Skandalbanker Jérôme Kerviel Hat die Société Générale von Milliardenspekulationen gewusst?

Ex-Banker Jérôme Kerviel soll die Société Générale mit Spekulationen um Milliarden gebracht haben. Nun berichtet ein Portal, die Bank habe von den Deals gewusst. Wie es wirklich war, muss ein neues Verfahren klären.
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Die Société Générale soll von den Finanzspekulationen gewusst haben. Quelle: Reuters

Die Société Générale soll von den Finanzspekulationen gewusst haben.

(Foto: Reuters)

ParisIn der Affäre um den französischen Skandalbanker Jérôme Kerviel bringt ein Medienbericht die Großbank Société Générale in Bedrängnis. Das Enthüllungs-Portal „Mediapart“ berichtete am Sonntagabend, die Société Générale sei bereits früh über die Aktivitäten Kerviels informiert gewesen, der der Bank mit Finanzspekulationen einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro eingebrockt haben soll. „Mediapart“ beruft sich dabei auf die Aussage einer Polizistin, die zu dem Milliarden-Verlust ermittelte. Sie sagte bei einer Befragung durch einen Untersuchungsrichter aus.

In der Anfang 2008 bekanntgewordenen Affäre hatte Kerviel die Société Générale durch hochriskante Finanzspekulationen fast in den Ruin getrieben. Er wurde unter anderem wegen Vertrauensmissbrauchs und Fälschung zu drei Jahren Haft und zur Zahlung von 4,9 Milliarden Euro Schadenersatz verurteilt. Kerviel argumentierte stets, seine Vorgesetzten hätten von seinen Geschäften gewusst, was die Bank bestreitet.

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NICK LEESON ARRIVES AT WATFORD MAGISTRATES COURTS
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Nick Leeson sorgte für die wohl größte Fehlspekulation der 90er-Jahre, als er für die singapurische Außenstelle der traditionellen britischen Barings Bank als Chefhändler arbeitete. Die Verluste seiner Trades, die er auf ein geheimes und nicht kontrolliertes Konto verbuchte, summierten sich auf 825 Millionen Pfund – bis die Barings Bank zusammenbrach. Später wurde Leeson zu sechseinhalb Jahren Gefängnis wegen Urkundenfälschung, Untreue und Betrug verurteilt.

Börsenhändler Kerviel schreibt über Milliardenverlust
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Der Aktienhändler Jérôme Kerviel brachte seinen Arbeitgeber, die französische Bank Société Générale, mit hochriskanten Aktiengeschäften um fünf Milliarden Euro. Dafür, dass er bei seinen Trades regelmäßig Handelslimits überschreiten konnte, wurde allerdings auch die Bank selber verantwortlich gemacht. Kerviel wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, ging aber in Berufung. Das Urteil wird für Oktober erwartet.

UBS trader Adoboli arrives at City of London Magistrates Court in London
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Gegen Kerviels fünf Milliarden nimmt sich der Verlust, den Kweku Adoboli der Schweizer Großbank UBS im Jahr 2011 eingebracht hat, fast mickrig aus: 2,3 Milliarden Dollar sollen seine Handelsgeschäfte die UBS gekostet haben. In dem Prozess gegen ihn, der dieser Tage beginnt, plädiert Adoboli auf nicht schuldig.

Dimon Congress
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Auch bei der US-Bank JP Morgan Chase verspekulierte man sich im großen Stil. Im Frühling dieses Jahres informierte Konzernchef Jamie Dimon die JP-Morgan-Aktionäre persönlich, dass sein Institut im Monat zuvor rund zwei Milliarden Dollar bei spekulativen Finanzwetten verloren hatte. Dimon räumte dabei „ungeheuerliche Fehler und Schlampereien“ ein.

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Carl Icahn, berühmt-berüchtigter Corporate Raider, lag in den vergangenen Jahren mehrfach daneben. Icahn verlor etwa mit seinem Engagement beim Internetpionier Yahoo ordentlich Geld: Die 12,7 Millionen Yahoo-Papiere, die er ein Jahr zuvor für rund 25 Dollar pro Aktie gekauft hatte, veräußerte er im Herbst 2009 für unter 15 Dollar das Stück.

George Soros
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Sogar Investorenlegenden sind vor Irrtümern nicht gefeit. George Soros, der Anfang der 1990er-Jahre mit seiner Wette gegen das Pfund Sterling einen Milliardengewinn erzielt hatte, verzockte sich 2008 mit Papieren der späteren Pleitebank Lehman: Wenige Monate vor deren Zusammenbruch hatte Soros auf ihre Rettung gewettet und dazu knapp zehn Millionen Lehman-Aktien angehäuft – die kurze Zeit später wertlos waren.

Die Polizistin Nathalie Le Roy sagte nun Anfang April laut „Mediapart“ aus, sie habe im Zuge ihrer Ermittlungen „erst das Gefühl und dann die Sicherheit“ erlangt, dass Kerviels Vorgehen den Bankverantwortlichen nicht verborgen geblieben war. So habe ein früherer Mitarbeiter der Abteilung für operative Risiken ausgesagt, dass die Aktivitäten des Bankers „bekannt“ waren.

Der Mitarbeiter habe nach eigenem Bekunden bereits im April 2007 die Vize-Leiterin seiner Abteilung per E-Mail informiert. Die Nachricht habe er sogar mit einem Totenkopf versehen, um auf die Gefahr aufmerksam zu machen. Die E-Mail ist allerdings bislang nicht aufgetaucht.

Zwei Gerichte hatten in ihren Urteilen gegen Kerviel festgehalten, dass er alleine ein „Betrugssystem“ aufgebaut und umgesetzt hatte. Die Société Générale erklärte nun mit Blick auf die „Mediapart“-Enthüllungen, Kerviel selbst habe bei Befragungen durch die Polizei eingeräumt, „alleine und ohne das Wissen seiner Vorgesetzten“ gehandelt zu haben. Die Justiz habe stets geurteilt, dass allein Kerviel strafrechtlich schuldig sei.

Frankreichs Oberster Gerichtshof hatte im März 2014 die Verurteilung Kerviels zu drei Jahren Haft und zwei weiteren Jahren Haft auf Bewährung bestätigt. Die Schadenersatzzahlung von 4,9 Milliarden Euro hob das Gericht aber auf. In dieser Frage ist für Januar 2016 ein neues Verfahren angesetzt. Kerviel verbrachte insgesamt rund 150 Tagen in Haft. Im vergangenen September wurde er vorzeitig mit einer Fußfessel aus dem Gefängnis entlassen.

  • afp
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