Sorge vor personellem Kahlschlag
Verdi droht mit Warnstreiks bei der Postbank

Die Deutsche Bank will die Postbank wieder voll ins Privatkundengeschäft integrieren. Letztere verhandelt derzeit mit Verdi über Gehälter und Kündigungsschutz. Die Gewerkschaft droht mit einem harten Arbeitskampf.
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FrankfurtBei der Deutschen Postbank drohen Warnstreiks. „Wenn die Arbeitgeber bei der Postbank nicht bereit sind, einen wirksamen Kündigungsschutz mit uns zu vereinbaren, wird es auf eine harte Auseinandersetzung hinauslaufen“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck. „Wir werden voraussichtlich übernächste Woche mit Warnstreiks starten“, erklärte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir wollen bundesweit streiken.“

Derzeit laufen reguläre Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft und der Bank. Es geht um Gehälter und den Kündigungsschutz. Vor allem der Kündigungsschutz hat durch die geplante Integration der Postbank in die Deutsche Bank an Brisanz gewonnen. Schließlich dürfte diese Integration, über die derzeit verhandelt wird, viele Jobs in beiden Häusern kosten. Handelsblatt-Informationen zufolge soll es im Oktober weitere Details über die Zusammenlegung und ihre Folgen geben.

Duscheck ist besonders erbost darüber, dass „die Arbeitgeberseite zum Kündigungsschutz nicht gesprächsbereit war“. Ein Gehaltsangebot hatte es aber ebenfalls nicht gegeben. Verdi fordert für die rund 18.000 Beschäftigten der Postbank, der Bauspar-Tochter BHW und weiterer Töchter eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis Ende 2022 und eine Gehaltserhöhung von fünf Prozent. Die dritte Verhandlungsrunde soll am 25. September stattfinden.

Die Postbank-Integration mag derzeit die größte Baustelle im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank sein, sie ist aber nicht die einzige. In Spanien etwa prüft die Deutsche Bank einen Rückzug aus dem Privatkundengeschäft und hat ihre Tochter zum Verkauf gestellt.

Einem Bericht der Zeitung „El Confidencial“ zufolge ist die spanische Großbank BBVA nun als einziger Kaufkandidat für die spanische Einheit ausgewählt worden. „El Confidencial“ zufolge verlangt die Deutsche Bank 700 Millionen Euro für die spanische Gesellschaft mit 230 Filialen und 700.000 Kunden. BBVA habe zwischen 300 und 400 Millionen Euro geboten. Keines der Geldhäuser wollte sich dazu äußern.

Der spanische Markt ist für Banken ein ähnlich hartes Pflaster wie Deutschland: Es gibt trotz der mittlerweile fortgeschrittenen Konsolidierungswelle noch immer relativ viele Banken, der Wettbewerb ist intensiv, die Gewinnspannen sind niedrig. Eine dominante Stellung haben die Auslandsbanken sich bislang nicht auf der iberischen Halbinsel erkämpfen können: Dem Finanzportal Bolsamanía zufolge verwalteten ausländische Institute in Spanien Ende 2016 nur 7,7 Prozent aller Aktiva. Die Deutsche Bank war aber immerhin die zweitgrößte ausländische Bank in Spanien hinter der niederländischen ING. Und sie hatte bislang viel Stehvermögen bewiesen: Barclays zog sich vor einigen Jahren ebenso zurück wie Lloyds oder die Citibank.

Für die Deutsche-Bank-Tochter in Spanien hatten sich einige Wettbewerber interessiert. ING will ebenso wie die französische Credit Mutuel als eine der wenigen Ausländer weiter in Spanien wachsen. Beide galten bislang als mögliche Käufer der Deutsche-Bank-Tochter.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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