Skandal bei der UBS
Die Bad Banker

Skandale ohne Ende: Die Lust auf Risiko brach der UBS in der Finanzkrise fast das Genick, der US-Steuerstreit ruinierte das Image. Nun hat ein Händler Milliarden verzockt – und bei Moody's wackelt die Note.
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ZürichDer Skandal hat neun Nullen: 2.000.000.000 Dollar hat ein Händler der UBS mit einer unerlaubten Aktion verspielt. Für die Schweizer Großbank ist das nicht nur ein Image-Schaden. Im dritten Quartal könnte der Bank deswegen ein Verlust entstehen, wie die Bank am Donnerstag in einer doch eher mageren Pressemitteilung schreibt. Nach ersten Erkenntnissen seien Bestände von Kunden nicht betroffen.

Laut der Schweizer Zeitung NZZ habe die UBS wenig später ergänzt, dass die Verluste durch einen "Händler mit beträchtlicher krimineller Energie" im Aktienhandel in London entstanden und am Mittwoch Nachmittag entdeckt worden seien. Auf ihrer Homepage schreibt die NZZ, dass die Aufsichtsbehörden aus der Schweiz (Finma), Grossbritannien und den USA eingeschaltet sind, und eine Untersuchung laufe. Vom Ausmaß her handle es sich um den schwerwiegendsten Fall dieser Art, den es in der Schweiz je gegeben habe, sagte Finma-Sprecher Tobias Lux.

Als Reaktion auf den Zocker-Skandal erwägt die Ratingagentur Moody's eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Bank. Der Schaden von umgerechnet fast 1,5 Milliarden Euro, den ein Angestellter durch nicht genehmigte Transaktionen verursacht habe, zeige erneut „Schwächen im Risikomanagement“ der UBS auf, erklärte die Agentur am Donnerstag. Es sei zwar anzunehmen, dass die Bank den Verlust verkrafte. Hingegen sei fraglich, ob sie zur Reorganisation ihrer Geschäftsabläufe fähig sei, hieß es. Moody's will nach eigenen Angaben nun das aktuelle Rating der UBS „auf eine mögliche Herabstufung“ prüfen.

Inzwischen hat die britische Polizei in London den 31 Jahre alten UBS-Händler Kweku A. festgenommen. Wie die Financial Times schreibt, sei der Mann aus Ghana "Director ETF and Delta1" und arbeitet im European Equity Team der UBS Investment Bank. Sein Vorgesetzter, John Hughes, sei bereits zurückgetreten.

Der neue Skandal ist ein weiterer Rückschlag für die Traditionsbank. Denn die UBS kämpft zurzeit an allen Fronten mit Problemen. Ihr zu großer Hunger auf Risiko hat sie in der Finanzkrise fast in den Ruin geführt, nur die Hilfe des Staates hat sie vor dem Schlimmsten gerettet. Sie gehört in Amerika zur Gruppe von 17 Banken, die von einer US-Aufsichtsbehörde im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des US-Hypothekenmarkts verklagt werden. Beihilfe zur Steuerhinterziehung für reiche Kunden hat der Bank in den USA zusätzlich massiven Ärger mit den Behörden eingebracht. Angesichts der Probleme haben Privatkunden Milliardensummen aus der Bank abgezogen. Auch einen herben finanziellen Rückschlag hat der Konzern, der in der Finanzkrise durch schwere Zeiten gegangen ist, im zweiten Quartal erlitten, weswegen jetzt massiv Stellen gestrichen werden.

Und als wäre das alles nicht genug, debattiert ausgerechnet heute in Bern der Schweizer Nationalrat über die Änderung des Bankengesetzes, in dem es unter dem Stichwort "Too Big to Fail" auch um die Bedeutung und die Risiken von großen Banken für die Volkswirtschaft geht. Die Vorlage, für die sich das Gremium gegen Mittag mit Mehrheit (115 zu 45 Stimmen) ausgesprochen hat, sieht strengere Regeln für Großbanken vor und soll das Risiko vermindern, dass die Geldhäuser in Schieflage geraten und die gesamte Volkswirtschaft gefährden.

Die Anleger reagieren auf die Nachricht des Milliardenverlusts, die drei Minuten vor Handelsstart die Runde machte, geschockt: An der Börse notieren UBS-Aktien 7,5 Prozent im Minus. Im frühen Handel an der Züricher Börse sackte sie in der Spitze um fast zehn Prozent ab und fiel auf 9,88 Franken.

"Es ist verblüffend, dass so etwas noch möglich ist", sagte ZKB-Trading-Analyst Claude Zehnder der Online-Ausgabe des Manager-Magazins. "Die Bank hat ganz offensichtlich ein Problem mit ihrem Risikomanagement, und das kostet ihr heute eine Menge Kredit."

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  • nur schon das Facebook Profil des Traders zeigt, welch schlechte Qualitaet von Leuten die Welt effektiv regieren; nicht einmal korrekt schreiben - aber "Direktor Titel" und riesige Loehne ziehen - in einem besten Fall "zero sum game"! jetzt muessen die Bankaktionaere die Reissleine ziehen - Investmentbanking RENTIERT NIEMALS - vielmehr ist es ein Ofen der Geldvernichtung fuer die Aktionaere und die Gesellschaft

  • Am Jahrestag der Leman Bank Pleite wieder ein Casino(sorry)Bankenskandal. Wir veröffentlichten in unserem Blog am 28.4.d.J. folgenden Artikel
    "Die Gier regiert weiter" http://rosehouse.org.uk/business-portal/index.html-20100329-1147.html#home

    Das Investmentbanking lässt sich glaube ich ganz gut mit Spielsucht vergleichen. Es wird immer weiter gehen, da immer höhere Vorgaben für Umsätze und noch höhere daraus resultierende Gewinne gemacht werden.
    Unternehmen, Städte, Länder umd zum Schluss ganze Kontinente, der Phantasie für finazielle Gier sind bislang keine Grenzen gesetzt.

  • Leute, beruhigt euch... der Milliarden Verlust ist für irgendwen anders ein Milliarden Gewinn. Das Geld hat nur die Taschen gewechselt.

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