Sparda Bank Münster
Fristlose Kündigung nach 17 Jahren an der Spitze

Private Feiern und Reisen auf Kosten der Firma? Ein solches Verhalten kommt selten gut an. Der langjährige Chef der Sparda-Bank Münster musste deswegen jetzt gehen – fristlos. Was genau passierte.

FrankfurtSo etwas kommt bei einer Genossenschaftsbank selten vor: Knall auf Fall trennt sich die Sparda-Bank Münster von ihrem langjährigen Chef Enrico Kahl – und das mit dem deftigen Vorwürfen. Und direkt nach dem Bekanntwerden der Affäre nimmt die Staatsanwaltschaft Münster Ermittlungen auf.

Zu Wochenbeginn wartete die westfälische Sparda-Bank mit einer Mittelung auf, die es in sich hatte. Sie hat Kahl fristlos gekündigt. Immerhin 17 Jahre lang stand der 57-Jährige bis dahin an der Spitze des Geldhauses. Dem vorausgegangen waren Untersuchungen innerhalb der Bank. Nach Erkenntnissen der internen Revision der Bank habe über einen längeren Zeitraum hinweg private Kosten, etwa für private Feiern und Reisen am verlängerten Wochenende, „als betriebliche Aufwendungen verschleiert“. Der Schaden bewege sich nach vorläufigen Schätzungen im unteren sechsstelligen Bereich.

Man kann nicht gerade behaupten, dass solche Fälle bei Genossenschaftsbanken häufiger vorkommen. Allerdings war erst im Sommer ein Skandal bei der Volksbank Halle ans Licht gekommen. Dem dort lange amtierte Vorstandschef Manfred Kübler wurden ebenfalls fristlos gekündigt.

Die Volksbank selbst nannte den „dringenden“ Verdacht, dass Kübler die Bank „veranlasst hat, erhebliche Aufwendungen für seine private Lebensführung zu übernehmen“. Zudem soll er von dem Geldhaus Kredite in Höhe von 1,3 Millionen Euro ohne ausreichende Sicherheiten erhalten haben. Auch in Halle nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf.

Dabei scheint die Affäre in Halle eine weitaus größere Dimension als die Vorwürfe in Münster zu haben. Dennoch geht es um mehr als eine Lokalposse. Beide Fälle werfen die Frage auf, wie gut Genossenschaftsbanken kontrolliert werden. Auch wenn die Sparda-Bank jetzt aktiv geworden ist – Kahl führte die Bank immerhin fast zwei Jahrzehnte lang.

Wie es bei dem Geldhaus weitergeht, wird die Vertreterversammlung, eine Art Hauptversammlung, am 13. November entscheiden. Dann ist eine außerordentliche Vertreterversammlung einberufen, der Aufsichtsrat will informieren. „Wir bedauern diesen Vorfall sehr“, sagt Aufsichtsratschef Hans-Georg Klecker. „Wir werden alles tun, um für eine schnelle und vollständige Aufklärung zu sorgen.“ Das Kontrollgremium und der Vorstand wollen die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen zudem „vollumfänglich unterstützen“.

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