Sex-Skandal: Skandalreise könnte teuer für Ergo werden

Sex-Skandal
Skandalreise könnte teuer für Ergo werden

Der Skandal um eine Sexreise von Versicherungsvertretern könnte schwerwiegende Folgen für Ergo haben. Nach einem Freispruch vor Gericht droht Unternehmer Clemens Vedder mit einer milliardenschweren Schadensersatzklage.
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DüsseldorfDie Vorwürfe klangen gravierend, nun sind sie verpufft. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat ihre Ermittlungen gegen drei Beschuldigte wegen versuchter Erpressung des Ergo-Konzerns eingestellt. Die Staatsanwaltschaft nannte als Grund den Paragrafen 170, Absatz 2, der Strafprozessordnung. Dieser besagt, dass die Behörde ein Verfahren einstellt, wenn sie keinen Anlass für eine Klageerhebung sieht.

Der Hintergrund: Vor einem Jahr wurde die Ergo-Versicherung von einer Serie von Affären erschüttert. Erst wurde öffentlich, dass die Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer ihre besten freien Vertreter mit einer Sex-Reise nach Budapest belohnt hatte, dann kamen Informationen über fehlerhafte Riester-Verträge ans Tageslicht. Ergo musste die Vorgänge bestätigen, ging aber kurz danach zum Gegenangriff über.

Die Versicherung stellte eine Strafanzeige wegen versuchter Erpressung. Sie behauptete, ehemalige Versicherungsvertreter hätten überhöhte Abfindungsforderungen gestellt und im Falle einer Nichtzahlung mit einer nachhaltigen Schädigung der Ergo durch Presseveröffentlichungen gedroht. Den Medien, die über die Skandale der Ergo berichteten, darunter auch diese Zeitung, warf die Versicherung vor, sie machten gemeinsame Sache mit den Erpressern.

Die Einstellung der Ermittlungen zeigt nun, dass die Ergo offenbar selbst eine Kampagne fuhr, eine Kampagne zur Ablenkung von den eigentlichen Tatsachen. Die Sause in Budapest und die falschen Riester-Verträge waren im Konzern lange bekannt. Die Konzernrevision wurde aber erst tätig, als Details in der Zeitung standen. Und noch bevor die Ergebnisse der Revision vorlagen, erhob Ergo die Erpressungsvorwürfe, die sich nun als strafrechtlich haltlos erwiesen haben. Ergo-Sprecher Alexander Becker sagte auf Anfrage, sein Unternehmen habe keine Kenntnis von einer Einstellung der Ermittlungen.

Die drei fälschlich Beschuldigten, ein Geschäftsmann und zwei Anwälte, wollen die Unterstellungen der Ergo nun nicht auf sich beruhen lassen. "Diese unverschämte Anzeige wird Folgen haben", sagte einer der Beschuldigten, Rechtsanwalt Friedrich Cramer. "Ich lasse mich von der Einschüchterungstaktik der Ergo nicht beeindrucken."

Ein Vertreter von Goldsmith Capital Partners, der Firma des ebenfalls angezeigten Geschäftsmanns Clemens Vedder, sagte: "Wir haben jetzt einen Freispruch erster Klasse, aber das Thema ist noch nicht erledigt." Goldsmith stehe nun unmittelbar vor Einreichung einer Schadensersatzklage wegen Rufschädigung gegen die Munich Re als Muttergesellschaft der Ergo. Vedder taxiert seinen Ruf auf eine Milliarde Euro.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

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  • Hier scheint einer das ANGEBOT - Nachfrage - Prinzip nicht kapiert zu haben.... Ein Angebot hält sich nur solange am Markt, wie es nachgefragt wird.
    Sprich : Hören solche dekadenten Horden wie HMI/ ERGO & Co. samt ihren, sich aus der Verantwortung stehlenden Rädelsführern, endlich auf, derartige Dienstleistungen nachzufragen, bleiben die Mädels auch von ganz allein in ihren Dörfern bei ihren Kindern...
    Aber die Herrschaften besitzen obendrein die Dreistigkeit, diese Art von "Incentive" ganz selbstverständlich als Betriebsausgaben abzurechnen und anschliessend auch noch von der Steuer abzusetzen! Sind wir hier wieder bei den Zuständen des alten Rom angelangt??!!

  • Es gibt in Osteuropa in der Zwischenzeit Gegenden, wo man beinahe keine jungen Frauen mehr findet, da sie alle beim Anschaffen sind. Dörfer, wo Väter mit den Kindern zurückbleiben. Ich frage mich, was los sein wird, wenn die Frischfleischversorgung von dort dann nicht mehr so gut funktioniert.
    Was vielleicht in dem Zusammenhang auch interessant ist, man hat mal die geistige Gesundheit von Prostituierten getestet. Das Resultat, egal ob freiwillig oder gezwungen, 90 % haben dieselben Symptome wie Folteropfer. Man mag zwar viel damit verdienen, der Preis könnte aber in anderer Hinsicht ein ziemlich hoher sein. Nur ist das den meisten nicht so klar.

  • @pimp / alias Pablo_Escobar

    Ich würde Dir in Bezug auf Deine "Botschaftsverkündungen" eine neue Facebookparty vor der ERGO Zentrale empfehlen.
    1. Hast Du die Verantwortlichen sozusagen vor der
    Haustür
    2. Das geneigte Publikum ist direkt an der
    Schaltzentrale der Macht und kann demokratisch über
    Deine Vorwürfe abstimmen
    3. Die ERGO übernimmt sicher gern wieder, so wie beim
    letzten Mal, die Verpflegung. Also, Partykosten
    werden minimiert. Aber, die Bademäntel würde ich
    dieses Mal weglassen....

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