Schweizer SIX Börsenkonzern prüft Abspaltung des Kartengeschäfts

Der Schweizer Börsenkonzern SIX lotet Finanzkreisen zufolge eine Abspaltung oder einen Verkauf seines Kartenzahl-Geschäfts aus. Der ganze Bereich könnte auf einen Wert von bis zu zwei Milliarden Franken kommen.
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Der Verkauf von Anteilen kommt voran. Quelle: Reuters
Der Schweizer Börsenkonzern SIX

Der Verkauf von Anteilen kommt voran.

(Foto: Reuters)

Zürich/Frankfurt/LondonDer Schweizer Börsenkonzern SIX lotet Finanzkreisen zufolge mit Hilfe einer Investmentbank eine Abspaltung oder einen Verkauf seines Kartenzahl-Geschäfts aus. Die US-Investmentbank JP Morgan sei mit dem Mandat betraut worden, verschiedene Optionen für SIX Payment Services zu prüfen, erklärten mit der Situation vertraute Personen. Der ganze Bereich könnte auf einen Wert von bis zu zwei Milliarden Franken kommen. Die Szenarien umfassten einen Verkauf des ganzen Geschäfts und einen Börsengang, erklärte eine der Personen. Am wahrscheinlichsten sei jedoch, dass sich ein Investor an SIX Payment Services beteilige oder das Geschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werde. Der SIX-Verwaltungsrat dürfte im November eine Entscheidung fällen.

SIX Payment Services wickelt unter anderem Kredit- und Bankkartenzahlungen an der Ladenkasse ab und stellt Händlern die Bezahlterminals zur Verfügung. Mit einem Umsatz von 885 Millionen Franken und einem Betriebsergebnis (Ebit) von 92 Millionen Franken im Jahr 2016 ist es die größte Division des Konzerns. Mit dem Kauf des Konkurrenten Aduno SA im August hat die Sparte die Führungsposition in der Schweiz weiter ausgebaut.

Die größten Börsenbetreiber der Welt
Platz 10: BM&F Bovespa
1 von 10

Die Bedeutung der brasilianischen Börse hat in den vergangenen Monaten stark gelitten. Das Land steckt tief in der Rezession. Neben den hausgemachten Problemen lastet auch die globale Konjunktureintrübung auf dem südamerikanischen Schwellenland. Die Börse in Brasilien hat sich dementsprechend katastrophal entwickelt. Auf Jahressicht hat der Bovespa über 15 Prozent verloren. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung reicht es deswegen nur für den zehnten Platz.

Marktkapitalisierung: 4,6 Milliarden Euro*

*Stand: 23. Februar 2016

Platz 9: Singapore Exchange
2 von 10

Die Singapore Exchange ist 1999 aus der Fusion der Stock Exchange of Singapore und der Singapore International Montary Exchange hervorgegangen. Insgesamt sind knapp 800 Unternehmen an der Börse in Singapur gelistet.

Marktkapitalisierung: 5,0 Milliarden Euro

Platz 8: ASX
3 von 10

Der Preisverfall an den Rohstoffmärkten hat auch Australien hart getroffen. Vor allem die Geschäfte mit dem Hauptabnehmer China verlaufen schleppend. Die jahrelang glänzend verlaufenden Geschäfte im Eisenerzhandel sind nicht mehr so gewinnbringend. Auf Jahressicht hat die ASX knapp 15 Prozent verloren. Das ging an der Marktkapitalisierung nicht spurlos vorbei.

Marktkapitalisierung: 5,3 Milliarden Euro

Platz 7: Japan Exchange Group
4 von 10

Die Börse in Tokio hat ein lange Geschichte. Gegründet wurde sie 1878. Seit 1999 gibt es keinen Parketthandel mehr, sondern nur noch den elektronischen Börsenhandel. Neben dem Tokyo Stock Exchange existierte noch die Osaka Securities Exchange, 2011 fusionierten sie. Die Japan Exchange Group ging 2013 an den Start und ist laut Marktkapitalisierung die siebtgrößte der Welt.

