Skandalbuch
Ein Händler von Goldman Sachs packt aus

Enthüllungen, Entgleisungen, Skandale - das Buch vom ehemaligen Goldman Sachs-Händler Greg Smith wurde mit Spannung erwartet. Das Ergebnis ist enttäuschend. Warum man es trotzdem lesen sollte.
  • 6

Samstagabends, wenn die Banker Party machen, ist die Londoner Zentrale von Goldman Sachs wie ausgestorben. Greg Smith wusste das, also ging er noch einmal ins Büro, ein allerletztes Mal. Dort packte er ein paar Sachen zusammen und setzte sich am Sonntag ins Flugzeug nach New York. In der Erwartung, dass sehr bald jeder in der Finanzwelt seinen Namen kennen sollte.

Tags darauf erschien in der „New York Times“ Smiths spektakuläre Abrechnung mit seinem Arbeitgeber. Unter der Überschrift „Warum ich Goldman Sachs verlasse“ beklagte er, die legendäre Investmentbank habe sich in einen Ort voller gieriger Zocker verwandelt. Mitarbeiter würden ihre eigenen Kunden über den Tisch ziehen und sie auch noch als „Muppets“ verhöhnen, als Deppen. Die Wall Street hatte ihren Skandal.

Das war im März. Sieben Monate später ist Smith zurück in den Schlagzeilen: Diese Woche ist in den USA sein Buch erschienen. Darin erzählt der gebürtige Südafrikaner, wie er im Jahr 2000 als glücklicher Praktikant bei Goldman anfing, schnell Karriere machte – und schließlich an jenem Abend in London desillusioniert seine Sachen packte. Die Bank, schreibt Smith, habe sich unter Firmenchef Lloyd Blankfein in einen Hedgefonds verwandelt, der „eher sich selbst im Sinn hat als seine Kunden“.

„Warum ich Goldman Sachs verlassen habe“, so der englische Titel, ist nun im Grunde die Langversion des Gastbeitrags von damals. Das versprochene Enthüllungsbuch jedoch, das neue Skandale aufdeckt oder beweist, dass Mitarbeiter systematisch Kunden abzocken, hat Smith nicht geliefert. Wenn Goldman dieser Tage mitteilt, man sei nach der Lektüre des Buches „erleichtert“, hat Smith etwas falsch gemacht.

Kommentare zu " Skandalbuch: Ein Händler von Goldman Sachs packt aus"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "ich-zentriertes Dokudrama"

    das wird wohl nicht für eine Verfilmung reichen. Oder?

    Auf jedenfall waren die PR-Abteilungen von GS gut mit dem Fall beschäftigt (Es tauchen ja nicht aus Versehen irgendwelche Interna an die Öffentlichkeit). Alle Organisation sind Irrenhäuser. Und Smith hat halt mit großen Getöse von der Goldman-Klinik verabschiedet.

    Es kann mir auch niemand erzählen, er/sie hätte noch nie zumindenst mal über Kunden, Lieferanten oder sonstigen Geschäftsbeziehung gedacht: Was für ein XXXXX!

    Ein Manager eines größeren niederländischen Elektronikkonzerns erklärte mir mal dass die Arbitrage in der Lieferanten-Kunden-Beziehung aus dem Gap über technisches Wissen herrühre. Strategisch versucht ein Lieferant diesen Gap zu erhöhen (zb durch Outsourcing). Um dem entgegen zu wirken muss ein Kunde (wie dieser große Elektronikkonzern) trotz sehr viel Outsourcingaktivität seine Wissensbasis (z.B. Menschen in der F&E) umsomehr forcieren, um nicht in eine ungewollte Abhängigkeit zu geraten (die langfristig ruinieren kann).
    Was hat das mit Goldman zu tun? Das Arbitrage-Prinzip funktioniert in jeder Branche, und der Wissens-Gap kann in der Finanzbranche extrem groß sein, zB je komplexer das Finanzprodukt. Es gibt nicht ohne Grund Weisheiten wie "Kaufe nur was du verstehst" (Weil es die Arbitragepotenzial aufgrund Wissens-Gaps klein hält). Und hier muss ich dann auch sagen, dass Beleidigungen wie "Muppets" gerechtfertigt sind: Du bist ein "Muppet" wenn du Geschäfte machst, die du nicht verstehst!

    Aber es ist ein Unterschied ein man sich über "Muppets" herablassend lustig macht, oder versucht einen (unternehmensstrategisch) zu großen Wissens-Gap zu verkleinern. Es gibt nunmal Investmentbanker die aggressiv versuchen alles zu fressen was vor ihrem Maul herumläuft. Es gibt aber auch (noch) Investmentbanker die langfristige Geschäftsbeziehungen aufbauen wollen, weil sie von dem Weg überzeugt sind.

  • Leider vertreten die Medien in der Regel, die Interessen der Hand die sie nährt und das sind nun einmal Unternehmen, die die Medien mit Werbung finanzieren, wie z.B. Goldmann & Konsorten.
    Man vergesse auch nicht dass die Kapitalindustrie darüberhinaus noch über Fonds, Hedgefonds ect. auch noch direkt Miteigentümer einer Unmenge von Zeitschriften, Fernsehsender usw. sind.
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ich kann dieses undifferenzierte Geschwalle nicht mehr hören. In Deinen Augen sind sicher alle Bankangestellten sicher auch skrupellose Zocker, oder?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%