Softbank Japaner greifen nach der Macht beim weltgrößten Rückversicherer Swiss Re

Die Gespräche über eine Beteiligung von Softbank an Swiss Re kommen voran: Die Japaner reklamieren mehrere Verwaltungsratssitze für sich.
Update: 19.02.2018 - 12:14 Uhr 1 Kommentar
Softbank will künftig Anteil am Rückversicherer halten. Quelle: Reuters
Swiss Re

Softbank will künftig Anteil am Rückversicherer halten.

(Foto: Reuters)

FrankfurtEs wäre ein Milliardendeal, der die Branche verändern könnte – und er rückt immer näher. Denn der Flirt zwischen Softbank und dem weltgrößten Rückversicherer Swiss Re nimmt immer konkretere Formen an.

Nach Informationen der britischen „Financial Times“ werden bei den Gesprächen über eine Beteiligung an Swiss Re bereits Details verhandelt. Die Japaner würden mehrere Sitze im Verwaltungsrat von Swiss Re anstreben, um die Geschäftsentwicklung des Rückversicherers mitbestimmen zu können, so der Bericht vom Montag.

Im Gespräch ist dabei eine Beteiligung des japanischen Telekom- und Technologiekonzerns von bis zu 30 Prozent. Wie die Zeitung schreibt, sollen sich Softbank-Gründer und CEO Masayoshi Son und Swiss-Re-Verwaltungsratspräsident Walter Kielholz bereits in den kommenden Wochen zu weiteren Gesprächen treffen, um den Deal abzuschließen.

Die Swiss Re hatte Anfang Februar offiziell Gespräche mit dem japanischen Telekom- und Medienkonzern über den Kauf einer Minderheitsbeteiligung bestätigt. Der Swiss Re zufolge sei es jedoch noch offen, ob es zu einer Einigung kommt. Zudem gebe es keine Gewissheit über die Konditionen, den Zeitplan oder die Form einer solchen Transaktion.

Doch inzwischen sind die Verhandlungen so weit gediehen, dass bereits über die Sitze im Verwaltungsrat der Schweizer gesprochen wird. Ein Einstieg der Japaner wäre ein Milliardendeal. Bei einem Marktwert von 32,7 Milliarden Schweizer Franken (umgerechnet 28,4 Milliarden Euro) hätte der Kauf einer 30-Prozent-Beteiligung einen Wert von 9,81 Milliarden Schweizer Franken. Die Investoren scheinen an einen Deal zu glauben: Seit Bekanntwerden des Softbank-Interesses hat die Swiss-Re-Aktie an der Börse 4,5 Prozent dazugewonnen.

Der Deal wäre ein Novum. Erstmals würde mit Softbank ein Technologiekonzern nach einem Großkonzern der Versicherungsbranche greifen. Denn nach dem Einstieg wären die Japaner der größte Aktionär der Swiss Re.

Finanzieren wolle Softbank den Einstieg über den Konzern selbst und nicht über den eigenen Investmentfonds, heißt es. Der Vision Fund des Unternehmens ist mit einem Volumen von 93 Milliarden Dollar der weltweit größte Private-Equity-Fonds, hinter dem auch ein saudischer Staatsfonds und Technologiefirmen wie Apple stehen.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

Für die Analysten der Deutschen Bank steckt die Logik hinter dem Einstieg in dem Schlüsselwort „Big Data“. Denn Rückversicherer säßen auf vielen Daten, die sie in der Vergangenheit nicht immer optimal genutzt hätten. Gleichzeitig werde das Geschäftsmodell durch neue Risiken wie Cyberkriminalität und autonome Fahrzeuge herausgefordert. Es wäre daher „sehr sinnvoll“, wenn sich Rückversicherer mit Technologieunternehmen zusammenschlössen, folgert der zuständige Analyst.

Analysten hatten eine Kombination zwischen einem Technologieunternehmen und einem Rückversicherer zuvor jedoch nicht auf dem Schirm. Bisher hatte Softbank vor allem in junge Start-ups und Technologiefirmen wie Yahoo, Alibaba, Uber und We-work investiert.

Kürzlich übernahm der Konzern auch den britischen Chip- und Softwareentwickler ARM. Doch zuletzt engagierte sich Softbank bereits auch im Bereich von Versicherungs-Start-ups, sogenannter Insurtechs, und hatte an einer Finanzierungsrunde des US-Versicherers Lemonade teilgenommen. Der Moment für einen Einstieg erscheint günstig: Die Kosten für Naturkatastrophen von rund vier Milliarden Dollar hatten den Schweizer Rückversicherer zuletzt in die roten Zahlen gedrückt.

Nach neun Monaten stand unter dem Strich ein Verlust von 468 Millionen Dollar. Trotzdem sieht sich der Konzern kapitalstark genug, um Geld an seine Aktionäre zurückzugeben. Seit November kaufte Swiss Re eigene Aktien für bis zu einer Milliarde Franken zurück, das Kaufprogramm wurde am Montag abgeschlossen. Zudem ließ Finanzchef David Cole durchblicken, dass die Aktionäre zumindest eine stabile Dividende erwarten können.

Die hochverschuldete Softbank, die in den letzten Jahren mit Macht in den Finanzsektor vorgedrungen ist, gewänne mit dem Einstieg bei Swiss Re Zutritt zum globalen Rückversicherungs-Markt – und mittelbar Einfluss auf die immensen Kapitalrücklagen des Rückversicherers. Letztes Jahr hat das Konglomerat bereits den amerikanischen Investor Fortress übernommen.

Swiss Re-Chef Christian Mumenthaler wird sich voraussichtlich Ende der Woche erstmals persönlich zu dem Thema äußern. Denn am Freitag wird die Swiss Re anlässlich der Bilanzpressekonferenz den Geschäftsbericht zum abgelaufenen Jahr 2017 präsentieren. Für Gesprächsstoff sollte angesichts der vielen noch offenen Fragen bezüglich des Softbank-Deals mehr als genug gesorgt sein.

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1 Kommentar zu "Softbank: Japaner greifen nach der Macht beim weltgrößten Rückversicherer Swiss Re"

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  • Mit der Begründung des Analysten kann ich kein Einverständnis finden. Ich denke es ist eher so, dass die Konzentration in den Finanzmärkten weitergeht. Dies würde insofern Sinn machen, als die Liquiditätsschwemme immer noch nach Anlagegelegenheiten sucht und natürlich inzwischen "technische Firmen" wie Apple, welche über eine Menge freier Gelder verfügen, in diesem Segment mit schwimmen. Ich bezeichne dies als Positionsabsicherung in verschiedenen Märkten. Geld als solches ist so inflationär, wie Awards, Bilder der Selbstdarstellung, Zertifizierungen an sich selbst und anderes mehr. Es ist deswegen, immer auch ein Versuch etwas handfestes zu bekommen. Landgrabbing, ist hier sicherlich ebenso zusehen, mit all seinen negativen Konsequenzen.

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