Skandalbank HGAA: BayernLB-Chef wirft Österreich „Selbstjustiz“ vor

Skandalbank HGAA
BayernLB-Chef wirft Österreich „Selbstjustiz“ vor

„Dreist betrogen“ habe man die BayernLB – sagt ihr scheidender Vorstandsvorsitzender Gerd Häusler. Die Bank klagt wegen des Kaufs der Hypo Group Alpe Adria. Heute wird der ehemalige bayerische Finanzminister befragt.
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München/PassauDer scheidende Vorstandsvorsitzende der BayernLB, Gerd Häusler, hat Österreich im Streit um die Skandalbank HGAA „Selbstjustiz“ vorgeworfen. Beim Kauf der Hypo Group Alpe Adria sei die Bayerische Landesbank „dreist betrogen“ worden, sagte Häusler der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstag). Dass die Rückzahlung von Milliardenkrediten der BayernLB an die HGAA gestoppt wurde, sei der Versuch, „unsere Kredite quasi im Wege der Selbstjustiz zu konfiszieren“.

Derzeit klagt die BayernLB vor dem Münchner Landgericht gegen die Österreicher. Über jüngste Angebote aus Österreich zu einem „Generalvergleich“ äußerte sich Häusler in dem Zeitungsinterview verwundert: „Mir ist derzeit nicht bekannt, was damit gemeint sein könnte.“ Die HGAA habe nur rund zwei Jahre im Mehrheitseigentum der BayernLB gestanden, seit über vier Jahren liege die Eigentümerschaft nun beim österreichischen Staat. „Die dann seit Ende 2009 eingesetzten Steuermilliarden retten also nicht eine Bank, die von privaten Eigentümern ruiniert wurde, sondern die jahrelang von Managern geführt wurde, die die Republik Österreich eingestellt hat“, kritisierte Häusler. Deren Fehler habe die BayernLB nicht zu verantworten.

Häusler gibt sein Amt zum 1. April an den bisherigen Vizechef der NordLB, Johannes-Jörg Riegler, ab und soll im Herbst Aufsichtsratschef der Bayerischen Landesbank werden.

Der frühere bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser hat unterdessen bestritten, die BayernLB mit markigen Worten zu dem fatalen Einstieg bei der Hypo Alpe Adria gedrängt zu haben. Das ihm zugeschriebene Zitat „Ihr seid zu dumm, eine Bank zu kaufen“ habe er so nie gesagt, sagte der frühere Vize-Vorsitzende des BayernLB-Verwaltungsrats am Dienstag als Zeuge im Strafprozess gegen frühere Vorstände der Landesbank.

Im Gegenteil habe er die damalige Führung um Werner Schmidt und den heutigen Bankenverbands-Geschäftsführer Michael Kemmer als „extrem gute Mannschaft“ in Erinnerung. Anders als die Staatsanwaltschaft behaupte, fühle er sich von den Vorständen bei den Vorbereitungen des Kaufs im Jahr 2007 auch nicht getäuscht.

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