Sparkasse Mönchengladbach
Als ich den Jahresabschluss einer Sparkasse lesen wollte

Sparkassen sind öffentlich-rechtliche Institute, ihre Träger sind meistens die Gemeinden. Trotzdem ist es oft gar nicht so einfach, einen Blick in ihre Bilanzen zu werfen. Ein Selbstversuch.

DüsseldorfEs könnte so einfach sein: Ein öffentlich-rechtliches Kreditinstitut erstellt seinen Jahresabschluss, lässt ihn vom Wirtschaftsprüfer absegnen und stellt ihn dann im Internet für Jedermann zum Download bereit. Schließlich sind die Träger der meisten Sparkassen Städte und Gemeinden, die breite Öffentlichkeit hat ein Interesse an ihrem finanziellen Wohlergehen. Doch in der Praxis ist es mit der Transparenz nicht ganz so weit bestellt. Sparkassen verstecken sich gerne hinter Paragrafen, um bloß nicht mehr an Informationen als nötig oder schneller als vorgeschrieben preiszugeben.

Deswegen stehe ich Anfang November in der Schalterhalle der Stadtsparkasse Mönchengladbach. Eine Angestellte mit grauem Kurzhaarschnitt in der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse Mönchengladbach lächelt freundlich, als ich an den Schalter trete. Ich frage Sie: „Könnte ich bitte den Jahresabschluss einsehen? Der soll hier ausliegen.“ Einen Moment stutzt sie, die Frage gibt es wohl nicht so häufig. Doch dann lächelt sie freundlich und fragt kurz: „Den für 2014?“ Ich bejahe und nach zwei Minuten ist sie wieder da mit 21 Seiten bedrucktem DIN-A4-Papier, mit einer Heftklammer zusammen getackert. Sie weist mir einen freien Beratungsplatz zu und meine Lektüre kann beginnen.

So sieht Transparenz bei mancher Sparkasse im Jahr 2015 aus – selbst Dispozinsen sind bei vielen Geldhäusern eine Art Staatsgeheimnis, das nur in der Geschäftsstelle verraten wird. Das Rechercheportal Correctiv hat gerade eine Plattform gestartet, um jedermann zwischen Flensburg und Zugspitze einzuspannen, um den 416 Sparkassen im Land auf den Zahn zu fühlen. Als einzelner Journalist, selbst als kleines Team, ist das nicht zu schaffen. Das Beispiel Mönchengladbach zeigt, warum das so ist.

Einmal im Jahr veröffentlicht das Handelsblatt die Gehaltslisten nordrhein-westfälischer Sparkassenchefs. Es ist das einzige Bundesland, in dem die Offenlegung der Chefeinkommen Pflicht ist. Die Vorstandschefs mögen die Vorschrift nicht, aber einzig eine Sparkasse wehrt sich bislang noch gegen die Anwendung. Andere Vorstände haben sich damit abgefunden, wieder andere zögern die Herausgabe der Zahlen solange hinaus wie irgendwie möglich. Die Recherche beim Handelsblatt beginnt stets mit dem Zusammentragen der Jahresabschlüsse, denn nur dort müssen die Gehälter genannt werden.

Als besonders hartnäckig erweist sich bei der Herausgabe ein Abteilungsdirektor der Stadtsparkasse Mönchengladbach, zuständig für das Vorstandssekretariat und die Unternehmenskommunikation. Im Bundesanzeiger, dem Organ für Pflichtveröffentlichungen von Unternehmen, war bis Ende Oktober der Jahresabschluss aus Mönchengladbach nicht veröffentlicht. Also schicke ich eine Anfrage mit der Bitte um Zusendung eines elektronischen Exemplars – wohlwissend, das die Veröffentlichung dort laut Handelsgesetzbuch erst bis zum 31. Dezember erfolgen muss. Die meisten Sparkassen reizen diesen Zeitraum aber nicht aus.

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Dem „Gleichbehandlungsgrundsatz zuwider“

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