Marktkapitalisierung: 7,6 Milliarden Euro

Platz 6: Nasdaq
5 von 10

Die Nasdaq startete im Februar 1971 als vollelektronische Handelsplattform. Ihre ganz große Zeit hatte die Nasdaq in den 90er-Jahren. Inzwischen muss sie hart um Marktanteile kämpfen. Das Wahrzeichen der Börse im Herzen New York ist die Wand mit Bildschirmen. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung liegt die Nasdaq zwar noch vor der Japan Exchange Group, doch der Abstand zu den Spitzenplätzen ist groß.

Marktkapitalisierung: 9,5 Milliarden Euro

Platz 5: London Stock Exchange
6 von 10

Die London Stock Exchange (LSE) könnte bald mit der Deutschen Börse fusionieren. Das Interesse der Deutschen ist allerdings nicht neu. Bereits 2004 buhlten die Deutsche Börse um die LSE. Damals scheiterten die Verhandlungen, weil den Londonern das Angebot zu niedrig war. Die LSE ist mit 3000 handelnden Unternehmen aus über 70 Ländern der internationalste aller Handelsplätze und über 300 Jahre alt.

Marktkapitalisierung: 12,2 Milliarden Euro

Platz 4: Deutsche Börse
7 von 10

Bei einem Zusammenschluss könnte das fusionierte Unternehmen aus Deutscher Börse und LSE zu einem der größten Börsenbetreiber der Welt aufsteigen. Aktuell liegen die Deutschen schon auf Platz 4.

Marktkapitalisierung: 15,9 Milliarden Euro

Im europäische Markt für bargeldlosen Zahlungsverkehr werden die Karten derzeit neu gemischt. In vielen Ländern haben Banken diese nicht zum Kerngeschäft gehörenden Bereiche abgestoßen und ihre Bilanzen damit gestärkt. Anfang Jahr verkauften die DZ Bank, die Deutsche Bank, die Commerzbank und weitere Institute die deutsche Concardis für rund 700 Millionen Euro an Finanzinvestoren. Der US-Kreditkarten-Abwickler Vantiv sorgte im Juli mit einem 8,7 Milliarden Euro schweren Angebot für die britische Worldpay für einen Höhepunkt der Übernahmewelle in der Branche.

Weil weltweit immer weniger mit Bargeld und immer mehr elektronisch bezahlt wird, bietet der Markt gute Wachstumschanchen. Wer bei der Konsolidierung vorne mitspielen will, braucht aber Kapital. Die im Besitz von rund 130 Banken stehende SIX hat in den vergangenen Jahren trotz voller Kassen nur kleinere Zukäufe gemacht. Experten interpretierten das so, dass die Mehrheit der Besitzer großzügige Ausschüttungen Investitionen ins Geschäft vorzieht. Letztlich entscheiden die Eigner, darunter UBS und Credit Suisse, was mit dem Karten-Dienstleister passiert.

Der seit Anfang Jahr amtierende SIX-Präsident Romeo Lacher hat wiederholt durchblicken lassen, dass er sich im Kartengeschäft eine Änderung der Besitzverhältnisse oder einen Zusammenschluss mit einem anderen Unternehmen vorstellen kann.

Der Zeitpunkt für einen Verkauf von Anteilen wäre Experten zufolge jetzt gut, denn die Bewertungen sind zuletzt deutlich gestiegen. Das wollen die Besitzer solcher Geschäfte nutzen. So stehen die österreichische Card Complete und die portugiesische SIBS zum Verkauf, während die deutschen Sparkassen einen Minderheitsanteil an BS Payone loswerden wollen. Private Equity-Gesellschaften wie Advent, Bain, Warburg Pincus, Blackstone und CVC dürften Insidern zufolge Interesse an solchen Geschäften bekunden. Unklar ist, wie offen die SIX für einen Verkauf von Anteilen an Beteiligungsgesellschaften ist.

Ein SIX-Sprecher erklärte, das Unternehmen werde bis Ende des Jahres bekanntgeben, wie es mit dem Bereich weitergehe. JP Morgan und die Finanzinvestoren wollten sich nicht äußern oder waren für Stellungnahmen nicht verfügbar.

  • rtr
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