Sparkassen droht Spaltung

„Die Zeichen stehen auf Sturm“

Es droht ein historischer Bruch: Die 70 westfälischen Sparkassen könnten den gemeinsamen Haftungsverbund von Sparkassen und Landesbanken verlassen. Knackpunkt ist die Rettung maroder Landesbanken.
Kommentieren
Seit mehr als 40 Jahren sind Sparkassen und Landesbanken in einem Haftungsverbund organisiert. Damit könnte nun Schluss sein. Quelle: dpa
Logo der Sparkasse

Seit mehr als 40 Jahren sind Sparkassen und Landesbanken in einem Haftungsverbund organisiert. Damit könnte nun Schluss sein.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Sparkassen-Finanzgruppe droht wegen des Streits über den Umbau ihres Einlagensicherungssystems auseinanderzubrechen. Die 70 westfälischen Sparkassen könnten den gemeinsamen Haftungsverbund von Sparkassen und Landesbanken nach vier Jahrzehnten verlassen, falls es für sie keine Ausnahmereglung bei Bankenrettungen gibt. Da die meisten anderen Institute dazu nicht bereit sind, müssten die Westfalen den DSGV-Haftungsverbund verlassen und zum Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) wechseln. „Die Zeichen stehen auf Sturm“, sagte ein Sparkassen-Insider.

Die Mitgliederversammlung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) kommt am Donnerstagnachmittag in Frankfurt zusammen. Sie hatte bereits vor einem Monat eine Grundsatzeinigung erzielt, muss nun auf Druck der Finanzaufsicht BaFin aber noch mal nachbessern. Bei der Entscheidung über Landesbanken-Rettungen soll im DSGV wie bisher eine Mehrheit von 75 Prozent nötig sein – und nicht wie von den Westfalen gefordert Einstimmigkeit. Die meisten Sparkassen-Funktionäre rechnen damit, dass die Änderung bis auf eine Gegenstimme aus Westfalen angenommen wird.

Welche Sparkassen-Chefs am meisten verdienen
Volker Goldmann_Bochum
1 von 11

Über ein Gehaltsplus von knapp über drei Prozent konnte sich Volker Goldmann im Jahr 2012 freuen. Der Chef der Sparkasse Bochum verdiente 504.000 Euro, konnte damit aber einen Platz in den Top 10 nicht verteidigen. Er rutschte knapp aus der Spitzengruppe der am besten verdienenden Sparkassen-Chefs in Nordrhein-Westfalen (Vorjahr: Rang neun).

Samulewicz
2 von 11

Ein Gehaltsplus von 9,4 Prozent hilft dem Dortmunder Sparkassen-Vorstandschef Uwe Samulewicz (rechts) in die Spitzengruppe. Mit einem Verdienst von 524.000 Euro belegt er Rang zehn. Die Bilanzsumme des Instituts: 7,6 Milliarden Euro.

Peter Vaupel_Wuppertal
3 von 11

Die Sparkasse Wuppertal gehört zu den Verweigerern der Bekanntgabe der Details der Vorstandsvergütung. Anhand von Bilanzsumme (13,68 Milliarden Euro) und Mitarbeiterzahl (1396) lässt sich aber die Vergütung von Vorstandschef Peter Vaupel (Mitte) schätzen: Er verdiente 2012 demnach insgesamt 540.000 Euro. Wie im Vorjahr rangiert er damit auf Rang acht der best verdienenden Sparkassen-Vorstände in Nordrhein-Westfalen.

Tomalak
4 von 11

Erstmals hat die Sparkasse Dusiburg für das vergangenen Jahr ihre Vorstandsgehälter veröffentlicht. Vorstandschef Hans-Werner Tomalak (2. von links) verdiente 2012 insgesamt 545.000 Euro und landet damit auf Rang neun.

Manfred Herpolsheimer_Leverkusen
5 von 11

Bei der Sparkasse Leverkusen verzeichnete Vorstandschef Manfred Herpolsheimer ein Gehaltsplus von 5,36 Prozent auf 550.000 Euro – und das bei einer Bilanzsumme seiner Bank von gerade einmal 3,04 Milliarden Euro und lediglich etwa 600 Mitarbeitern.

Hans Martz_Essen
6 von 11

Satte 566.600 Euro verdiente Hans Martz im Jahr 2012 als Vorstandschef der Sparkasse Essen. Das entspricht einem Zuwachs von 4,38 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit etwas mehr als der Durchschnitt. Die Bilanzsumme betrug 7,95 Milliarden Euro. Etwa 1600 Mitarbeiter arbeiteten für die Bank.

Hubert Herpers_Aachen
7 von 11

Der Vorstandschef der Sparkasse Aachen landet auf Rang fünf der Übersicht. Hubert Herpers (links) verdiente im Jahr 2012 insgesamt 577.000 Euro. Im Jahr zuvor hatte die Sparkasse noch auf die Bekanntgabe verzichtet. Bei der Bilanzsumme verzeichnete das Institut im vergangenen Jahr einen leichten Rückgang auf 9,45 Milliarden Euro.

Der westfälische Sparkassen-Präsident Rolf Gerlach argumentiert, seine Sparkassen hätten bereits bei der Abwicklung der WestLB tief in die Tasche gegriffen – und müssten deshalb bei künftigen Rettungen geschont werden. Seine Sparkassen wollen bei Landesbanken-Rettungen Insidern zufolge deshalb künftig maximal 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Falls mehr Geld notwendig sei, müsse die Verbandsversammlung in Münster dafür mit einer Dreiviertel-Mehrheit grünes Licht geben. Einen entsprechenden Beschluss hat die Verbandsversammlung des westfälischen Sparkassen-Verbandes getroffen.

Wenn die Westfalen dabei bleiben, führt Sparkassen-Kreisen zufolge kaum eine Weg an ihrem Ausscheiden aus dem Haftungsverbund vorbei. „Der Beschluss der Westfalen ist mit der Rahmensatzung, die auf der DSGV-Mitgliederversammlung beschlossen werden soll, nicht vereinbar“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Der DSGV und der westfälische Sparkassenverband wollten sich dazu nicht äußern.

Falls die westfälischen Sparkassen nicht im neuen DSGV-Haftungsverbund vertreten sind, werden sie von der Aufsicht aller Voraussicht nach der Einlagensicherung des VÖB zugewiesen. Beim VÖB wäre man darüber Insidern zufolge nicht erfreut, schließlich würde es die Struktur der VÖB-Einlagensicherung komplett auf den Kopf stellen. Dort sind bisher lediglich 19 Institute vertreten, darunter diverse Förderbanken, die KfW -Tochter Ipex und die BayernLB-Tochter DKB. „Der Verwaltungsaufwand würde deutlich steigen, wenn da 70 einlagenstarke Sparkassen dazukommen“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person Reuters.

Alle Banken müssen ihre Einlagensicherungssysteme umbauen, um bis Juli neue EU-Richtlinien zu erfüllen. Sparkassen und Landesbanken ringen schon lange um eine Lösung. Sie müssen bis 2024 rund drei Milliarden Euro in ihren Haftungstopf nachschießen, davon gut zwei Milliarden in bar.

  • rtr
Startseite

0 Kommentare zu "Sparkassen droht Spaltung: „Die Zeichen stehen auf Sturm“"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%