Skandal bei der UBS Die Bad Banker aus der Schweiz

Skandale ohne Ende: Die Lust auf Risiko brach der UBS in der Finanzkrise fast das Genick, der US-Steuerstreit ruinierte das Image. Nun hat ein Händler Milliarden verzockt – und bei Moody's wackelt die Note.
Update: 16.09.2011 - 00:50 Uhr 51 Kommentare
Die UBS muss einen Milliardenverlust aus nicht autorisierten Geschäften verbuchen. Quelle: AFP

Die UBS muss einen Milliardenverlust aus nicht autorisierten Geschäften verbuchen.

(Foto: AFP)

ZürichDer Skandal hat neun Nullen: 2.000.000.000 Dollar hat ein Händler der UBS mit einer unerlaubten Aktion verspielt. Für die Schweizer Großbank ist das nicht nur ein Image-Schaden. Im dritten Quartal könnte der Bank deswegen ein Verlust entstehen, wie die Bank am Donnerstag in einer doch eher mageren Pressemitteilung schreibt. Nach ersten Erkenntnissen seien Bestände von Kunden nicht betroffen.

Laut der Schweizer Zeitung NZZ habe die UBS wenig später ergänzt, dass die Verluste durch einen "Händler mit beträchtlicher krimineller Energie" im Aktienhandel in London entstanden und am Mittwoch Nachmittag entdeckt worden seien. Auf ihrer Homepage schreibt die NZZ, dass die Aufsichtsbehörden aus der Schweiz (Finma), Grossbritannien und den USA eingeschaltet sind, und eine Untersuchung laufe. Vom Ausmaß her handle es sich um den schwerwiegendsten Fall dieser Art, den es in der Schweiz je gegeben habe, sagte Finma-Sprecher Tobias Lux.

Als Reaktion auf den Zocker-Skandal erwägt die Ratingagentur Moody's eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Bank. Der Schaden von umgerechnet fast 1,5 Milliarden Euro, den ein Angestellter durch nicht genehmigte Transaktionen verursacht habe, zeige erneut „Schwächen im Risikomanagement“ der UBS auf, erklärte die Agentur am Donnerstag. Es sei zwar anzunehmen, dass die Bank den Verlust verkrafte. Hingegen sei fraglich, ob sie zur Reorganisation ihrer Geschäftsabläufe fähig sei, hieß es. Moody's will nach eigenen Angaben nun das aktuelle Rating der UBS „auf eine mögliche Herabstufung“ prüfen.

Ein Facebook-Foto des mutmaßlichen UBS-Betrügers.

Ein Facebook-Foto des mutmaßlichen UBS-Betrügers.

Inzwischen hat die britische Polizei in London den 31 Jahre alten UBS-Händler Kweku A. festgenommen. Wie die Financial Times schreibt, sei der Mann aus Ghana "Director ETF and Delta1" und arbeitet im European Equity Team der UBS Investment Bank. Sein Vorgesetzter, John Hughes, sei bereits zurückgetreten.

Der neue Skandal ist ein weiterer Rückschlag für die Traditionsbank. Denn die UBS kämpft zurzeit an allen Fronten mit Problemen. Ihr zu großer Hunger auf Risiko hat sie in der Finanzkrise fast in den Ruin geführt, nur die Hilfe des Staates hat sie vor dem Schlimmsten gerettet. Sie gehört in Amerika zur Gruppe von 17 Banken, die von einer US-Aufsichtsbehörde im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des US-Hypothekenmarkts verklagt werden. Beihilfe zur Steuerhinterziehung für reiche Kunden hat der Bank in den USA zusätzlich massiven Ärger mit den Behörden eingebracht. Angesichts der Probleme haben Privatkunden Milliardensummen aus der Bank abgezogen. Auch einen herben finanziellen Rückschlag hat der Konzern, der in der Finanzkrise durch schwere Zeiten gegangen ist, im zweiten Quartal erlitten, weswegen jetzt massiv Stellen gestrichen werden.

Und als wäre das alles nicht genug, debattiert ausgerechnet heute in Bern der Schweizer Nationalrat über die Änderung des Bankengesetzes, in dem es unter dem Stichwort "Too Big to Fail" auch um die Bedeutung und die Risiken von großen Banken für die Volkswirtschaft geht. Die Vorlage, für die sich das Gremium gegen Mittag mit Mehrheit (115 zu 45 Stimmen) ausgesprochen hat, sieht strengere Regeln für Großbanken vor und soll das Risiko vermindern, dass die Geldhäuser in Schieflage geraten und die gesamte Volkswirtschaft gefährden.

Die Anleger reagieren auf die Nachricht des Milliardenverlusts, die drei Minuten vor Handelsstart die Runde machte, geschockt: An der Börse notieren UBS-Aktien 7,5 Prozent im Minus. Im frühen Handel an der Züricher Börse sackte sie in der Spitze um fast zehn Prozent ab und fiel auf 9,88 Franken.

"Es ist verblüffend, dass so etwas noch möglich ist", sagte ZKB-Trading-Analyst Claude Zehnder der Online-Ausgabe des Manager-Magazins. "Die Bank hat ganz offensichtlich ein Problem mit ihrem Risikomanagement, und das kostet ihr heute eine Menge Kredit."

