Sparkassen beklagen Gratis-Mentalität: „In anderen Branchen undenkbar“

Sparkassen beklagen Gratis-Mentalität
„In anderen Branchen undenkbar“

Kostenlose Girokonten oder Begrüßungsprämien – Sparkassen in Hessen und Thüringen ist diese Gratis-Mentalität ein Dorn im Auge. Die Einnahmequellen von Banken würden mittlerweile ständig in Frage gestellt.
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FrankfurtDie Sparkassen in Hessen und Thüringen kritisieren eine wachsende „Umsonst-Mentalität“ für Bankdienstleistungen in Deutschland. Wegen kostenloser Girokonten und Begrüßungsprämien sei die Kreditwirtschaft daran zum Teil selbst schuld, sagte Gerhard Grandke, Präsident des Sparkassenverbands Hessen-Thüringen, am Dienstag in Frankfurt.

Immer öfter stellten aber auch Gerichte und Verbraucherschützer die Einnahmequellen von Banken infrage. „In anderen Branchen wäre das undenkbar. Bei Automechanikern wird selbstverständlich akzeptiert, dass sie für Inspektionen und Reparaturen eine Rechnung stellen. Von Bäckern verlangt niemand, dass sie ihre Margen beim Brötchenverkauf aufdecken“, kritisierte Grandke. Hinter Filialen, Geldautomaten und Webseiten stehe eine Infrastruktur, die Geld koste.

Grandke gehört zu den einflussreichsten Funktionären im Sparkassen-Sektor. Die Sparkassen in Hessen und Thüringen sind Mehrheitseigner der Helaba, die im Gegensatz zu anderen Landesbanken in der Finanzkrise nicht von ihren Eignern gerettet werden musste. Daher stehen sie relativ gut da - auch im anhaltenden Niedrigzinsumfeld, das für alle Banken eine Belastung ist.

2014 schafften die Sparkassen in Hessen und Thüringen dank Zuwächsen im Kreditgeschäft und bei den Kundeneinlagen ein Betriebsergebnis vor Bewertung von 1,1 Milliarden Euro - zum Vorjahr ein Minus von zwei Prozent. Der Zinsüberschuss blieb mit rund 2,5 Milliarden Euro in etwa stabil.

Dagegen zog der Provisionsüberschuss an, weil die Kunden mehr Wertpapiergeschäfte tätigten, um ihr Erspartes einigermaßen lukrativ anzulegen. „Insgesamt können wir mit der Ertragsentwicklung zufrieden sein“, erklärte Grandke. „Wir haben im operativen Geschäft ein Ergebnis erzielt, das fast auf Augenhöhe mit dem sehr guten Vorjahreswert liegt.“ Auch für 2015 fühle sich sein Verband gut aufgestellt. Eine konkrete Prognose wagte er aber nicht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Der zitierte Prsäsdent des Sparkassenverbandes sollte doch einmal in sich kehren und prüfen, welches Geschäftsmodell eigentlich eine Sparkasse hat bzw. haben sollte. Normale Dienstleistungen einer Bank und Sparkasse sollten nicht Bestandteil der Gebührenpolitik sein. Das Geschäftsmodell einer Bank bzw. Sparkasse steht auf längere Sicht zur Disposition, wenn Gebühren für den Geschäftsbetrieb im Vordergrund stehen und nicht die erfolgreiche Bewirtschaftung von Kundeneinlagen und Krediten. Die "Behördenmentalität" der "Bankbeamten" gehört in die Vergangenheit. Wo sind die Unternehmer, die den klassischen Bankberuf ausüben?

  • "Die Sparkassen in Hessen und Thüringen kritisieren eine wachsende „Umsonst-Mentalität“ für Bankdienstleistungen in Deutschland." Nachdem Draghi das Geschäftsmodell auf den Kopf stellte, stellt sich die Frage wie Banken denn künftig "laufen" sollen? Der eerste, der hier aufklären könnte, wäre doch Herr Draghi selbst und hier sollte er konkret angesprochen werden. Wie stellt er sich künftig das Bankgeschäft vor? Draghi hatte seinerzeit die Griechen beraten, als es um deren Einzug in den Euro ging. Haben die, die ihn beaufsichtigen sollen, das ganz vergessen? Und nun mit dem Euro die nächste Pleite? Oder geht es etwa nicht um den Euro, sondern um die Staatsfinanzierung der Euroländer?

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