Seth Waugh: Deutsche Bank verliert ihren Amerika-Chef

Seth Waugh
Deutsche Bank verliert ihren Amerika-Chef

Seth Waugh, seines Zeichens Amerika-Chef der Deutschen Bank, hat seinen Rücktritt angekündigt. Das Geldhaus ist in einer kritischen Phase - daher kommt der Abtritt des Top-Managers zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
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Frankfurt, New YorkDer Zeitpunkt für Seth Waughs Abtritt ist rätselhaft: Zwei Monate vor dem offiziellen Amtsantritt der beiden neuen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen kündigte der Amerika-Chef der Deutschen Bank seinen Rücktritt an. Der 54-Jährige ist seit 2009 Mitglied des wichtigen Führungszirkels, des Group Executive Committees - und damit einer der zwölf wichtigsten Manager des Konzerns.

Doch ist das neue Führungsduo auch der Grund für Waughs Abgang? Darüber gingen gestern die Deutungen weit auseinander. Die eine Version: Waugh, unter dessen Führung die Deutsche Bank ihr US-Geschäft in den vergangenen zehn Jahren stark ausgebaut hat, musste gehen, weil er den neuen Vorstandschefs nicht mehr als der Richtige erschien, um die Deutsche Bank in den USA auf die Top-3-Position zu heben. Er sei nicht genügend verdrahtet bei den wichtigen US-Konzernchefs, die für die vordersten Platzierungen bei Übernahmen und Krediten, Emissions- und Handelsgeschäften entscheidend seien.

Deutsche Bank

Ergebnis von Steuern der Geschäftsbereiche in Mrd. Euro

Die andere Version: Waugh wollte mit Mitte 50 die Arbeit ein wenig hintanstellen und sich unter anderem der Golfkarriere seines Sohnes widmen. War Waugh bisher für das erfolgreiche Golfturnier der Deutschen Bank verantwortlich, will er nun seinen Sohn Clancy, einen vielversprechenden Golfer, fördern.

Die Deutsche Bank wollte sich nicht zu den Gründen äußern. In einer Pressemitteilung lobte Noch-Vorstandschef Josef Ackermann Waugh ausdrücklich: "Seth ist wesentlich mitverantwortlich für unsere beeindruckende Entwicklung in Amerika, und ich persönlich habe seinen Rat ebenso geschätzt wie unsere Kunden."

Die Suche nach seinem Nachfolger läuft Finanzkreisen zufolge bereits. Es werde intern und extern geschaut, heißt es in New York. Chancen, den Job zu übernehmen, habe nur ein Amerikaner, der in den US-Unternehmen ein und aus gehe, politisch gut verdrahtet sei und in nationalen Sportarten wie Basketball und Football tief verwurzelt sei.

Das Verhältnis von Waugh und der Deutschen Bank ist nicht zerrüttet. Bis zum Antritt seines Nachfolgers bleibt der Amerikaner Chef des US-Geschäfts. Und auch danach wird er der Bank als Berater verbunden bleiben.

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Änderungen in der Führungsmannschaft erwartet

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  • Seth Waugh steht für eine der peinlichsten Dt.Bank Töchter, die erst durch eine kosmetische "Pinselsanierung" aus dem Fokus von Aufsicht und Wirtschaftspresse geschummelt wurde.
    Es geht um die Taunus Corp.,in der die Dt.Bank ihre US-Aktivitäten
    bündelte.
    Bereits zum Jahreswechsel 2009/2010 war die Dt. Bank-Tochter auf ein negatives (!) Eigenkapital von 8,1 Mrd USD abgewirtschaftet.
    In Deutschland wurde dies erst brisant durch ein Mahnschreiben der Vorsitzenden der US-Einlagensicherung FDIC, Sheila Bair.
    Dem Schreiben zufolge wurde die "Taunus Corp." aufsichtsrechtlich nur geduldet in der Annahme, dass die Dt. Bank endlich für ihre Tochter einsteht.
    Das Bankhaus Nomura bezifferte den Aufwand dazu in einem Rahmen von 4,4 Mrd USD bis 12,6 Mrd USD - je nach Stufe der Regulierung.
    Dass Nomura so merkwürdig allein über das Thema nachdachte, lag daran, dass viele Mitbewerber in die damals anstehende Kapitalerhöhung der Dt.Bank eingebunden waren...
    Nach weiteren Verlusten war bei der Taunus "Feuer unter dem Dach".
    Ganz nach Bankenart entschied man sich für "Pinselsanierung":
    Durch schlichte Aufgabe des Status als Bankholding entzog sich Taunus den Auflagen der Bankenaufsicht - Problem "gelöst". Dazu gab es die üblichen Hütchenspielereien mit dem Verschieben von Geschäftsanteilen.
    Wenn Waugh nun den Spieltisch verlässt, muss er sich langsam bewegen ... damit nicht seine Karten aus dem Ärmel fallen.


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