Sparkassen-Haftungsverbund

Showdown in Bielefld

Die westfälischen Sparkassen beraten über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Haftungsverbundes. Auch der Präsident des deutschen Sparkassenverbandes ist dabei. Es gibt noch Hoffnung, dass die Westfalen einlenken.
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Ein Sparkassen-Schriftzug auf einem Spiegel in einem Fahrstuhl: Angesichts der Belastungen durch die Rettung der WestLB wollen die westfälischen Sparkassen bei künftigen Landesbank-Rettungen ihren Anteil begrenzen. Quelle: dpa
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Ein Sparkassen-Schriftzug auf einem Spiegel in einem Fahrstuhl: Angesichts der Belastungen durch die Rettung der WestLB wollen die westfälischen Sparkassen bei künftigen Landesbank-Rettungen ihren Anteil begrenzen.

(Foto: dpa)

Frankfurt/DüsseldorfZu dem Treffen am heutigen Mittwoch in Bielefeld ist Insidern zufolge auch Georg Fahrenschon angereist, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Er möchte verhindern, dass die Westfalen nach vier Jahrzehnten aus dem gemeinsamen Haftungsverbund von Sparkassen und Landesbanken ausscheren. Die Ratingagentur Fitch hat mit schlechteren Bonitätsnoten für alle Beteiligten gedroht, falls die Sparkassen-Finanzgruppe tatsächlich auseinanderbricht.

Entbrannt ist der Streit wegen des Umbaus des milliardenschweren Einlagensicherungssystems, das an neue EU-Richtlinien angepasst werden muss. Die westfälischen Sparkassen fordern dabei für sich eine Sonderreglung, da sie bereits für die Abwicklung der WestLB tief in die Tasche greifen mussten. Bei Landesbanken-Rettungen wollen sie künftig maximal 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Falls mehr Geld notwendig sein sollte, müsste die Verbandsversammlung in Bielefeld dafür mit einer Dreiviertel-Mehrheit grünes Licht geben.

Ein entsprechender Beschluss ist jedoch nicht mit der Rahmensatzung vereinbar, die die DSGV-Mitgliederversammlung im Mai beschlossen hat. Sollten die 70 westfälischen Sparkassen diese Klausel am Mittwoch nicht anpassen, müssen sie Insidern zufolge aus dem Verbund ausscheiden und in die Einlagensicherung des Bundesverbands Öffentlicher Banken (VÖB) wechseln.  Das wäre ein Novum in der Sparkassengeschichte – mit bislang unabsehbaren Folgen.

Bisher sei völlig offen, ob die Westfalen in letzter Minute noch einlenkten, sagte eine mit den Diskussionen vertraute Person kurz vor Sitzungsbeginn der Nachrichtenagentur Reuters. Bei einem Wechsel in die VÖB-Einlagensicherung müssten die westfälischen Sparkassen nach Einschätzung von Experten höhere Beiträge bezahlen als unter dem Dach des DSGV. Die westfälischen Sparkassen und der DSGV wollten sich zu dem Thema nicht äußern.

Welche Sparkassen-Chefs am meisten verdienen
Volker Goldmann_Bochum
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Über ein Gehaltsplus von knapp über drei Prozent konnte sich Volker Goldmann im Jahr 2012 freuen. Der Chef der Sparkasse Bochum verdiente 504.000 Euro, konnte damit aber einen Platz in den Top 10 nicht verteidigen. Er rutschte knapp aus der Spitzengruppe der am besten verdienenden Sparkassen-Chefs in Nordrhein-Westfalen (Vorjahr: Rang neun).

Samulewicz
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Ein Gehaltsplus von 9,4 Prozent hilft dem Dortmunder Sparkassen-Vorstandschef Uwe Samulewicz (rechts) in die Spitzengruppe. Mit einem Verdienst von 524.000 Euro belegt er Rang zehn. Die Bilanzsumme des Instituts: 7,6 Milliarden Euro.

Peter Vaupel_Wuppertal
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Die Sparkasse Wuppertal gehört zu den Verweigerern der Bekanntgabe der Details der Vorstandsvergütung. Anhand von Bilanzsumme (13,68 Milliarden Euro) und Mitarbeiterzahl (1396) lässt sich aber die Vergütung von Vorstandschef Peter Vaupel (Mitte) schätzen: Er verdiente 2012 demnach insgesamt 540.000 Euro. Wie im Vorjahr rangiert er damit auf Rang acht der best verdienenden Sparkassen-Vorstände in Nordrhein-Westfalen.

Tomalak
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Erstmals hat die Sparkasse Dusiburg für das vergangenen Jahr ihre Vorstandsgehälter veröffentlicht. Vorstandschef Hans-Werner Tomalak (2. von links) verdiente 2012 insgesamt 545.000 Euro und landet damit auf Rang neun.

Manfred Herpolsheimer_Leverkusen
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Bei der Sparkasse Leverkusen verzeichnete Vorstandschef Manfred Herpolsheimer ein Gehaltsplus von 5,36 Prozent auf 550.000 Euro – und das bei einer Bilanzsumme seiner Bank von gerade einmal 3,04 Milliarden Euro und lediglich etwa 600 Mitarbeitern.

Hans Martz_Essen
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Satte 566.600 Euro verdiente Hans Martz im Jahr 2012 als Vorstandschef der Sparkasse Essen. Das entspricht einem Zuwachs von 4,38 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit etwas mehr als der Durchschnitt. Die Bilanzsumme betrug 7,95 Milliarden Euro. Etwa 1600 Mitarbeiter arbeiteten für die Bank.

Hubert Herpers_Aachen
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Der Vorstandschef der Sparkasse Aachen landet auf Rang fünf der Übersicht. Hubert Herpers (links) verdiente im Jahr 2012 insgesamt 577.000 Euro. Im Jahr zuvor hatte die Sparkasse noch auf die Bekanntgabe verzichtet. Bei der Bilanzsumme verzeichnete das Institut im vergangenen Jahr einen leichten Rückgang auf 9,45 Milliarden Euro.

Die Haltung der westfälischen Sparkassen düpiert auch die Politik. Die Bundesregierung hat zusammen mit dem EU-Parlament in Brüssel durchgesetzt, dass das bestehende Einlagensicherungssystem in Deutschland im Kern erhalten bleibt und jetzt nur angepasst werden muss. Da kommt das absehbare Ausscheren eines Verbands nicht gut an.

Anm. d. Red.: Das Treffen fand in Bielefeld statt, nicht in Münster wie in einer ersten Version dieses Textes geschrieben. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

  • rtr
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