Schweizerische Nationalbank 54 Milliarden Gewinn durch die Abwertung des Franken

Um die Aufwertung des Franken zu stoppen, hat die Schweizerische Nationalbank in großem Stil investiert. Der Börsenboom bescherte ihr 2017 einen Rekordgewinn von 54 Milliarden Franken. Doch der Erfolg hat einen Haken.
Update: 09.01.2018 - 15:55 Uhr 2 Kommentare
SNB: 54 Milliarden Gewinn durch Franken-Abwertung Quelle: dpa
Schweizer Franken

Die üppigen Gewinne der Notenbank wecken Begehrlichkeiten.

(Foto: dpa)

ZürichDer neue Rekord kommt ziemlich nüchtern daher: Gerade einmal vier Absätze ist die Mitteilung lang, mit der die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihr erwartetes Ergebnis publik macht. Demnach dürfte ihr Gewinn für das vergangene Jahr bei 54 Milliarden Franken (46 Milliarden Euro) liegen. Und damit so hoch wie noch nie.

Die gute Entwicklung an den Märkten und die Schwächung der schweizerischen Landeswährung haben der SNB dabei geholfen. Doch von dem satten Plus profitieren die Schweizer nur in geringem Maße: Nur ein Bruchteil des Gewinns wird ausgeschüttet.

Rückblick: Weil Notenbanken rund um den Globus ihre Geldpolitik in der Finanzkrise ausweiteten und die Zinsen sanken, flüchteten Anleger in die Schweiz. Das brachte die Eidgenossen unter Zugzwang, denn die hohe Bewertung machte die dortigen Unternehmen international weniger wettbewerbsfähig. Damit der Franken nicht weiter aufwertete, intervenierte die SNB am Devisenmarkt: Sie kaufte Fremdwährungen auf, die sie im Umkehrschluss anlegen muss. Anders als die US-Notenbank Fed oder die Europäische Zentralbank setzt die SNB dabei nicht nur auf Anleihen, sondern auch auf Aktien. Das hat sie zu einem der größten staatlichen Spieler am Aktienmarkt gemacht. Wo die SNB kauft, verraten die Notenbanker nicht im Detail. Doch Daten der US-Börsenaufsicht SEC zeigen, dass die SNB etwa Milliarden Dollar in Facebook, Apple oder Amazon investiert hat.

Mit ihren Fremdwährungsreserven machte die SNB 2017 einen Gewinn von 49 Milliarden Franken. Dabei dürfte ihr nicht nur die Hausse an den Märkten in die Hände gespielt haben. Hinzu kommen Zinszahlungen auf Anleihen und die Dividendenzahlungen auf Aktien. Zudem hat der Franken im vergangenen Jahr fast neun Prozent abgewertet. Dadurch gewannen die Anlagen rechnerisch weiter an Wert. Aber auch die positive Entwicklung des Goldpreises spielte der SNB in die Hände.

Dass die SNB auf einem milliardenschweren Schatz sitzt, hat auch in der schweizerischen Politik Begehrlichkeiten geweckt. Doch die Eidgenossen profitieren von den Gewinnen ihrer Notenbank nur begrenzt. Denn die Bewertung der SNB-Anlagen ist zwar gestiegen, aber die Gewinne lassen sich schwerlich realisieren. Verkauft die Bank ihre Positionen, dann wäre wohl eine Aufwertung des Frankens die Folge. Und genau das will die SNB vermeiden. Ihr oberstes Ziel ist die geldpolitische Stabilität. Zwar schüttet die SNB einen Teil ihrer Gewinne an die Kantone aus, doch das Gesetz beschränkt die Ausschüttungen auf zwei Milliarden Euro. Davon geht ein Drittel an den Bund, und zwei Drittel gehen an die Schweizer Kantone.

Manchen Politikern geht das nicht weit genug. So sprach sich die Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer im vergangenen Jahr für einen Staatsfonds nach norwegischem Vorbild aus. „Norwegen hat das Öl, die Schweiz hat den starken Franken“, sagte die Abgeordnete der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SP). Die Devisenreserven gehörten nicht der Notenbank, sondern dem Volk. Doch bislang werden dem Vorhaben kaum Chancen eingeräumt.

SNB-Chef Thomas Jordan hatte solchen Plänen eine klare Absage erteilt. „Wir können nicht einfach die Devisenreserven der Nationalbank nehmen, um damit einen Staatsfonds zu alimentieren“, sagte der Notenbankchef. Den Vergleich mit Norwegen hält Jordan für falsch. Schließlich rede man nicht von Gewinnen aus Erdölverkäufen, sondern von Verbindlichkeiten der Notenbank. Die SNB fürchtet um ihre Unabhängigkeit: Ihr oberstes Ziel ist eine stabile Geldpolitik, nicht die Mehrung des Fondsvermögens.

Auch private Aktionäre profitieren von den milliardenschweren Gewinnen der Notenbank kaum. Die SNB notiert zwar an der Börse, doch die Dividende ist gesetzlich auf 15 Franken je Aktie gedeckelt. Der Rekordgewinn ändert daran nichts.

In diesem Jahr dürfte es für die Notenbank schwierig werden, an das Rekordergebnis anzuknüpfen, glauben die Analysten der Großbank UBS. So habe sich die Überbewertung des Frankens im Verlaufe des vergangenen Jahres reduziert, damit nehme auch das Abwertungspotenzial ab. Trotzdem erwarten die Analysten einen „ordentlichen Gewinn“.

Startseite

Mehr zu: Schweizerische Nationalbank - 54 Milliarden Gewinn durch die Abwertung des Franken

2 Kommentare zu "Schweizerische Nationalbank: 54 Milliarden Gewinn durch die Abwertung des Franken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wie viel Gewinn hat die Bundesbank ?

  • Meines Erachten stellt die Ausweitung der SNB Bilanz ein enormes Risiko für die Stabilität des Schweizer Franken dar. Wenn der € früher, oder später kollabiert wird die Schweiz mit nach unten gezogen.

    Hintergrund: Im Zuge der € Krise hatte der Franken stark aufgewertet. Für die Schweizer Wirtschaft war dies eine sehr grosse Herausforderung. Die SNB hatte als Reaktion Anleihen und Aktien aus dem € Raum gekauft um den Franken zu schwächen, damit zeitweise feste Währungsparitäten zum € verteidigt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%