singapur. Der 31-jährige UBS-Händler Kweku Adoboli hatte mit Spekulationsgeschäften einen Schaden von 2,3 Milliarden Dollar verursacht und die Bank damit in eine Krise gestürzt. Wichtige Aktionäre wie der Staatsfonds von Singapur (GIC) fordern nun konkrete Schritte, um das Vertrauen in das Geldhaus wiederherzustellen.

Für den UBS-Chef Oswald Grübel eine schwere Zeit: Er muss jetzt um seinen Job kämpfen, denn neben der Frage, wie die Zukunft des Investmentbankings aussieht, geht es auch um mögliche personelle Konsequenzen. Der Stuhl von Bankchef Oswald Grübel scheint gefährlich zu wackeln. Laut dem Westschweizer Magazin „Bilanz“ sei er gebeten worden, den Rücktritt zu erklären.

Dabei komme nach Ansicht von Helvea-Analyst Peter Thorne als Grübels Nachfolger nur Sergio Ermotti infrage. Die frühere Nummer zwei bei Unicredit ist seit April bei UBS und dort für die Geschäfte in Europa, dem Nahen Osten und Afrika zuständig.

Doch sein Amt zu verlassen, plant Grübel nicht. Vielmehr denke er nicht an den Rücktritt. Laut „Tages-Anzeiger“ hofft der angeschlagene UBS-Chef immer noch, selbst die anstehende Restrukturierung des Investmentbankings leiten zu dürfen. Vor der Verwaltungsratssitzung hatte sich der Staatsfonds Singapur GIC zu Wort gemeldet, der mit einem Anteil von 6,4 Prozent der größte UBS-Aktionär ist. GIC sei „enttäuscht und unruhig“ über den Betrugsfall. Doch zum Schicksal Grübels schwieg sich GIC aus.

Spekulationen kreisen auch um den 70-jährigen UBS-Präsidenten Kaspar Villinger: Er könnte bereits nächstes Jahr abtreten, um Ex-Bundesbankchef Axel Weber vorzeitig Platz zu machen. Doch noch ist Weber nicht einmal Mitglied im Verwaltungsrat, dazu müsste ihn eine Hauptversammlung wählen.

Rund 3500 Jobs werden gestrichen

Bei den Analysten stehen derweil weniger Personen, sondern das Geschäftsmodell im Fokus, vor allem die Zukunft des Investmentbankings. Besonders der Geschäftsbereich mit Anleihen und Devisen – im Banker-Englisch kurz FICC genannt – steht in der Kritik. Hier hatte Investmentbank-Chef Carsten Kengeter eine Aufholjagd versucht, die bereits vor dem Händlerskandal als gescheitert angesehen wurde. Die Bank hatte bereits ein Sparprogramm über zwei Milliarden Franken (rund 1,64 Milliarden Euro) angekündigt. Insgesamt sollen 3500 Jobs gestrichen werden, knapp die Hälfte davon im Investmentbanking.

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