Sparkassen und Volksbanken: Es droht das große Bankensterben

Sparkassen und Volksbanken
Es droht das große Bankensterben

Topmanager rechnen mit mehr Fusionen bei Sparkassen und Volksbanken. Der Grund: Die Margen im Kreditgeschäft sinken, den regionalen Kreditmanagern drohen bald verlustreiche Jahre. Eine Studie zeigt die Probleme auf.
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FrankfurtTopmanager rechnen mit einem Bankensterben in Deutschland. Sie gehen davon aus, dass die Zahl der Institute bis zum Jahr 2025 um 20 Prozent schrumpft. Für die Sparkassen würde das bedeuten, dass dann noch knapp 320 Sparkassen aktiv sind – statt derzeit 396. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Frankfurter Beratungsfirma Investors Marketing.

Übertragen auf den Sektor der Volks- und Raiffeisenbanken würde die Prognose heißen, dass es in acht Jahren noch 780 Banken gäbe. Die Zahl der Genossenschaftsbanken war 2016 erstmals unter 1000 gerutscht, auf zuletzt 972. Für dieses Jahr geht der Bundesverband BVR von 60 bis 80 Fusionen aus. Auch bei Sparkassen nahm das Fusionstempo zuletzt zu.

Befragt hat Investors Marketing 106 Topmanager vor allem aus Sparkassen, genossenschaftlichen und privaten Banken, die Hälfte davon ist Mitglied im Vorstand oder der Geschäftsführung. Die Berater selbst meinen, dass die Zahl der Banken bis 2025 sogar um 26 Prozent sinkt – also auf rund 300 Sparkassen und etwa 700 Genossenschaftsbanken. Die Beratungsgesellschaft Moonroc erwartet, dass sie mittelfristig auf 800 Häuser fällt, langfristig sieht Moonroc ein Potenzial für nur 250 Institute.

Auch der Bankenprofessor Hans-Peter Burghof rechnet mit mehr Fusionen und damit, „dass möglicherweise zehn Prozent der Volks- und Raiffeisenbanken binnen etwa eines Jahres verschwinden werden“. Seiner Einschätzung nach werden die Banken durch die Fusionen aber nicht effizienter im operativen Geschäft. „Es geht vor allem darum, dass größere Häuser besser mit den Regulierungskosten zurechtkommen.“

Dass Manager und Berater mehr Zusammenschlüsse erwarten, ist kein Wunder. Fast die Hälfte von ihnen hält es für notwendig, das Geschäftsmodell grundsätzlich zu überdenken. Nur rund ein Drittel sieht das eigene Haus im Privatkundengeschäft als „bestens aufgestellt“. Vor zwei Jahren lag der Anteil von bei 40 Prozent. Vor allem die Sparkassenmanager sehen Probleme. Von ihnen sehen sich nur 24 Prozent wirklich gut gewappnet.
Gut 60 Prozent der Befragten rechnen mit sinkenden oder stagnierenden Erträgen im Geschäft mit Privatkunden bis zum Jahr 2025.

Das liegt vor allem daran, dass die Geldhäuser im klassischen Geschäft mit Einlagen und Krediten angesichts der Minizinsen immer weniger verdienen. Vor allem Volksbanken und Sparkassen leiden unter der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Der Großteil der Gesamterträge regionaler Banken - rund 80 Prozent - stammt aus dem Geschäft mit Krediten und Einlagen. Doch die Marge im Kreditgeschäft schrumpft, zum anderen ist es für die Regionalbanken schwer, mit ihren eigenen Anlagen noch etwas zu verdienen. Wer sicher investieren will, bekommt dafür fast keine Rendite - zumal die EZB Anleihen im großen Stil aufkauft. „Im Jahr 2017 werden die Ergebnisse der Banken noch ganz gut aussehen, 2018 dann schon schlechter, und ab 2019 werden erste Regionalbanken keine schwarzen Zahlen mehr schreiben, wenn Sie keine Gegenmaßnahmen ergreifen“, meint Oliver Mihm, Chef von Investors Marketing.

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Prognose: Zinsen bleiben noch mehrere Jahre niedrig

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  • Wenn Foristen hier ihre großen Halbwahrheiten verbreiten wollen, dann sollten Sie das zumindest mit den richtigen Grundlagen tun; sonst kommt vielleicht jemand drauf, dass es mit dem Youtube-Wissen doch nicht so weit her ist.

    Mindestreserve muss für Sparguthaben hinterlegt werden und Kredite muss eine Bank mit Eigenkapital unterlegen. Ohne freies Eigenkapital ist die Kreditschöpfung bei der Bank schnell zu Ende. D.h. am Ende komme ich nicht drum rum, reale Werte zu schaffen/hinterlegen.

  • Herr Heinz Keizer - 22.05.2017, 18:31 Uhr

    Eine Bank muss nicht zweimal die gleichen 10.000 € als Kredit geben. Wenn der nächste Kreditnehmer kommt, schreibt die wieder neue 10.000 € unter Soll auf ihr Konto und 10.000 € in die Bilanz als Forderungen. "Frisches Geld" halt. ;)

    Sagen Sie mir Bescheid, wenn Sie als solventer Kunde zu einer Bank in Deutschland gehen, einen Kredit haben wollen und der Bankberater Ihres Vertraues sagt Ihnen: "Tut uns leid H. Keizer, das Geld ist alle. Kommen Sie morgen wieder"

  • @ Herr Marcel Europaeer22.05.2017, 16:09 Uhr

    Ihnen ist aber schon bekannt, dass es Vorschriften für Banken bezüglich Liquidität und Eigenkapital gibt? Wenn der Kunde, dem die Kreditsumme auf seinem Konto gutgeschrieben wurde, diesen Betrag z.B. zum Kauf eines Autos verwendet und auf eine andere Bank überweist, dann ist es aber nicht mehr weit her mit der einfachen Bucherei. Dann muß die Bank Zentralbankgeld an die andere Bank überweisen. Sie kann dann nicht den Betrag noch einmal ausleihen. Aber die Kreditnehmer lassen natürlich alle das Geld auf ihren Konten stehen. Deshalb haben sie den Kredit ja aufgenommen.

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