Seltsame Namenswahl
Chinesische Bank nennt sich „zufällig” Goldman Sachs

Goldman Sachs hat in China offenbar einen Namenszwilling. Ein Finanzunternehmen aus Shenzhen nutzt dieselben Zeichen wie die US-Großbank – „zufällig“, wie es heißt. Ein Einzelfall ist der dreiste Namensklau nicht.
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PekingGoldman Sachs ist nicht gleich Goldman Sachs. In China wehrt sich ein Finanzinstitut gegen Vorwürfe, den Namen des US-Investmentriesen kopiert zu haben. Dabei nutzt Goldman Sachs Financial Leasing aus dem chinesischen Shenzhen auf Mandarin dieselben Schriftzeichen, wie sie auch die in New York ansässige Goldman Sachs Group in der Volksrepublik verwendet.

Ein Anruf bei der Firma in Shenzen wird von einer Empfangsdame entgegengenommen, die ihren Namen nicht bekanntgibt. Sie sagt, ihr Unternehmen habe keine Verbindung mit Goldman Sachs, wobei sie den Hinweis auf Shenzen im Namenszug hervorhebt. Es sei das erste Mal, dass sie darauf angesprochen werde, merkt die Dame am Telefon an.

„Wir haben den Namen zufällig ausgewählt, es ist nicht absichtlich derselbe”, sagte eine andere Mitarbeiterin der chinesischen Variante am Donnerstag telefonisch der Nachrichtenagentur AFP. Das Finanzinstitut habe mit der US-Bank Goldman Sachs nichts zu tun.

Der freche Namensklau einer Bank betrifft in China nicht bloß Goldman. In einem noch dreisteren Fall war Anfang August ein 39-jähriger Mann aus der Provinz Shandong im Osten des Landes verhaftet worden, nachdem er eine falsche Filiale der China Construction Bank eröffnet hatte, komplett mit Kartenlesegeräten, Bankschaltern und Schildern, wie aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Xinhua hervorgeht.

Eine Sprecherin der US-Investmentbank Goldman Sachs sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg in Hongkong, mit der bereits seit 2013 tätigen chinesischen Bank in keiner Verbindung zu stehen. Die Angelegenheit werde überprüft. Laut Bloomberg wurde die Existenz der chinesischen Bank bekannt, nachdem sich eine US-Gewerkschaft für Kasino-Mitarbeiter an die Antikorruptionsbehörden in China gewandt hatten.

„Es gibt eine Reihe von Fällen, wo Privatpersonen oder Organisationen in China Marken eingetragen haben, von bestehenden und etablierten Marken im Ausland”, sagt Paul Haswell, Partner bei der Kanzlei Pinsent Masons in Hongkong.

Nimmt man die Vergangenheit als Richtschnur, sind die Chancen gering, dass die amerikanische Goldman ihren Doppelgänger in Shenzen aus dem Verkehr zieht. US-Basketballstar Michael Jordan etwa verlor einen Streit. Er hatte einen chinesischen Sportartikelhersteller verklagt, der seinen Namenszug in chinesischen Schriftzeichen verwendete.

„Es ist bekannt, dass ausländische Kläger es schwer haben, Gerichte in China davon zu überzeugen, dass eine Markenrechtsverletzung vorliegt”, führt Haswell aus. Noch immer überwiege die Praxis, dass diejenigen, die zuerst eine Registrierung beantragen, solche Verfahren gewinnen, beschreibt Haswell die aktuelle Lage.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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Bloomberg / Nachrichtenagentur

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