Schweizer Großbank
Rivalen ködern Star-Banker der UBS

Angesichts des Handelsskandals bei der UBS könnten Boni gering ausfallen oder ganz ausbleiben. Konkurrenten nutzen die Situation, um Fusionsberater und Aktienspezialisten von der Schweizer Großbank abzuwerben.
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LondonDer UBS droht ein weiterer Aderlass ihrer besten Investmentbanker. Angesichts des Handelsskandals und der Aussicht auf geringe oder ganz ausbleibende Boni ist die Moral bei der Schweizer Großbank angeschlagen. Konkurrenten und aufstrebende Investmentbanken dürften Brachenexperten zufolge versuchen, Fusionsberater und Aktienspezialisten von der Schweizer Großbank abzuwerben.

„Andere Banken kreisen wie Geier über der UBS“, sagte ein Headhunter. „Der Gewinn ist stark zurückgegangen und dies wird die Boni beeinflussen. Leute werden gehen, daran gibt es keinen Zweifel.“ Zwei Brancheninsider in London sagten zu Reuters, dass ihre Firmen UBS-Banker angehen werden. Die Banken dürften versuchen, sich vor allem mit gut vernetztem UBS-Personal zu verstärken.

UBS-Investmentbanking-Chef Carsten Kengeter versucht seit dem Ausbruch des Skandals dagegenzuhalten. Er versicherte seinen Mitarbeitern, dass uns „die Kunden mit Unterstützungsbekundungen überschwemmen.“ Der Deutsche forderte seine Leute auf, „hart zu arbeiten und das Momentum aufrecht zu erhalten.“ Alle seien „frustriert und wütend“.

Die UBS-Mitarbeiter dürften bereits in den kommenden Wochen angesprochen werden. Headhuntern zufolge ist aber unwahrscheinlich, dass sie vor Anfang nächsten Jahres wirklich wechseln. Denn die Banken wollen vermeiden, den UBS-Mitarbeitern die Boni zu erstatten, die ihnen ansonsten bei der Schweizer Bank zustünden.

Angesichts von Wirtschaftsabschwung, Finanzkrise und verstärkter Regulierung sind die globalen Banken Schätzungen zufolge gegenwärtig dabei, über 100.000 Stellen abzubauen. Entsprechend sind Neuanstellungen auf breiter Front unwahrscheinlich. Aber die Chance, erfolgreiche UBS-Banker anzulocken, dürften sich viele andere Häuser nicht entgehen lassen. Jüngst - noch vor dem Handelsskandal - hatten mehrere Chefs von Investmentbanken zu Reuters gesagt, dass sie immer Platz für „selektive Neuanstellungen“ hätten.

In den vergangenen Monaten hatten Institute wie Bank of America Merrill Lynch und Citi bereits verschiedene prominente UBS-Mitarbeiter abgeworben. „Andere Banken führten brutale Raubzüge gegen die UBS“, erklärte ein Personalberater. „Obwohl die UBS immer noch eine starke Kultur hat, haben sie ihre Schwäche gespürt.“ So konnte Bank of America Matthew Koder gewinnen, der bei UBS das weltweite Kapitalmarktgeschäft leitete. Die beiden Leiter des Bereichs Firmenübernahmen gingen zu Citi und zur Boutique Moelis. In den USA verlor die UBS über 15 erfahrene Übernahmespezialisten.

Zu den Firmen, die ein Auge auf das UBS-Personal werfen dürften, gehört die japanische Nomura . Mögliche Ziele sind neu ernannte Divisionsleiter wie James Hartop, Nick Reid, Simon Warshaw oder Francois Gouws. Aber es dürfte schwierig werden, langjährige Mitarbeiter wie Warshaw and Gouws zum Abspringen zu bewegen. „Das Investmentbanking der UBS ist nicht zerstört“, sagte ein Headhunter. „Einige der Veteranen haben zwar einen Preis, aber sie fühlen sich der UBS verpflichtet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Schweizer Großbank: Rivalen ködern Star-Banker der UBS"

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  • Problem? Ich würde eher sagen "Problem gelöst"! Für mich ist bis heute noch nicht klar wie man Angestellten, die für die größten Verlusten des Unternehmens überhaupt, Boni zahlen kann ...

    Naja manche lernen wohl nur durch Schmerzen ...

  • Ja und, wo ist das Problem ??? So etwas nennt man Marktwirtschaft. Fertig aus !!!

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