Sex in the City Homosexuelle Banker in London gern gesehen

Was vor Jahren noch als Tabu galt, ist inzwischen auch im Finanzdistrikt salonfähig: Banken umwerben schwule und lesbische Talente. Die Zeit der testesterongesteuerten Alpamännchen in der Finanzmetropole ist vorbei.
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Homosexualität ist unter britischen Bankern kein Tabu mehr. Quelle: ap

Homosexualität ist unter britischen Bankern kein Tabu mehr.

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LONDON. Die gute Laune von Javier Gonzalez könnte sogar die notorisch nach unten gezogenen Mundwinkel der deutschen Kanzlerin umbiegen. Fast immer zeigt der spanische Banker seine weißen Zähne, entweder weil er ein Grinsen auf das braun gebrannte Gesicht zaubert, oder weil er nicht aufhört zu sprechen.

Der 25-jährige Kreditmanager der Londoner Großbank Lloyds redet nicht nur viel, er nimmt auch kein Blatt vor den Mund. Selbst als es vor drei Monaten in einem Personalgespräch um eine wichtige Beförderung ging, konnte sich Gonzalez die Erwähnung nicht verkneifen, dass er in Süd-London eine Wohnung mit seinem Freund teilt, und dabei geht es nicht um eine WG, sondern um eine Beziehung unter Männern. Schweigen wäre für den überschäumenden Spanier aber auch keine Lösung: „Ich arbeite jeden Tag zehn Stunden, es wäre unerträglich, wenn ich mich die ganze Zeit verstellen müsste“.

Dank der Offenheit von Bankern wie Gonzalez ist Homosexualität in der Londoner City längst kein Tabu-Thema mehr. Nach Schätzungen der Rekrutierungsfirma Joslin Rowe sind inzwischen immerhin sieben Prozent der Mitarbeiter in der City homosexuell. So viel Toleranz gab es nicht immer: Jahrzehntelang galt der Finanzplatz London als Spielplatz für testosterongesteuerte Alphamännchen, die alles wegbissen was nicht in ihre Machowelt passte, und dieses Image ist nur schwer abzuschütteln.

Nicht nur Schwule, auch Frauen und Menschen jenseits der 50 fühlten sich lange verletzt, vernachlässigt und unterdrückt: Weniger Gehalt bei gleicher Leistung, systematisches Mobbing, keine Aufstiegschancen. Immer wieder waren es die gleichen Beschwerden, die gegen die Geldhäuser vorgebracht wurden. Für die Banken ist das nicht nur ein Imageproblem. Klagen die Diskriminierten vor Gericht und bekommen Recht, kostet das schnell Millionen.

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