Sorge in Berlin

Merkel attestiert Deutscher Bank Schwierigkeiten

Die deutsche Kanzlerin hat sich zurückhaltend zu den Problemen der Deutschen Bank geäußert. Sie wünsche sich, dass alle Unternehmen, auch wenn es temporäre Schwierigkeiten gebe, eine gute Entwicklung nehmen.
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Deutsche Bank - Ein Fall für Staatshilfen?

Deutsche Bank - Ein Fall für Staatshilfen?

BerlinKanzlerin Angela Merkel hat sich zurückhaltend über die Lage der Deutschen Bank und möglichen Staatshilfen geäußert. „Zur Deutschen Bank möchte ich nur soviel sagen, dass die Deutsche Bank ein Teil des deutschen Banken- und Finanzsystems ist“, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag in Berlin auf die Frage, ob sie besorgt sei, dass der Staat eingreifen müsse. „Und dass wir uns natürlich wünschen, dass alle Unternehmen, auch wenn es temporäre Schwierigkeiten gibt, eine gute Entwicklung nehmen.“

Darüber hinaus wolle sie das Thema nicht kommentieren. Merkel wollte sich bereits vor zehn Tagen nicht zu Berichte über die Deutsche Bank äußern.

Deshalb wächst die Sorge um Deutschlands größte Bank
Josef Ackermann, Angela Merkel
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In den Jahren bis 2007 lief es rund bei Deutschlands größter Bank: Das Geldhaus verdiente Milliarden und Vorstandschef Josef Ackermann erwuchs zum staatsmännischen Vorstandschef, der es schaffte, dass die Kanzlerin zu seinem 60. Geburtstag ins Kanzleramt lud.

Das Bild zeigt Ackermann und Kanzlerin Angela Merkel im Jahr 2006 in Berlin.

Rückblick
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Die Deutsche Bank hatte es nach der Übernahme der US-Großbank Bankers Trust zur Jahrtausendwende in den Olymp der großen Investmentbanken der Welt geschafft. Das lästige deutsche Privatkundengeschäft sollte zwischenzeitlich als „Deutsche Bank 24“ vom Rest gelöst werden – man spielte in einer anderen Liga. Der Plan wurde zwar kassiert und zurück blieb die „24“ am Ende der Deutsche-Bank-Bankleitzahlen. Doch der globale Anspruch des Instituts blieb bestehen.

Das Bild zeigt den damaligen Bankchef Rolf-E. Breuer nach der Verkündung der Bankers-Trust-Übernahme im Jahr 1998.

Die Finanzkrise
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Als ab 2006 der US-Immobilienmarkt kollabierte und in der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 und einer globalen Finanzkrise gipfelte, gelang es der Deutschen Bank zwar ohne Staatshilfe durch zu kommen. Eine Fußnote der Geschichte war aber: Milliardenforderungen gegenüber dem US-Versicherer AIG waren der Bank nur dank US-Staatshilfen zugeflossen. Und Missetaten aus der Zeit vor der Finanzkrise verfolgen die Bank noch heute.

Bild: Lehman-Brothers-Mitarbeiter nach der Kündigung 2008 in London.

Die Folgen der Immobilienkrise
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Die USA werfen der Deutschen Bank vor, das Risiko von Immobilienwertpapiere in den Jahren vor der Finanzkrise verschleiert und gutgläubigen Investoren angedient zu haben. Ein Verfahren läuft seit Jahren und ist ein Grund dafür, dass die Aktie am Montag ein neues Allzeittief erreichte. Denn in den Vergleichsverhandlungen fordert das US-Justizministerium umgerechnet wohl 12,5 Milliarden Euro von der Bank (bei einem Börsenwert von 16 Milliarden Euro) – und das nach einem Milliardenverlust 2015 und gebildeten Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von 5,5 Milliarden Euro. Die Bank selbst hofft, mit eher zwei Milliarden Euro im Immobilienstreit auszukommen.

