Sitzung des Verwaltungsrates
UBS-Chef Grübel stellt die Vertrauensfrage

Oswald Grübel muss liefern: Der UBS-Chef steht nach dem Händler-Skandal umso mehr unter Druck, der Großbank eine neue Struktur zu geben. Morgen kommen die Chefaufseher zusammen. Gerüchte gibt es bereits reichlich.
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Zürich/LondonNach dem Milliarden-Spekulationsskandal im Investment-Banking will UBS-Chef Oswald Grübel einem Zeitungsbericht zufolge dem Verwaltungsrat am Mittwoch einen Plan für eine substanzielle Verkleinerung der Sparte vorlegen und dies mit einer Art Vertrauensabstimmung verbinden. Grübel wolle den Umbau des Investment-Banking selbst leiten und dafür mindestens bis Anfang 2013 im Amt bleiben, berichtete der „Tages-Anzeiger“. Stimme der Verwaltungsrat bis spätestens zum Investorentag am 17. November nicht zu, werde Grübel zurücktreten.

Die UBS wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Eine mit der Sache vertraute Person sagte, der Verwaltungsrat komme am Mittwoch und am Donnerstag in Singapur zu einer seiner vierteljährlichen Sitzungen zusammen. Es sei nur natürlich, dass dort das Thema Investmentbank und deren Zukunft besprochen würden, sagte eine Person bei UBS.

Die Sitzung war schon lange geplant und sie fällt mit einem Formel-1 Grandprix zusammen. UBS ist einer der Hauptsponsoren für den Rennzirkus. Singapur ist für UBS auch deshalb von Bedeutung, weil dort mit dem Staatsfonds GIC ein wichtiger Aktionär der Bank seinen Sitz hat.

Schon bevor der Betrugsfall mit einem Schaden von rund 2,3 Milliarden Dollar in der vergangenen Woche ans Licht kam, waren Analysten davon ausgegangen, dass UBS ihr Investment-Banking verkleinern und die entsprechenden Pläne auf einem Investorentag in New York vorlegen würde. Die Zockerei des 31 Jahre alten Händler Kweto Adoboli hat diesen Prozess beschleunigt. Angesichts des Einbruchs des Aktienkurses dürfte UBS mit der Ankündigung der Pläne auch nicht mehr bis im November warten wollen.

Laut „Tages-Anzeiger“ plant UBS, den Eigenhandel und das kapitalintensive Zinsengeschäft weitgehend aufzugeben. Damit würde Eigenkapital frei und die Bank könnte die 19-Prozent-Eigenkapitalvorgabe des neuen Schweizer Bankengesetztes leichter erfüllen. UBS hat eine interne Untersuchung des Londoner Falles eingeleitet. Das brachte ihre allerdings auch Kritik ein, weil das Geldhaus den Vorsitzenden der eigenen Risikokommission, David Sidwell, mit der Überprüfung beauftragt hat.

Am Wochenende hatte Konzernchef Grübel eingeräumt, dass er letztlich die Verantwortung für die Milliarden-Verluste trage. „Da bleibt niemand anderes übrig als der CEO - als ich“, sagte er am Sonntagabend im Schweizer Fernsehen.

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