Schweizer Großbank in Not Die UBS steht am Scheideweg

Der Verwaltungsrat der Bank muss bei seinem Treffen zwei Fragen beantworten: Bleibt Grübel Chef und kann er die anstehende Restrukturierung noch selbst leisten? Und wie viel Investmentbank braucht die UBS eigentlich?
Update: 21.09.2011 - 10:19 Uhr Kommentieren
Schweizer Magazine spekulieren bereits über seinen Rücktritt: UBS-Chef Oswald Grübel. Quelle: Reuters

Schweizer Magazine spekulieren bereits über seinen Rücktritt: UBS-Chef Oswald Grübel.

(Foto: Reuters)

Zürich/LondonDie Schweizer Großbank UBS sieht sich nach dem Handelsskandals in London nicht unter größerem Druck ihrer Aktionäre. „Nein“ sagte UBS-Präsident Kaspar Villiger am Dienstag zu Journalisten vor seinem Hotel in Singapur auf die Frage, ob UBS Druck ihrer Aktionäre spüre. Die Bank sei sehr solide, ergänzte Villiger. Bis Donnerstag tagt der UBS-Verwaltungsrat in Singapur. Der 31-jährige UBS-Händler Kweku Adoboli hatte mit Spekulationsgeschäften einen Schaden von 2,3 Milliarden Dollar verursacht und die Bank damit in eine Krise gestürzt. Wichtige Aktionäre wie der Staatsfonds von Singapur (GIC) fordern nun konkrete Schritte, um das Vertrauen in das Geldhaus wiederherzustellen.

Für den UBS-Chef Oswald Grübel eine schwere Zeit: Er muss jetzt um seinen Job kämpfen, denn neben der Frage, wie die Zukunft des Investmentbankings aussieht, geht es auch um mögliche personelle Konsequenzen. Der Stuhl von Bankchef Oswald Grübel scheint gefährlich zu wackeln. Laut dem Westschweizer Magazin „Bilanz“ sei er gebeten worden, den Rücktritt zu erklären.

Wer ist Schuld am Finanzdesaster der UBS?
APTOPIX Britain UBS
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Ein einzelner UBS-Händler verzockt zwei Milliarden Dollar, und keiner hat etwas bemerkt? Dieses Szenario scheint angesichts des riesigen Schadens undenkbar. Nun müssen sich die Vorgesetzten des Händlers (das Foto zeigt Kweku Adoboli mit Polizisten in London) einige unbequeme Fragen gefallen lassen.

UBS CEO Gruebel reacts during a press conference in Zurich
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"Ich habe die Verantwortung für alles, was in  der Bank passiert - ich fühle mich aber nicht schuldig": Der Vorstandsvorsitzende Oswald Grübel hat Rücktrittsforderungen als "politisch motiviert" bezeichnet. Der Deutsche Grübel hatte die Führung der UBS mitten in der Finanzkrise übernommen und die angeschlagene Bank bis 2010 aus der Verlustzone geführt. Seit Bekanntwerden der illegalen Geschäfte steht er er zunehmend unter Druck. Warum konnte die Bank die nichtautorisierten Geschäfte des Zockers übersehen?

UBS Appoints Misra, Psyllidis as Co-Heads of Fixed-Income Unit
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Carsten Kengeter, Leiter des UBS-Investmentsgeschäfts, ist selbst eine ausgewiesene Händlernatur. Bevor er bei UBS für ein Spitzengehalt anheuerte, war er Händler bei Goldman Sachs. Nun gab es in der Abteilung des 43jährigen ein finanzielles Desaster - dabei sollte das Investmentbanking eigentlich die Bilanz von UBS nachhaltig verbessern. Die UBS musste kleinlaut davor warnen, der Milliardenschaden könne auch zu einem Verlust in der Quartalsbilanz der Bank führen ...

Schockierender als die Höhe des Schadens ist aber wohl mehr die Tatsache, dass die UBS offensichtlich die Risiken nach wie vor nicht kontrollieren kann.

