Sparkassen-Bilanzen
Zu gut für Negativzinsen

Zwei der bedeutendsten Sparkassen haben am Dienstag ihre Jahreszahlen vorgelegt. Und trotz negativer Einlagenzinsen bei der EZB sind die Ergebnisse besser geworden. Für Kunden heißt das vor allem eins: kein Strafzins.
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Berlin/FrankfurtDie Mittelbrandenburgische Sparkasse hat auch 2014 einen der höchsten Gewinne aller deutschen Sparkassen erwirtschaftet. Das Ergebnis vor Bewertungseffekten stieg um fast fünf Prozent auf 180 Million Euro, wie Ostdeutschlands zweitgrößte Sparkasse am Dienstag mitteilte.

Mit 1,68 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme sei die entscheidende Kennziffer für das operative Geschäft zwar zum Vorjahr etwas gesunken, sagte MBS-Chef Andreas Schulz. Er betonte aber: „Unter den Großsparkassen sind wir hier an erster Stelle.“ Für 2015 peilt die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) an, den Gewinn trotz der niedrigen Zinsen zu halten. „Dann wäre ich halbwegs zufrieden“, sagte Schulz.

Deutschlands größte Flächensparkasse verfügt wie andere Institute aus dem Osten über fast doppelt so hohe Einlagen wie Kreditbestände. Allerdings konnten die Brandenburger die zusätzlichen Kundengelder 2014 ins Kreditgeschäft stecken und mussten sie nicht in meist schlechter verzinste Eigenanlagen investieren.

Der Sparkassenverband Hessen-Thüringen spricht sich derweil vehement gegen Strafzinsen für Kunden als eine mögliche Antwort auf die anhaltende Minizinsphase aus. „Wir Sparkassen sollten von negativen Einlagenzinsen tunlichst die Finger lassen“, mahnte der geschäftsführende Präsident des Verbandes, Gerhard Grandke, am Dienstag in Frankfurt. Ein solcher Schritt wäre auch für die Geschäftsgrundlage der Sparkassen gefährlich.

Hauptaufgabe bleibe eine sichere Anlage für die Menschen „in unserem Geschäftsgebiet“.

Im vergangenen Jahr legten die 50 Sparkassen in Hessen und Thüringen bei Einlagen und Krediten zu. Die Ausleihungen an Kunden stiegen binnen Jahresfrist um gut eine Milliarde Euro auf rund 62,5 Milliarden Euro. Mit einem Betriebsergebnis vor Bewertung von rund 1,15 Milliarden Euro wurde operativ fast das Vorjahresniveau erreicht. Die Niedrigzinsphase macht den Instituten aber zu schaffen.

Grandke warnte zudem: „Wenn es für Kunden günstiger wird, Bargeld zu Hause zu horten als es zur Sparkasse zu bringen, verlieren wir unsere Basis.“ Kerngeschäft der Institute ist die Annahme von Einlagen und die Ausgabe von Krediten. Sparkassen verdienten lange gut daran, für Kredite mehr Geld zu kassieren als sie an Zinsen bei Sparprodukten zahlten.

Doch die Differenz aus den beiden Positionen, der sogenannte Zinsüberschuss, wird tendenziell kleiner, weil die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf nahezu Null gesenkt hat.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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