Sparkassen verlieren Kunden: Wer hat Angst vor der Diba?

Sparkassen verlieren Kunden
Wer hat Angst vor der Diba?

Die Direktbank ING Diba bleibt ungeachtet der Abwehrstrategien der Sparkassen in Deutschland auf Wachstumskurs. „Wir haben auch im Januar 3 000 bis 4 000 Neukunden pro Tag gewonnen“, sagte Bankchef Ben Tellings gestern auf der Handelsblatt-Jahrestagung „Zukunftsstrategien für Sparkassen und Landesbanken“ in Berlin.

HB BERLIN. Im laufenden Jahr rechnet Tellings mit deutlichen Zuwächsen in der Baufinanzierung und im Einlagengeschäft. Aber auch bei Konsumentenkrediten werde man die Zurückhaltung angesichts des wachsenden Verbrauchervertrauens aufgeben, sagte er. Wenn die ING Diba in einigen Regionen verstärkte Gegenmaßnahmen der Sparkassen registriere, erhöhe sie ihrerseits den Marketingdruck. Tellings deutete an, dass die ausschließlich auf Privatkunden ausgerichtete Direktbank auch in Zukunft 110 Mill. bis 120 Mill. Euro pro Jahr in die Werbung stecken wird.

Die öffentlich-rechtlichen Sparkassen leiden seit Jahren unter Mittelabflüssen an die Direktbanken. Um den Trend zu stoppen, werden in diesem Jahr ausgesuchte „Leuchtturmprodukte“ mit attraktiven Konditionen angeboten. Bisher gibt es aber noch keine bundesweite Aktion. Außerdem soll die Beratungsintensität in den Sparkassen zunehmen, ergänzt um mobile Vertriebe, die den Kunden zu Hause besuchen. Alexander Wüerst, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln, berichtete von ersten Erfolgen. So habe sein Haus die Mittelabflüsse bis Mitte 2005 stoppen können, und im zweiten Halbjahr sei es sogar wieder zu Zuflüssen gekommen. Karl-Joachim Dreyer, Vorstandssprecher der Hamburger Sparkasse, sprach von relativ geringen Abflüssen an die Direktbanken. Insgesamt müssten die Sparkassen aber mehr Kraft und Kompetenz in die Beratung bringen. Alleine bei der Haspa gebe es rund 400 000 unbetreute Kunden, dies sei ein unhaltbarer Zustand. Andere Sparkassenmanager sagten am Rande der Veranstaltung, sie spürten noch keine Entspannung. Es dauere zu lange, bis standardisierte Produkte an den Markt kämen. Hans Hambücher, Vorstandschef der Kreissparkasse Heilbronn, nannte es eine Katastrophe, dass 61 Prozent der Kunden noch nie aktiv angesprochen worden seien. Auch die Kundenfrequenz in den Filialen stimme nachdenklich, nur knapp 15 Prozent der Kunden kämen wenigstens einmal im Monat in die Filiale.

ING-Diba-Chef Tellings forderte die Sparkassen-Finanzgruppe auf, in der Auseinandersetzung fair zu bleiben. Einige Äußerungen von Sparkassenpolitikern in den vergangenen Monaten hätten darauf abgestellt, das Diba-Geschäftsmodell öffentlich oder hinter vorgehaltener Hand zu diskreditieren. So werde behauptet, die Diba arbeite nicht profitabel. Das sei aber falsch, beispielsweise mache die Diba kein Bauspargeschäft mit einer Marge von weniger als 75 Basispunkten. Im Geschäftsjahr 2004 hat die ING Diba 147 Mill. Euro vor Steuern verdient, bis zum dritten Quartal 2005 waren es bereits 176 Mill. Euro. Für das Ergebnis des Gesamtjahrs kündigte Tellings eine „positive Überraschung“ an. Bei den verzinslichen Einlagen in Deutschland hat die Diba trotz der Erfolge nur einen Marktanteil von fünf Prozent, die Sparkassen kommen dagegen auf 39 Prozent. Weitere Wettbewerber sind hier die Postbank, die Genossenschaftsbanken, die Bausparkasse Schwäbisch Hall und Spezialbanken wie die CC-Bank.pk

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