In die Krise gezockt
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51 Kommentare zu "Skandal bei der UBS: Die Bad Banker"

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  • nur schon das Facebook Profil des Traders zeigt, welch schlechte Qualitaet von Leuten die Welt effektiv regieren; nicht einmal korrekt schreiben - aber "Direktor Titel" und riesige Loehne ziehen - in einem besten Fall "zero sum game"! jetzt muessen die Bankaktionaere die Reissleine ziehen - Investmentbanking RENTIERT NIEMALS - vielmehr ist es ein Ofen der Geldvernichtung fuer die Aktionaere und die Gesellschaft

  • Am Jahrestag der Leman Bank Pleite wieder ein Casino(sorry)Bankenskandal. Wir veröffentlichten in unserem Blog am 28.4.d.J. folgenden Artikel
    "Die Gier regiert weiter" http://rosehouse.org.uk/business-portal/index.html-20100329-1147.html#home

    Das Investmentbanking lässt sich glaube ich ganz gut mit Spielsucht vergleichen. Es wird immer weiter gehen, da immer höhere Vorgaben für Umsätze und noch höhere daraus resultierende Gewinne gemacht werden.
    Unternehmen, Städte, Länder umd zum Schluss ganze Kontinente, der Phantasie für finazielle Gier sind bislang keine Grenzen gesetzt.

  • Leute, beruhigt euch... der Milliarden Verlust ist für irgendwen anders ein Milliarden Gewinn. Das Geld hat nur die Taschen gewechselt.

  • @ Moika

    Das ist doch Blödsinn. Im FX-Tradung sind 100 Mio. Tickets die normale Size. Da braucht überhaupt kein Vorgesetzter sein Segen zu geben.

    Und am falschen Tag z.B. USD/CHF Short gewesen, und zu allem Unglück just in der Minute vielleicht auf dem WC abgehangen, und schon ist es passiert.

    Shit happens !!!

  • 2 Mrd. Schaden, echtes Künstlerpech. Oft kann man die Situation noch mit Verbilligen retten, aber wenn der Schuss voll in den Ofen geht, ist Hopfen und Malz verloren und die Verbilligungen haben den Schaden noch vergrößert. Dann heißt es, weg aus dem kalten London, rein in den Knast und dann zurück auf die Plantage.

  • Das mit der Anbindung des SFR an den Euro habe ich mir zuerst auch gedacht, bin dann aber wegen der ETF stutzig geworden.
    Fazit: Es gab genügend Gelegenheiten in großem Stil Verluste zu machen.

  • @oelblase
    Um ein Zinsdifferenzgeschaft zu machen brauche ich keinen Investmentbanker. Die HRE hat einfach (falls ich mich richtig entsinne) sich etwa 1 billion in kurzfristigen Titeln (Tagegeld u. ä.) ausgeliehen und höherverzinslich wieder angelegt. Wenn dann eine Zinsstruktur invers wird (kurzfristiges Geld wird teurer als langfristiges) dann ist das Geschäftsmodell zu Ende. Das angelegte Geld war KEINE Absicherung, sondern Bestandteil des Geschäfts. UM die Schuldzinsen zahlen zu können, braucht man höhere Zinseinnahmen. Bei einer Zinsdifferenz von 2% kann man bei einer Billion Volumen 20Mrd. einstreichen. Eine Absicherung per CDS wäre zu teuer gewesen. PS: AIG als Kreditversicherer hat mit Hilfe der US Regierung seine Verpflichtungen erfüllt und z. B. der dt. Bank 11 Mrd. übewiesen.


    Auch unsere Regierungen setzen auf kurzfristigere Refinanzierungen, weil niemand bereit ist, für 2,4% sein Geld langfristig (>5 Jahre) verbindlich anzulegen. Der Haken: Wenn sich das Kreditrating verschlechtert, muss sofort ein höherer Zins gezahlt werden. Dies könnte besonders die USA treffen, aber zum Glück haben die eine eigene Zentralbank, die die Papiere kaufen kann, wenn sie niemand haben will (QE3 .. QEn..)

    Wahrscheinlich ist der Banker vom Kurssturz in Europa überrascht worden, weil er zu früh auf eine Herbstrally gesetzt hat. 7300 wird der Dax so schnell nicht erreichen und deshalb ist er auf seinem Verlust sitzen geblieben.

    Für solche Fehler sollte man den Verantwortlichen zur Rechenschaft zíehen, nicht die "jüdische Hochfinanz".

  • Mondahu meldet sich nochmal. Die UBS-Schieflage ist dem Vernehmen nach durch den überraschenden Entscheid der SNB (1.20 CHF/€ fix) entstanden. Alle ungedeckten long-Positionen in CHF verloren da auf einen Schlag annähernd 10 % ihres Wertes. Die UBS befindet sich da in bester Gesellschaft, die anderen halten bloß den Mund.

  • Hat er denn tatsächlich? Wer die Kontrollen bei diesen Geschäften kennt, weiß, daß bei Deals ab bestimmten Größenordnungen immer zwei "Unterschriften" benötigt werden. Gehen die Geschäfte in Bereiche von z.B. über 100 Mio Dollar oder Euro, ist ein Vorstand mit seinem Segen dabei.

    Na ja, der Mann kommt aus Ghana und soll 2 Milliarden verzockt haben - die suchen einen Dummen, um negatives Eigengeschäft zu verschleiern. Kommt der Dealer aus dem Knast, ist er sicherlich um ein paar Mio. reicher...

  • Guten Tag,.... In Franzoesisch-Belgischen Banken werden Muellmaenner zu Chefs gemacht,... stellen dann Tuersteher und Kirmesmusikanten ein;.... und das Resultat ist Folgendes. Fortis.... von 30 auf 2 Euro gefallen. Dexia von 24 auf 1,40 Euro. Sie sehen Sie brauchen nicht bis in die Schweiz zu reisen. Ein Abstecher nach Belgien oder Frankreich tut's auch. Haupsache dumm wie Stroh und eine grosse Fresse,....Die Kerle kaufen Dinge von denen sie nicht einmal wissen was es ist. Ich habe es taeglich,... ja stuendlich mit ansehen muessen. Besten Dank

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