Skandal-Versicherung: Die Policen von Don Salvatore

Skandal-Versicherung
Die Policen von Don Salvatore

Der Unternehmer Salvatore Ligresti hat mit der Fondiaria Sai einen über lange Zeit florierenden Versicherungskonzern aufgebaut. Der hat sich auch an Politikern gütlich getan. Nach Großverlusten steht nun der Verkauf an.
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MailandEine sizilianische Familie, Rennpferde und Korruption: die Saga der Ligrestis. Vor sechs Jahrzehnten verlässt Salvatore Ligresti sein sizilianisches Heimatstädtchen Paternò in der Nähe von Catania, um in Norditalien sein Glück zu suchen.

Nach dem Ingenieursstudium zunächst als Bauunternehmer mit exzellenten politischen Kontakten unterwegs, investiert er später in Versicherer und fusioniert vor zehn Jahren zwei Gesellschaften in die „Fondiaria Sai“. Die kontrolliert der heute 80-Jährige mit seiner Familie über die Holding Premafin. Für die Familie lief das Geschäft über die Jahre blendend und warf regelmäßig Millionenbeträge ab. Für die Minderheitsaktionäre sah die Lage anders aus: In den vergangenen zwei Jahren hat der Versicherer nach Abschreibungen auf viel zu teuer gekaufte Immobilien und Grundstücke knapp zwei Milliarden Euro verloren. Heute steht er vor dem Aus und kann sich nur dank Bankdarlehen noch halten.

Ein Angebot des Konkurrenten Unipol soll das Unternehmen nun retten. Mit dem Kauf würde Unipol zum zweitgrößten Versicherer aufsteigen – hinter dem Platzhirsch Generali, aber vor der Allianz, die bisher die Nummer zwei auf dem italienischen Markt ist.

Aber derzeit beherrscht nicht die Übernahme die Schlagzeilen, sondern die immer neuen Enthüllungen, wie die Ligrestis Fondiaria Sai als persönlichen Geldautomaten genutzt haben. Der Versicherer kaufte nicht nur zu überhöhten Preisen Besitztümer der Familie – wie etwa die Hotelkette Ata oder andere Immobilien und Grundstücke. Staatsanwälte untersuchen mittlerweile die dubiosen Käufe der Vergangenheit. Sie prüfen ebenso, warum die gut bezahlten Aufseher des Versicherers diese Deals nicht beanstandet haben.

Fondiaria Sai bezahlte auch Millionenbeträge an Gehältern und Beratungshonoraren an die Familie und deren Freunde. Selbst im Horrorjahr 2011, als Fondiaria Sai rund eine Milliarde verlor, überwies der Versicherer noch mehr als 5,5 Millionen an Salvatores Kinder Jonella, Paolo und Giulia, die als Präsidentin, Vizepräsident und Ex-Vizepräsidentin fungieren. Weitere 26 Millionen gingen 2011 an andere, meist befreundete Topmanager und Berater.

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