„Sparda Movie Stars“
Azubi-Video wird für Sparda-Bank zum PR-Gau

Mit einem Youtube-Clip wollten weibliche Auszubildende der Sparda-Bank Südwest für den Beruf der Bankkauffrau werben. Doch das ging daneben. Das Netz spottet, das Video geht offline – das Image-Desaster scheint perfekt.
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DüsseldorfDas Youtube-Video eines Azubi-Projekts wird für die Sparda-Bank Südwest zur peinlichen PR-Panne. In dem Clip „Sparda Movie Stars“ wollen fünf weibliche Auszubildende der Genossenschaftsbank für den Beruf der Bankkauffrau und des Bankkaufmanns werben. Die fünf wollen ein anderes Bild der Banker zeigen, die in letzter Zeit arg in Verruf geraten sind. Doch der Schuss geht nach hinten los.

„Das Image des Bankers hat stark gelitten, doch der Spaß und die Besonderheit bleibt für uns unumstritten“, stammeln die Auszubildenden den Beweggrund herunter, warum sie das Lied aufgenommen haben. „Schau gut hin, in dem Anzug steckt noch viel mehr drin. Ich nimm dich an die Hand, ich zeig Dir – das Bankenwunderland.“

Dann geht es los: Eine gute (Banken)-Fee erfüllt Urlaubs- und Immobilienwünsche, ein Kind wird aufs Riesen-Sparschwein gesetzt, die Azubis tanzen mit dem „Bauspar-Fuchs“ von Schwäbisch Hall und tummeln sich zu guter Letzt auf einer Liegewiese. Dazu rappen sie unrhythmisch und tanzen ungelenk vor der Kamera.

Nur die Produktion wirkt professionell. Der Song wurde im Tonstudio aufgenommen und das Video in einer Filiale der Sparda-Bank Südwest in Saarbrücken gedreht. Unterstützt wurden die Auszubildenden von der Unternehmenskommunikation der Sparda-Bank Südwest, wie sie in einem Blog-Eintrag schildern.

„Wir spielten Psychologen, gute Fee, bauten Traumhäuser und erfüllten Wünsche“, heißt es dort. Doch erkannte niemand in der PR-Abteilung die Brisanz? Warum schützte niemand die Azubis vor dem peinlichen Auftritt? Die Abrufzahlen bei Youtube sind seit Donnerstag explodiert, am Freitag hatte das Video bereits mehr als 50.000 Aufrufe, bevor es am Nachmittag auf der Videoplattform entfernt wurde. Es ist jedoch weiterhin zu sehen, da der Clip von anderen Nutzern gesichert und erneut hochgeladen wurde.

Der Clip wurde massiv von den Nutzern kommentiert. Da die Kritik ausuferte und beleidigend wurde, wurde die Kommentarfunktion bereits vor dem Entfernen des Videos gesperrt. Auch im Blog-Eintrag der Azubis hagelt es Kritik. „Bankenwunderland wer hat sich denn den Quatsch ausgedacht“, fragt sich „Rainer“. „Leider tragt ihr das ganze derart naiv vor, dass ihr nicht nur euren, sondern auch den Ruf der Bank schädigt“, meint Nutzer Peter Falk. Das Video droht zum Image-Desaster zu werden.

Die Sparda-Bank hätte gewarnt sein müssen: Im Netz sind die meisten Werbevideos mit und für Mitarbeiter zum Scheitern verurteilt. Bekannt wurden vor allem der Rap für ein Praktikum bei BMW („Siehst du nicht den Sinn, mit 'nem Praktikum bei BMW kannst du nur gewinn'.“) und der Edeka-Praktikanten-Song „Geh' Deinen Weg“.

„Schau uns an, hör uns zu, wir sind genau wie Du – so wie Du, so wie Du, hey!“: Mit diesem Refrain wollten die fünf Auszubildenden den Video-Wettbewerb „Bankstage – Gib Deinem Job eine Bühne“ der Frankfurt School of Finance & Management gewinnen. Den Azubi-Award sollte das Video mit den meisten Aufrufen gewinnen. Mit mehr als 50.000 Zuschauern hatten die Sparda-Bank-Azubis den ersten Preis so gut wie sicher. Was jetzt daraus wird, ist allerdings unklar. Denn zeitgleich mit dem Video wurde zugleich der komplette Youtube-Kanal des Wettbewerbs aus dem Netz genommen.

Die Azubis zeigen sich in einem Kommentar unter ihrem Blog-Eintrag unterdessen selbstkritisch: „Die Kritik aus Fachkreisen ist angekommen, mit der Musik- und Tanz-Karriere wird's wohl nichts!“

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

Kommentare zu " „Sparda Movie Stars“: Azubi-Video wird für Sparda-Bank zum PR-Gau"

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  • Leider nicht ganz richtig recherchiert:
    Nicht das Video mit den meisten Klicks sollte gewinnen, sondern nur (zusammen mit 5 anderen Videos) in die Finalrunde kommen. Dort hat eine Jury entschieden und die Sparda Movie Stars mit dem dritten (nicht ersten) Platz belohnt. http://www.frankfurt-school.de/content/de/newsroom/news/newsfolder/2012/10/26102012_n4.html

  • Ohoh. Schon peinlich. Ja. Vor allem auch zum völlig falschen Zeitpunkt - so ein Rapchen auf dem Vulkan. Jede dort getroffene Aussage vergleicht der Betrachter des Spots mit dem Image, das Banken haben, und er gewinnt am Ende leicht den Eindruck, dass die Reibung die so entsteht, sich quasi bestätigend in der Form dieses Vortrages wiederfindet... Ungut. Dies alles lapidar mit dem Laientum der Sängerinnen zu entschuldigen wäre nicht richtig, denn das Laienhafte war ja wohl durchaus intendiert. Die Azubis haben den Spot auch vor dem Hintergrund ihrer Erfahrung gut gemacht, aber letztlich hätte man sich gegen die Veröffentlichung entscheiden müssen. Hier hat einfach jemand falsch entschieden. Na ja, morgen haben wir das alle wieder vergessen, hoff ich, oder?

  • @blackdust
    Eine symphatische Bank - was für eine herrliche Kontradiktion :)

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