Chairman Villiger of Swiss bank UBS arrives for a news conference in Zurich
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Während sich die übrigen UBS-Spitzenkräfte bedeckt halten, spricht Aufsichtsratsvorsitzender Kaspar Villiger (vorne) Klartext: Der Skandal komme zur Unzeit, sagt Villiger, der in der Vergangenheit vor allem mit der Neuausrichtung der Bank beschäftigt gewesen war. Er sei eigentlich wirklich überzeugt, dass es der UBS-Führung gelungen sei, das Risikomanagement und die Kontrolle auf die Höhe der Zeit zu bringen, sagt Villiger der „Neuen Zürcher Zeitung“. Die Tatsache, dass so etwas trotzdem habe passieren können, zeige, dass es noch Lücken gebe, die geschlossen werden müssten.

huGO-BildID: 23382734 Maureen Miskovic, UBS
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Auch Maureen Miskovic, die für das Risikomanagement der UBS-Gruppe verantwortlich ist, wird sich einiges anhören müssen. "Dank ihrer umfassenden Erfahrung im Risikomanagement wird Maureen Miskovic die soliden Grundlagen der neuen Risikoorganisation von UBS weiter festigen und optimieren. Wir freuen uns, dass sie ihre Führungsstärke im Risikomanagement intelligent, umsichtig und proaktiv einbringen wird", hatte ihr direkter Vorgesetzter Oswald Grübel noch zu Jahresbeginn geschwärmt. Mit der Schwärmerei dürfte es nun vorerst vorbei sein.

huGO-BildID: 10268442 David Sidwell, neuer
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Der Verwaltungsrat David Sidwell soll nun die Untersuchung des Skandals leiten. Seine Kommission soll herausfinden, warum die Machenschaften des Händlers über Jahre nicht auffielen und ob es noch weitere Beteiligte gibt. Zusätzlich wird eine externe Firma die internen Vorgänge bei UBS unabhängig prüfen. Vor seiner Zeit bei UBS war Sidwell erfolgreich für Morgan Stanley tätig, leitete dort eine große Abteilung von Finanzexperten.

Still image from video of John Adoboli, father of UBS rogue trader Kweku Adoboli, speaking in his home in Tema
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Auch John Adoboli, der Vater des Verdächtigen, muss sich Fragen zu seinem Sohn gefallen lassen. Der frühere UN-Mitarbeiter äußerte sich gegenüber der Zeitung "Daily Mail" bestürzt: "Wir sind besorgt, denn wir sind eine anständige und hart arbeitende Familie, ebenso wie Kweku." Er wünsche sich nichts sehnlicher, als mit seinem Sohn zu sprechen, so der Vater, um herauszufinden, wie er in diese Situation kommen konnte.

Dabei komme nach Ansicht von Helvea-Analyst Peter Thorne als Grübels Nachfolger nur Sergio Ermotti infrage. Die frühere Nummer zwei bei Unicredit ist seit April bei UBS und dort für die Geschäfte in Europa, dem Nahen Osten und Afrika zuständig.

Doch sein Amt zu verlassen, plant Grübel nicht. Vielmehr denke er nicht an den Rücktritt. Laut „Tages-Anzeiger“ hofft der angeschlagene UBS-Chef immer noch, selbst die anstehende Restrukturierung des Investmentbankings leiten zu dürfen. Vor der Verwaltungsratssitzung hatte sich der Staatsfonds Singapur GIC zu Wort gemeldet, der mit einem Anteil von 6,4 Prozent der größte UBS-Aktionär ist. GIC sei „enttäuscht und unruhig“ über den Betrugsfall. Doch zum Schicksal Grübels schwieg sich GIC aus.

Spekulationen kreisen auch um den 70-jährigen UBS-Präsidenten Kaspar Villinger: Er könnte bereits nächstes Jahr abtreten, um Ex-Bundesbankchef Axel Weber vorzeitig Platz zu machen. Doch noch ist Weber nicht einmal Mitglied im Verwaltungsrat, dazu müsste ihn eine Hauptversammlung wählen.

Rund 3500 Jobs werden gestrichen

Bei den Analysten stehen derweil weniger Personen, sondern das Geschäftsmodell im Fokus, vor allem die Zukunft des Investmentbankings. Besonders der Geschäftsbereich mit Anleihen und Devisen – im Banker-Englisch kurz FICC genannt – steht in der Kritik. Hier hatte Investmentbank-Chef Carsten Kengeter eine Aufholjagd versucht, die bereits vor dem Händlerskandal als gescheitert angesehen wurde. Die Bank hatte bereits ein Sparprogramm über zwei Milliarden Franken (rund 1,64 Milliarden Euro) angekündigt. Insgesamt sollen 3500 Jobs gestrichen werden, knapp die Hälfte davon im Investmentbanking.

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