Sparkassen Sparkassen: Wenn’s um Geld geht

Lange durfte sich Hans-Georg Vogt als Gewinner der Krise fühlen. Die Welt wankte, die Menschen brachten ihr Geld zu seiner Bielefelder Sparkasse, dort wähnten sie es sicher. Inzwischen kommen die Landesbanken die Sparkassen teuer zu stehen. Sie kämpfen um die Grundlage ihres Geschäfts - doch ihre Gegner sitzen ausgerechnet in Berlin.
Sparkasse-Logo: Die Institute kämpfen um ihr Geschäftsmodell. Quelle: dpa

Sparkasse-Logo: Die Institute kämpfen um ihr Geschäftsmodell.

(Foto: dpa)

BIELEFELD/BERLIN. Hans-Georg Vogt genügt ein Blick aus seinem Bürofenster im sechsten Stock, um sein Geschäftsgebiet komplett zu überblicken. Ein paar Autohäuser, ein Textildiscounter, ein SB-Markt und natürlich die Wohnblöcke, die da wie aus einem Würfelbecher gepurzelt herumliegen: Mittelstand und Privatleute. Das sind sie, die Kunden seiner Sparkasse Bielefeld. Immer gewesen, seit 1825. Eine Immobilie, sagt Vogt, finanziere sein Haus nur, wenn man vom beliehenen Grundstück aus noch die Chefetage der Sparkasse sehen könne. Seinem Lächeln nach zu urteilen ist er zufrieden, mit dieser Tatsache und sich selbst. Noch einen Moment lässt Vogt seinen Blick über die schöne, heile Sparkassenwelt dort draußen gleiten. Dann nimmt er wieder Platz am Schreibtisch aus Naturholz. Es gibt viel zu tun. Die heile Welt ist in Gefahr. Schuld daran, für Sparkassenchef Vogt ist das klar, sind die Landesbanken.

Doch so einfach liegen die Dinge nicht.

Vogt und die Sparkassen befinden sich in einem Gefecht um ihr Geschäftsmodell. Zu den Gegnern zählen die Kanzlerin und der Bundesfinanzminister. Es geht um die Frage, wer dafür geradestehen soll, wenn die vielen toxischen Papiere, die Landesbanken an den Rand der Pleite geführt haben, nur mit Verlust oder gar nicht losgeschlagen werden können. Wenn sich in den Bilanzen immer neue, immer noch gigantischere Löcher auftun. Zahlt der Bund? Oder der Eigentümer der Landesbanken: die Sparkassen?

Noch nie ist eine Sparkasse pleitegegangen

Von der Antwort kann die Existenz der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe abhängen. Sollten einige größere Sparkassen Probleme bekommen, weil sie für die toxischen Papiere der Landesbanken zahlen müssen, steht die Einrichtung Sparkasse auf dem Spiel. Denn es ist ihr Grundprinzip, dass jede einzelne Sparkasse im Ernstfall für andere einsteht, um Einlagen ihrer Kunden abzusichern. Es gibt dafür einen Haftungsverbund aus elf regionalen Sparkassenstützungsfonds. Noch nie ist eine Sparkasse pleitegegangen. Doch wenn viele Sparkassen zugleich gestützt werden müssten, könnte das erstmals passieren. Dann müsste wohl der Staat einspringen, der im Herbst 2008 eine Garantie für alle Einlagen abgab.

Es ist noch kein Jahr her, da wähnte sich Vogt, da wähnten sich Deutschlands Sparkassen als die großen Gewinner der Finanzkrise. Lange wurden sie von den Privat- und Investmentbankern als Spießer belächelt, plötzlich war ihr stockkonservatives Modell en vogue. Lehman ging pleite, bei der Commerzbank stieg der Staat ein, und bei Sparkassenchefs wie Hans-Georg Vogt standen die Kunden Schlange, um ihr Geld einzuzahlen. Wo, wenn nicht bei der Sparkasse, war es denn noch sicher?

Es hätte also ein wunderbares Fest werden können, wenn sich die Sparkasse am Dienstag in Berlin selbst feiert, sich und ihr 200-jähriges Bestehen. Die Kulisse stimmt. Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt ist eine gute Adresse, und als Festredner ist Bundespräsident Horst Köhler vorgesehen.

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