Sparkassen
Wenn's ans Geld geht

Die Negativzinsen der EZB treffen nicht nur Sparer. Dem Geschäftsmodell der Sparkassen, was auf hohen Kundeneinlagen beruht, zieht es allmählich den Boden weg. Ein zinslicher Tabubruch wird nicht mehr ausgeschlossen.
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Frankfurt, Düsseldorf„Das Ziel kann nicht sein, Filialen zu schließen. Wir müssen versuchen, das Geld an anderer Stelle einzusparen.“ Diese Aussage von Michael Ermrich, Präsident des ostdeutschen Sparkassenverbunds OSV belegen, dass die Sorgen größer werden in der Welt der Öffentlich-Rechtlichen. In der Finanzkrise noch als Zuflucht des Kleinsparers für ihre Zuverlässigkeit gepriesen, sind die Sparkassen ohne eigenes Verschulden in eine missliche Lage gerutscht. Auslöser: Der negative Einlagenzins der EZB.

Ermrichs 45 Mitgliedsinstitute gehören zu den profitabelsten der Republik. Wenn er „Respekt“ verspürt, kann man sich die Gemütslage anderer Institute vorstellen. Etwa der Südwest-Sparkassen. Deren Verbandspräsident Peter Schneider forderte bereits Anfang Februar eine staatliche Sparprämie. Nach seiner Rechnung würde eine Prämie von fünf Prozent auf einen Sparbetrag von maximal 1.200 Euro im Jahr den Steuerzahler eine Milliarde Euro jährlich kosten, wenn diese 20 Millionen Kunden in Anspruch nähmen. Die Nebenwirkungen der EZB-Geldpolitik, die den Leitzins nahe Null hält und die langfristigen Zinsen über Staatsanleihekäufe noch weiter drückt, werden laut Schneider „heillos unterschätzt“.

So machte sich unlängst auch Harald Vogelsang, der Chef der Hamburger Sparkasse (Haspa), für einen „Lastenausgleich“ stark. Eine abgestimmte Initiative des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) zu dem Thema gibt es bisher noch nicht. DSGV-Präsident Georg Fahrenschon, der heute auf der Sparkassen-Jahresagung des Handelsblatts spricht, setzt sich allerdings schon länger dafür ein, dass der Staat angesichts der Niedrigzinsen mehr Anreize für die Vermögensbildung schafft. Unter anderem fordert er Verbesserungen bei den vermögenswirksamen Leistungen.

Minizinsen und sogar negative Zinsen für Einlagen bei der Zentralbank drücken nicht nur die Ergebnisse, sie stellen das Geschäftsmodell der Sparkassen infrage: Das Sammeln von Einlagen zur Refinanzierung von Krediten lohnt sich immer weniger.

Die Marge schrumpft. Die Sorgen wachsen, so sehr, dass intern nach Informationen des Handelsblatts selbst ein großes Tabuthema schon diskutiert wird: negative Einlagezinsen für private Kunden. „Wenn die EZB den Leitzins weiter niedrig hält, führt kein Weg daran vorbei", sagt der Chef einer Sparkasse, der anonym bleiben will. Angesichts des Ertragsdrucks werde man sich in absehbarer Zeit positive Einlagenzinsen schlicht nicht mehr leisten können. „Es wäre fahrlässig, wenn wir solche Optionen nicht ausloteten“, ergänzt ein zweiter Sparkassenchef. Technisch sei man mittlerweile in der Lage, Negativzinsen zu berechnen. Noch sind das Gedankenspiele. Kein Geldhaus will gern voranmarschieren.

Kommentare zu " Sparkassen: Wenn's ans Geld geht"

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  • vor nicht all zu langer zeit versuchte hier ein nichtunbedeutender privatbanken bänker die "monopolstellung" der genossenschaftsbanken und sparkassen in einigen regionen anzugehen und forderte masnahmen der politniks

    Herr dragi ein ehemaliger(?) vertreter dieser privatbänker hat das problem gelöst ohne dass ein politiker sich hände schmutzigmachen musste

    einfach genial

    lobbyismus ist ein verbrechen

  • Letztlich bringt dieses Gerede doch nichts ein. Viel wichtiger ist es doch von Herrn Draghi zu erfahren, wie er sich das Bankgeschäft in der Zukunft vorstellt. Eine Variante wäre z.B. die Vermögenswerte der Bankkunden auf die Banken zu übertragen. Neu ist dieser Fall ja auch nicht mehr. Das Lebensversicherungsreformgesetz hat die Versicherungen sogar dazu verpflichtet. Es ist ihnen untersagt, die Kunden an den Bewertungsreserven aus der Geldanlage ihres Sparkaiptals zu beteiligen. - Ich frag mich nur, wie die Versicherungen mit den Kunden dann verfahren, wenn die Zinsen wieder anziehen und die Rentenpapiere unter Kursverlusten leiden. - Insgesamt halte ich das Finanzgeschäft für am Ende. Wenn es kompliziert wird, dann war man in der Vergangenheit gut beraten, auf Fachleute und nicht auf Politiker und die Mafia zu setzen. - Die Sparkassen sollten Klärung herbeiführen und ihren Auftrag nochmals definieren lassen.

  • märkte wohl falsch eingeschtzt wie die meisten Banken . Alle jagen dem Kunden nach und keiner ist im Markt .. richtig wäre das Genteil der Masse gewesen .

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