Skandalhändler Adoboli
„Wie die meisten Zocker hat er Chaos verursacht“

In London beginnt die Hauptverhandlung gegen Kweku Adoboli. Der Ex-UBS-Händler habe mit „betrügerischer Zockerei“ 2,3 Milliarden Dollar verspielt, meint die Staatsanwältin. Die Protagonisten des Prozesses im Überblick.
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LondonDer frühere UBS-Händler Kweku Adoboli hat nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft bei der Schweizer Großbank 2,3 Milliarden Dollar in betrügerischer Absicht verzockt. „Wie die meisten Zocker hat er geglaubt, er habe das goldene Händchen“, sagte Staatsanwältin Sasha Wass vor den zwölf Geschworenen im Londoner Southwark Crown Court. „Und wie die meisten Zocker hat er Chaos und Desaster für sich und seine Umgebung verursacht, als es schief ging.“ In einer Phase habe er sogar einen Verlust von fast zwölf Milliarden Dollar riskiert. Adoboli hat die Vorwürfe des Betrugs und der Falschbuchführung in jeweils zwei Fällen zurückgewiesen.

Der 32 Jahre alte Händler, der vor rund einem Jahr festgenommen wurde, habe aufgehört sich als professioneller Investmentbanker zu benehmen und sei statt dessen zu einem reinen Spieler geworden, sagte die Staatanwältin. Er habe sich immer mehr einer Casino-Mentalität hingegeben, gutes Geld schlechtem nachgeworfen und so die Existenz der Bank aufs Spiel gesetzt.

Adoboli sei es darum gegangen, seinen Bonus zu erhöhen und seinen Status und seine Karriereaussichten innerhalb der Bank zu verbessern. Dafür habe er, so die Staatsanwältin weiter, seine Handels-Limiten überschritten und das durch fiktive Transaktionen verheimlicht. Und er habe seine Vorgesetzten angelogen.

Der Angeklagte
Beinahe auf den Tag genau vor einem Jahr wurde der junge UBS-Händler Kweku Adoboli an seinem Arbeitsplatz verhaftet. Sein Lebenslauf liest sich wie der Tausender junger Investmentbanker, die das Versprechen vom schnellen Geld und vom aufregenden Job auch nach der Finanzkrise Jahr für Jahr in die Londoner City zieht. Adobolis Privatschule in Ackworth im nordenglischen Yorkshire ließen sich seine Eltern 26.000 Pfund im Jahr kosten. Danach besuchte er die angesehene Universität in Nottingham.

2002 stieg der Sohn einer ghanaischen Diplomatenfamilie als Trainee bei der UBS ein und arbeitete sich in nur fünf Jahren bis zum Direktor einer einflussreichen Handelsabteilung nach oben. Adoboli ist erst 32 Jahre alt, aber für ihn schien sich der Traum vom Investment-Banking bereits erfüllt zu haben. Bis zu 600.000 Pfund verdiente er nach Schätzungen britischer Medien in guten Jahren und lebte in einem teuren Loft im Ost-Londoner Szenestadtteil Shoreditch.

Jetzt fragen sich nicht nur Freunde und Kollegen, sondern die gesamte Branche: Was ging da schief? Wie wurde aus dem Jungen, der im Internat in Ackworth stellvertretender Schulsprecher war, der Zocker, der 2,3 Milliarden Dollar verspielt haben soll? War es die Sucht nach noch höheren Boni, oder wollte Adoboli Verluste verschleiern? Erst im Laufe der Verhandlung werden die Details der Affäre ans Licht kommen.

Der junge Trader arbeitete eigentlich in einem eher langweiligen Bereich des Investment-Bankings. Ähnlich wie Jérôme Kerviel, der der französischen Société Générale mit seinen Betrügereien 2008 Verluste von 4,9 Milliarden Euro bescherte, verdiente auch Adoboli sein Geld in der Abteilung „Delta One“. Sein Job war es, Derivate zu konstruieren, die die Entwicklung bestimmter Aktienindizes möglichst genau abbilden. Dabei jonglieren die Trader zwar mit großen Summen, aber jedes Geschäft muss durch ein Gegengeschäft abgesichert werden. Damit bleiben die Risiken für die Bank überschaubar.

Adoboli soll allerdings mit Hilfe von Futures große, nicht abgesicherte Wetten auf Aktienindizes wie den S&P 500 in den USA oder den deutschen Dax abgeschlossen haben. Um diese Risiken zu verbergen, soll er ein Netz aus simulierten Absicherungsgeschäften geflochten haben. Dabei kam ihm zugute, dass er einst selbst in der Abteilung arbeitete, die für die Abwicklung dieser Deals zuständig war. Adoboli hat bereits auf nicht schuldig plädiert. Wird er dennoch verurteilt, drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.

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Die Verteidiger

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Richter, Staatsanwälte und die Bank

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  • Wer traut einem Praktikanten im Controlling zu, das gesamte Risikocontrollsystem einer Bank zu verstehen und zu unterlaufen?

    Das Ann nur einer Glauben, der die UBS nie von innen gesehen hat. Wenn dem wirklich so wäre, dann hätte das Management die Bank ganz gewaltig abgebaut - aber nie so ein kleiner Händler!

    Welche Bankenaufsicht wollte sich verhalten lassen, weniger gesehen zu haben als ein Praktikant. Auch die Wirtschaftsprüfer müssen sich diese Frage stellen lassen. Es kommen Zweifel an Controlling, Risikocontrolling, Wirtschaftsprüfer, Bankenaufsicht und ganz besonders gegenüber seinen Vorgesetzten auf.

    Die Wahrheit kann jedenfalls nicht die sein, die wir uns aus den Reportagen zusammen schieben sollen.

  • @MAzi, da gebe ich Ihnen recht. Da gehören gleich noch die Chefs dazu, Wie hat der Jain gesagt, die waren 2-3Etagen unter mir angesiedelt, davon kann ich nichts wissen. Neben diesem Zocker, der sich mit seinem Chef aus Amiland nach London geschlichen hat, müssen auch die Etagen oberhalb haften. Nur so lernen die.

  • So sehe ich das auch. Z. B. Herr Jain und Herr Ackermann, sowie die anderen CEO Topkonsorten inklusive der Profs. für Banken und Finanzierung haben versagt.

    Wozu hat man den Sch..ß in der roten John Hull Fibel den gelernt? Dazu erzieht man die jungen Studenten zu gnadenlosem Konkurrenzdenken und brainwashed sie mit der Homo Economicus Denke. Kann bei 7Mrd. Menschen auf dem Planeten nicht mehr funktionieren. Es ist Zeit die Sättigung in den westlichen Ländern zu verstehn.

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