Sparkassen-Präsident Haasis: „Das Geld fällt nicht vom Himmel“

Sparkassen-Präsident Haasis
„Das Geld fällt nicht vom Himmel“

Politiker und Aufseher schießen sich mit scharfen Regeln auf die Banken ein. Nun wehrt sich Sparkassenpräsident Heinrich Haasis: Die Sparkassen trügen keine Verantwortung für die Finanzkrise. Deshalb dürften sie auch nicht strenger reguliert werden. Zum Auftakt der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“ spricht er im Interview Klartext.
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Handelsblatt: Herr Haasis, wie fühlen Sie sich?

Heinrich Haasis: Gut, es gab in den drei Jahren seit dem Ausbruch der Finanzkrise schon weitaus schwierigere Zeiten. Aber warum fragen Sie?

Es drängt sich der Eindruck auf, dass kleine Banken wie die Sparkassen von der Verschärfung der Aufsicht am stärksten betroffen sind, obwohl sie keine Schuld an der Krise hatten.

Dass die Anforderungen an alle Finanzinstitute etwa bei Eigenkapital und Liquidität hochgeschraubt werden, ist grundsätzlich nicht falsch. Leider sind Aufsichten und Politik aber dabei, neue Regeln über die gesamte Kreditwirtschaft hinweg einzuführen, ohne die Unterschiede zu berücksichtigen. Ohne zu fragen, welche Geschäfte die Krise ausgelöst haben. Das wird das Bankgeschäft insgesamt erschweren, ohne dass die Finanzwelt sicherer wird.

…was heißt das?

Die Krise hat doch klar gezeigt, dass Kreditgeschäfte vor Ort, mit Menschen und Unternehmen, die man kennt, kein Stabilitätsrisiko darstellen. Dort sind die Risiken gut gestreut und beherrschbar. Deshalb waren die regional ausgerichteten Kreditinstitute wie die Sparkassen Stabilitätsanker für das Finanzsystem und damit auch für Staat und Steuerzahler. Dann ist es doch aber eine ganz falsche Vorstellung, solchen Instituten künftig durch neue Regelungen die Arbeit zu erschweren.

Was tun? Künftig alle Banken filettieren und auf die Größe von Sparkassen bringen. Das ist doch unrealistisch.

Natürlich brauchen wir auch große, international tätige Kreditinstitute. Sie müssen aber in ihrer Größe und ihrer Risikoneigung so eingeschränkt werden, dass sie eine möglichst geringe Gefahr für die Stabilität der Volkswirtschaft darstellen. Dort ist es gerechtfertigt, mehr Eigenkapital zu fordern. Nur das kann die Gefahr vermindern, dass im Falle einer Krise wiederum der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird. Ein besonderes Problem stellen in diesem Zusammenhang solche Banken dar, deren Bilanzsumme in der Größenordnung der Volkswirtschaft ihres Heimatlandes liegt. Weil ihr Scheitern unabsehbare Folgewirkungen auslösen würde, können sie Staaten faktisch erpressen. Das muss durch Beschränkungen vermieden werden.

Lassen Sie uns konkret werden. Was heißt das beispielsweise für die Landesbanken?

Sie müssen – zusammen betrachtet – kleiner und stabiler werden. Deshalb dampfen Landesbanken ihre Bilanzen bereits ein. Zum Teil aus freien Stücken, zum Teil durch Auflagen der Europäischen Kommission. Weil das ein ganz schwieriger Prozess ist, werden teilweise Abwicklungsbanken genutzt, in denen nichtstrategische Geschäftsbereiche und problembehaftete Wertpapiere gebündelt und Schritt für Schritt verkauft werden. Nach meiner Kenntnis gehören die Landesbanken zu den ganz wenigen Instituten weltweit, die sich einer solchen Aufgabe stellen. Andere hätten es auch nötig.

Liegt das Problem nicht darin, dass wir in Deutschland nur noch staatliche Institute mit Ausnahme der Deutschen Bank haben?

Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Während die Sparkassen gerade keine Staatsbeteiligung haben, erhalten die großen systemrelevanten Banken jetzt über die Bankenabgabe faktisch eine Art Staatshaftung.

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Kommentare zu " Sparkassen-Präsident Haasis: „Das Geld fällt nicht vom Himmel“"

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  • Haasis hat insofern nicht unrecht, wenn er differenzierte Eigenkapitalquoten fordert.

    Wenn die Eigenkapitalquoten an die bilanzsummen und damit indirekt an Systemrelevanz der banken gekoppelt wird, wird auch die fortschreitende bankenkonzentration gebremst, weil grösser nicht mehr gleichbedeutend mit profitabler ist.

    Darüberhinaus wäre natürlich sinnvoll, dass rikantere Geschäfte mit mehr Eigenkapital hinterlegt werden müssen. Eigentlich liegt das auf der flachen Hand, gerade deshalb wird es wahrscheinlich nicht umgesetzt.

  • Ungünstiger Zeitpunkt des interviews: Wenn banken die Streßtests "türken", heißt dies: Unnachgiebig die Verantwortlichen der banken kriminalisieren und aburteilen. So lautet die Lösung der Finanzkrise!
    Herr Haasis sollte sich nicht zum Sprachrohr aller bankverantwortlichen machen, sonst wird es wie im Märchen: Da wurde aus Pinocchio ein Wesen mit menschlichem Kopf und Gedanken. Herr Haasis geht mit dem Märchen den umgekehrten Weg:
    Da hätte Pinocchio noch einen Holzkopf gehabt!

  • Na ja gehen wir alle baden und fahren ins Schloß an den Wörther See um Urlaub zu machen!

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