Sparkassen und Volksbanken
Nimmermüde im Kampf gegen europäische Einlagensicherung

Die Beteiligung der Sparer an der Zypern-Rettung war Wasser auf die Mühlen von Sparkassen und Volksbanken. Sie kämpfen mit Zähnen und Klauen gegen eine europäische Einlagensicherung – EU-Parlamentarier sind ihre Gegner.
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Berlin/FrankfurtSparkassen und Genossenschaftsbanken laufen Sturm gegen eine gemeinsame Einlagensicherung für Sparguthaben auf EU-Ebene. „Die Sicherungssysteme der deutschen Sparer sind nicht verhandelbar“, stellten die Präsidenten des Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, sowie des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, am Sonntag in Berlin klar. Eine zentrale europäische Einlagensicherung würde Schäden aus besonders risikoreichen Geschäften europäischer Groß- und Investmentbanken deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken und damit letztlich deren Kunden auferlegen.

Fahrenschon und Fröhlich reagieren auf Äußerungen führender Europaabgeordneter, die einen gemeinsamen Schutz von Sparguthaben langfristig in einer europäischen Bankenunion für nötig halten. Für eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung haben sich laut „Börsen-Zeitung“ Vertreter der christdemokratischen Fraktion im EU-Parlament geäußert - aus Staaten, die traditionell als Verbündete Deutschland gelten. Mit ihrer Forderung stellen sie sich gegen die Position der Bundesregierung und vieler deutscher Europaabgeordneter.

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, betonte im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS), in Deutschland seien die Kundeneinlagen bei Banken sicher: „Bei uns gibt es über die gesetzliche 100 000-Euro-Grenze hinaus freiwillige Sicherungssysteme der Banken, die den Sparer schützen.“

Die Diskussion um das Rettungspaket für Zypern, an dem erstmals in der Euro-Schuldenkrise Bankkunden beteiligt wurden, hält Fitschen insofern für heilsam, als jeder sich nun selbst fragen könne, warum eine Bank auf Zypern oder Island mehr Zinsen biete. „Das Risiko für diesen Renditeaufschlag muss jeder Anleger selbst tragen, da gibt es jetzt keine Entschuldigungen mehr“, sagte Fitschen, der seit Mitte April auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) ist.

Eine Vergemeinschaftung der Sicherungssysteme würde nach Einschätzung von DSGV und BVR das Vertrauen in die deutsche Einlagensicherung erheblich beschädigen und so die europäische Finanzarchitektur destabilisieren. Die Krise könne nur bewältigt werden, wenn das Vertrauen der Menschen in die Finanzmärkte europaweit zurückkehre. „Dafür muss jeder aus eigener Kraft die Einlagen seiner Kunden absichern“, erklärten Fahrenschon und Fröhlich. National getrennte, aber nach einheitlichen aufgebaute Einlagesysteme verhinderten bei Problemen einzelner Länder ein Übergreifen der Kundensorgen auf andere Eurostaaten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Sparkassen und Volksbanken: Nimmermüde im Kampf gegen europäische Einlagensicherung"

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  • Sparkassen- und Genossenschaftsverband sollten die Wähler auffordern ein eindeutiges Votum abzugeben.

    Diesem Geschacher zu Lasten der deutschen Sparer muss ein Ende bereitet werden. Dazu sind diese Verbände als Sprachrohr der kleinen Leute ethisch und moralisch verpflichtet, so sie ihren Auftrag ernstnehmen.

    Es ist zuviel was Schäuble und die CDU den Bürgern zumuten. Den Politikern ist jedes Gespür für die Nöten der Bürger und das eigene Vorsorgeverhalten abhanden gekommen.

  • Weniger die individuellen Südländer als die zu aller Erst: französischen Banken, die tief dort involviert waren in südländischen Staatsanleihen. Diese französischen Institute wie Sociéte Generale oder Bank Paribas wollen die deutschen Einlagensicherungsgelder der privaten Konten abräumen um ihre Schulden auszugleichen! Mittelalter der Moderne; früher waren es Territorien, heute sind es Finanzen ähhh...Spielgeld. Nicht einmal mehr Buchgeld.

  • Man soll sich keine Illusionen machen. Sparkassen und Volksbanken kämpfen einen ehrenwerten Kampf, aber sie kämpfen auf verlorenem Posten. Unsere Blockparteien werden nach der Wahl die Bankenunion und damit den Zugriff ausländischer Banken auf deutsche Sparguthaben "alternativlos" durchwinken. Und auch das Bundesverfassungsgericht wird wie gehabt alles abnicken. Daraus folgt: Das Sparbuch, das die Oma für ihre Beerdigung unterhält, damit ihre Kinder nicht auf den Kosten sitzen bleiben, ist alles andere als sicher.

    Nur dann besteht eine geringe Chance, das zu verhindern, wenn die AfD mit starker Fraktion in den Bundestag einzieht. Der Schreck, der den bürgerlichen Parteien dadurch in in Knochen fahren dürfte, wird vielleicht dafür sorgen, dass sie ihren Durchmarsch in die europäische Schuldenunion stoppen.

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