Serie: Die Marktmacher: Das Team am Puls der Märkte

Serie: Die Marktmacher
Das Team am Puls der Märkte

Die Schweizer Großbank UBS mag keinen Starkult und stellt die Mannschaftsleistung in den Mittelpunkt. Alexander Kobler, José Antonio Blanco und Oliver Adler bewegen die Milliarden und sagen voraus: Die Märkte werden ihre derzeit hohe Taktfrequenz noch länger durchhalten.

ZÜRICH. Zu hören ist nur das Summen der Klimaanlage. Die schalldichte Tür und der hochflorige Teppich schlucken sonst jeden Laut. Der riesige, zu einem Oval aufgestellte Tisch ist penibel genau in der Mitte des Raums platziert, 20 Stühle drumherum, vor jedem Stuhl ein weißer Block Papier, daneben ein roter, gespitzter Bleistift. Die geschwungenen Formen auf den Bildern an der hinteren Wand, die kleine chinesische Banknote eingeschweißt in Plexiglas – das war’s an Schmuck. In dem UBS-Verwaltungsratssaal steht, hängt und liegt nichts, aber auch gar nichts, was die Konzentration stören könnte. Der Saal, er wartet auf den nächsten Montag der Entscheidung.

Jeden letzten Montag im Monat trifft sich hier in dem im ehrwürdigen Gebäude an der Bahnhofsstraße in Zürich jenes Komitee, das die Anlagestrategie des größten Vermögensverwalters der Welt bestimmt. 15 Herren bilden das Gremium von „UBS Global Wealth Management und Business Banking“, das darüber befindet, wie jene 2,754 Mrd. Schweizer Franken (Stand: Ende September 2005) am besten angelegt werden können, die die Bank zu dem von ihr betreuten Privatkunden-Vermögen zählt. „Das Investmentkomitee ist eine Art Pulsmesser“, sagt Alexander Kobler, der in dem Gremium die Strategievorschläge unterbreitet.

„Wir messen den Herzschlag der Finanzmärkte und prüfen, ob dieser den fundamentalen Gegebenheiten angemessen ist.“ Unter der Leitung von Chefökonom Klaus Wellershoff versucht das Team genau zu spüren, wie die Welt in diesem Moment tickt. Wo lauern Gefahren für die Volkswirtschaften? Wo liegen die Chancen für welche Märkte und Branchen? Wenn einer aus dem Club vor dem letzten Montag des Monats zudem das Gefühl hat, dass Rhythmusstörungen vorliegen, kann er jederzeit das Gremium einberufen. Bei außergewöhnlichen Ereignissen bedarf es keiner gesonderten Einladung. Außer der Reihe kam das Komitee das letzte Mal nach den Anschlägen in der Londoner U-Bahn im Sommer vergangenen Jahres zusammen.

Derzeit ist die Taktfrequenz der Märkte gemäß Einschätzung der UBS relativ hoch, und sie könnte dieses Tempo noch etwas länger durchhalten. Eine Störung, wie neulich jene in Japan, als die Börse nach einem aufgeflogenen Bilanzskandal früher schließen musste, weil die Kurse sonst ins Bodenlose gestürzt wären, bringt die Anlagestrategen nicht wirklich aus dem Tritt. Sie sind darauf vorbereitet. „Wir rechnen damit, dass diverse Schockwellen in diesem Jahr zu einer erhöhten Volatilität führen werden“, sagt Kobler. Die Empfehlung für Japan lautete deswegen schon vorher: untergewichten.

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