Schwaches Kerngeschäft
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Nach der Finanzkrise gab es zwei wesentliche Entwicklungen unter globalen Großbanken. Die in den USA beheimateten Institute (Bild: New Yorks Finanzdistrikt) – mit zwangsweiser Staatshilfe versorgt – konnten die Krise beschleunigt hinter sich lassen. Sie wuchsen gar zu neuer Größe. Die andere Gruppe stutzte das Investmentbanking, dass weniger lukrativ wurde und mit weniger Mitarbeitern zu leisten war – und fokussierte sich auf die hauseigene Vermögensverwaltung. Die Deutsche Bank suchte den Mittelweg aus eigener Kraft: keine Staatshilfe, kein großer Strategieschwenk. Die Folge: Dutzende Strafzahlungen etwa wegen Zinsmanipulationen schlugen ins Kontor, während gleichzeitig das Kerngeschäft litt.

Riskante Finanzierung
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Sowohl der Internationale Währungsfonds als auch die US-Einlagensicherung halten die Bank für das riskanteste Institut der Welt. Im Verhältnis zum Eigenkapital ist die Deutsche Bank hochverschuldet. Die sogenannte „Leverage Ratio“ ist die niedrigste unter den globalen Großbanken. Zwar hat die Bank in den vergangenen Jahren Kapitalerhöhungen durchgezogen. Doch an dieser weltweit beachteten Kennziffer hat sich wenig geändert.

Wenig Reserven
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Die Deutsche Bank rühmt sich zwar eines hohen Polsters an Liquidität, also stets zu veräußernder Wertpapiere in ihren Büchern. Das soll zeigen: Wir haben Reserven, auf die wir zugreifen können. Doch die drohenden Justizstrafen lassen Analysten vermuten, dass eine Kapitalerhöhung nötig werden könnte. Das würde den Aktienkurs noch weiter schwächen – in vorauseilendem Gehorsam fällt der Kurs.

Die Deutsche Bank hatte am Montag ein Treffen von Bank-Chef John Cryan mit Merkel nicht weiter kommentieren. Ein Insider betonte aber, dass das Gespräch im Juli stattgefunden habe und damit lange bevor die zweistellige Milliardenforderung der US-Justiz durchsickerte. Damals sei es vor allem um die Auswirkungen des Brexit-Votums der Briten gegangen. Cryan habe zu keiner Zeit die Kanzlerin gebeten, im US-Hypothekenstreit zu intervenieren, betonte eine Sprecherin. Staatshilfen stünden nicht zur Debatte, hatte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag gesagt.

Der CDU/CSU-Obmann des Finanzausschusses des Bundestages, Hans Michelbach, sagte gegenüber Bloomberg News: „Dass wir der Deutschen Bank mit Steuergeldern helfen, ist nicht vorstellbar.“ Denn Staatshilfen würden einen öffentlichen Aufschrei verursachen und die Politik würde an Glaubwürdigkeit verlieren. Die Deutsche Bank sei nicht mit der Pleitebank Lehman vergleichbar. Sie sei in der Lage, „allein die Kurve“ zu kriegen.

„Der Bundesregierung ist generell bekannt, dass sich das US-Justizministerium in der Vergangenheit auch mit anderen Kreditinstituten auf Vergleichszahlungen geeinigt hat“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. „Und die Bundesregierung geht davon aus, dass auch in diesem Verfahren auf der Grundlage der Gleichbehandlung ein faires Ergebnis erzielt wird.“

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  • Natürlich ist die Bank für Hedgefonds nach der (zufälligen?) Focusveröffentlichung vom Wochenende geradezu fürs filetieren freigegeben. US- und andere Investoren riechen (und sie haben die Kraft dazu), das sie Merkel mit den erst kürzlich eingeführten Bail-In - Regeln in die Enge treiben können und sie Merkels eigene Regeln ad absurdum führen lassen. Eine Kapitalerhöhung würde nach derzeitigem Kurs die bisherigen Anteile extrem verwässern. Bleibt nur noch Draghi. Würde mich nicht wundern, wenn er ohne mit der Wimper zu zucken auch dieses Schleusentor öffnet und mal eben so Bankaktien und Anleihen kauft.

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