Sparkassen-Präsident Fahrenschon
„Wir wollen nicht für die Großbanken zahlen“

Die Niedrigzinsen belasten die Bilanz der Sparkassen, zusätzlich sollen sie sich am EU-Bankensicherungsfonds beteiligen. Sparkassen-Präsident Fahrenschon übt deswegen scharfe Kritik an den Großbanken und der Politik.
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Frankfurt/DüsseldorfVor gerade mal zwei Jahren war Georg Fahrenschon selbst noch in der Politik. Heute geht er mit seinen früheren Kollegen hart ins Gericht: „Wir fühlen uns nicht angemessen behandelt“, sagte der ehemalige bayerische Finanzminister und heutige Präsident des Sparkassenverbandes am Donnerstag bei der Präsentation der Jahreszahlen der Sparkassen in Frankfurt. Denn die Vorgaben der EU machen den soliden Sparkassen derzeit das Leben schwer – gleich in doppelter Hinsicht.

Zunächst einmal stört sich der Sparkassen-Präsident an den neuen Regulierungsinstrumenten aus Brüssel. Mit einem gemeinsamen Fonds sollen sich die Banken in Europa für die nächste Krise wappnen. Muss ein Kreditinstitut abgewickelt werden, springt künftig der Fonds ein. Auch die Sparkassen würden dann an der Finanzierung beteiligt, obwohl sie die Leistungen des Fonds gar nicht in Anspruch nehmen werden, betont Fahrenschon.

„Wir wollen nicht für die Versäumnisse und schon gar nicht für die Lasten weltweit agierender Großbanken herangezogen werden“, polterte Fahrenschon. Durch die gegenseitige Haftung der 415 Sparkassen und ihr krisensicheres Geschäft sei man gut für Notlagen gewappnet. Am liebsten wäre es Fahrenschon, wenn sich die Sparkassen gar nicht beteiligen müssten. Wenn man sie gegen alle Logik dennoch in die Pflicht nehme, dann sei es das Mindeste, dass bei der Beitragslast für den Abwicklungsfonds Größe, Vernetztheit und Systemrelevanz eines Institutes bestimmend seien. Damit träfe es die Sparkassen nicht ganz so hart.

Hintergrund: Die EU-Verhandlungspartner aus Parlament, Mitgliedsländern und Kommission hatten sich in der Nacht auf Donnerstag darauf verständigt, dass der Abwicklungsfonds in acht statt wie ursprünglich geplant in zehn Jahren aufgebaut werden soll. Die 55 Milliarden Euro Fondskapital müssten die Banken damit schneller einzahlen.

„Das ist ja offensichtlich getrieben von dem Wunsch, schneller an das gemeinsame Geld zu kommen. Da muss man einfach sagen: Vorsicht an der Bahnsteigkante“, so Fahrenschon. Man sei außerdem nicht damit einverstanden, dass die üppig gefüllten Töpfe der Sparkassen zur Sicherung von Kundengeldern für eine europäische Einlagensicherung vereinnahmt würden.

Die Sparkassen stehen vor einem weiteren Problem: Einerseits sollen sie ihre Finanzbasis stärken, andererseits verhagelt die Niedrigzinspolitik der EZB die Geschäfte. Dementsprechend sank der Zinsüberschuss, der bei den Sparkassen immer noch einen Großteil des Geschäfts ausmacht, um 146 Millionen auf 23 Milliarden Euro und ergab damit weniger, als die Institute prognostiziert hatten. „Größere Einbrüche bei den Zinsüberschüssen konnten durch gute Managementleistungen verhindert und teilweise durch mehr Provisionseinnahmen ausgeglichen werden“, sagte Fahrenschon. Man solle sich aber klar machen, dass Kreditdienstleistungen nicht kostenlos zu haben seien.

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  • Eigentlich unglaublich, gerade die S-Finanzgruppe hat doch bewiesen, dass ihr Sicherungssystem nicht ausreichend ist, sonst hätten wir Steuerzahler nicht mit Milliardenbeträgen zur Rettung der (zur S-Finanzgruppe gehörenden) Landesbanken einspringen
    müssen!
    Um's mit Frau Nah les zu sagen, ich mach' mir die Welt, wie sie mir gefällt ...

  • Was ist denn das für eine alberne Sicherung? Alle 415 Sparkassen sichern sich gegenseitig, aha, bei einem Sparkassenrun hilft eine Pleitekasse der anderen Pleitekasse? Womit denn? So ein Unfug, Sparkassen sind Musterbeispiel für Unsicherheit, zumal die Geschäfte ähnlich strukturiert sind. Probleme also bei allen zeitgleich auftauchen. Teuer, unflexibel und erpresserisch ("Sie wollen einen Dispo? Hier ist der Bausparvetrag...")

  • Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen! Der Wertberichtigungsbedarf im Landesbankensektor zeigte deutlich die Fehlsteuerung der Geschäftspolitik und die Auswirkungen von „politischen“ Fehlbesetzungen im Vorstand und AR. Insbesondere Herr Fahrenschon als ehemaliger AR der Bayern LB sollte sich nach dem Desaster mit der HGAA dezent zurückhalten und darüber nachdenken was Verantwortung heißt und ob er mit dieser Historie die Sparkassenorganisation glaubhaft vertreten kann.

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