Serie: Folgen des Klimawandels Das Klima wird zur finanziellen Größe

Der Klimawandel und seine epochalen Umwälzungen machen vor Deutschland nicht halt. Nicht nur die Schweißporen der Deutschen werden mehr strapaziert, auch die Geldbörsen sind betroffen. Mit einer vorausschauenden Klimastrategie können Unternehmen ihre Bewertung an den Finanzmärkten verbessern.
  • Susanne Bergius

BERLIN. Die Kosten können bis 2050 auf jährlich 27 Mrd. Euro steigen, schätzt das Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie. Die Schäden infolge extremer Wetterereignisse der vergangenen zehn Jahre betrügen 16,5 Mrd. Euro. „Deutsche Finanzmarktakteure stehen den Risiken noch eher nachlässig und unbedarft gegenüber“, kritisiert Professor Carlo Jäger vom „Potsdam Institut für Klimafolgenforschung“ (PIK): „Mit wenigen Ausnahmen wachen hiesige Finanzdienstleister erst langsam auf und fragen sich, ob sie das Thema auf ihren Radarschirm nehmen sollen.“ Sollten sie, meint der Ökonom.

Denn der Klimawandel birgt für die Financiers der Wirtschaft Versicherungs-, aber auch Kreditausfall- sowie Anlagerisiken. Hingegen steigen Kreditsicherheit und Anlagewert, wenn Firmen klimaspezifische Kosten vermeiden und Chancen nutzen, die sich aus dem Klimawandel ergeben. Sie liegen in der Entwicklung emissionsarmer Techniken, Produkte, Produktionsverfahren und Dienstleistungen.

Um Anlagerisiken und -chancen zu erkennen, forderten Großinvestoren aller Kontinente, die insgesamt über sagenhafte 31 Billionen Dollar Anlagekapital gebieten, die 2 100 größten Konzerne des Globus’ auf, ihre Klimabilanz und entsprechende Risiken offen zu legen sowie Klimastrategien zu entwickeln und Emissionen zu senken. Das „Carbon Disclosure Project“ (CDP), das auch die 200 größten deutschen Unternehmen befragte, bilden 225 Banken, Versicherer, Asset Manager und Pensionsfonds.

„Das CDP will die Integration von Klimaschutzaspekten in die Aktienanalyse erleichtern“, erläutert Koordinator Paul Dickinson. Es prangert untätige Konzerne als „ugly“ an, Top-Firmen kommen in den „Climate Leadership Index“. „Klimarisiken sollten regulärer Teil der konventionellen Aktienanalyse sein“, sagt Allianz-Vorstand Joachim Faber.

Das sind sie etwa bei der Münchener Rück. „Klimaschutzaktivitäten sind bei der Prüfung neuer Beteiligungen als zusätzliches Anlagekriterium zu den traditionellen hinzugekommen. Das CDP liefert uns dafür wichtige Informationen. Auch beim Screening bestehender Beteiligungen spielt Klimaschutz eine Rolle“, erläutert Umweltmanager Rolf Häßler. Eine mangelnde Klimastrategie sei zwar kein Ausschlusskriterium, könne aber den Ausschlag geben, heißt es bei britischen Investoren.

HSBC aus London hat sich als weltweit erstes Finanzinstitut zur Kohlendioxid-Neutralität verpflichtet: Ihre Treibhausgasemissionen kompensiert die Bank durch den Kauf von Öko-Energien, Emissionsrechten und Aufforstungsprojekten. KFW und Swiss Re folgen dem britischen Beispiel.

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