Sparwelle droht
Bei Frankfurts Bankern geht die Angst um

Die Euro-Krise hinterlässt auch in diesem Jahr tiefe Spuren im Geschäft der Investmentbanken. Das Handelsgeschäft mit Anleihen und Devisen bricht ein. Die Unternehmen reagieren mit Entlassungen - wohl auch in Frankfurt.
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London/Zürich/New York/FrankfurtViele Investmentbanker wird in diesen Tagen ein finsteres Gefühl des Déjà-vu beschleichen. Es ist das dritte Jahr in Folge, das hoffnungsfroh beginnt, bevor die Euro-Krise nach wenigen Monaten die Stimmung gründlich verdirbt. So gründlich, dass in den großen Finanzzentren die Angst vor der nächsten Entlassungswelle grassiert. Auch in der Deutschen Bank wächst die Angst vor einer schmerzlichen Sparrunde.

Wie 2010 und 2011 erwarten Analysten, dass die Einnahmen der Geldhäuser im laufenden und den folgenden Quartalen massiv einbrechen. Die Experten von JP Morgan rechnen für die Monate April bis Juni mit einem Minus von 25 Prozent und fürchten, dass die Banken bis Jahresende bis zu zehn Prozent ihrer Stellen streichen werden. „Das zweite Quartal war schlicht gesagt eine Katastrophe“, meint ein Londoner Investmentbanker.

Die Misere trifft auch die Deutsche Bank. Für das Investment-Banking der Frankfurter prognostiziert JP Morgan ein Einnahmeminus von mehr als einem Viertel im zweiten Quartal im Vergleich zum Jahresstart. Anders als andere große Investmentbanken hat der deutsche Branchenprimus aber bislang nicht im großen Stil entlassen. Während Goldman Sachs zwischen März 2011 und März 2012 rund 3000 Arbeitsplätze oder 8,5 Prozent aller Stellen gestrichen hat, fielen im Investment-Banking der Deutschen Bank im gleichen Zeitraum nur gut 500 Arbeitsplätze weg, was rund drei Prozent der Belegschaft in diesem Bereich ausmacht.

Doch gerade die Tatsache, dass es in der Vergangenheit keine umfänglichen Entlassungen gab, sorgt derzeit für Unruhe. In Finanzkreisen heißt es, Deutsch-Banker in Spitzenpositionen befürchteten einen deutlichen Personalabbau. Es herrsche der Eindruck, dass die Bank für das aktuelle Geschäft zu viel Personal im Investment-Banking beschäftige.

Noch gebe es aber keine Pläne zum Abbau. Die beiden neuen Vorstandschefs, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, wollten offenbar nicht gleich mit Stellenstreichungen Schlagzeilen machen. Personalberater erwarten, dass die Deutsche Bank 600 bis 1000 Stellen im Investment-Banking in Europa streichen könnte. In den USA sei netto mit keinen Veränderungen zu rechnen. Und in Asien werde der Aufbau weitergehen. Die Deutsche Bank wollte sich dazu nicht äußern.

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  • Ein ausgewogenes Statement von dir, danke.
    Natürlich muss man auch an die Menschen denken,
    und gerade in den unteren Ebenen der Banken sitzen viele,
    die unter der Fehlentwicklung des Systems leiden.

    Aber diese Fehlentwicklung ist nun man da - und muss schleunigst korrigiert werden.
    Die eigentliche und wichtige Funktion der Banken im Wirschaftssystem
    war es immer, als kompetente Geldverteistelle zwischen denen zu wirken, die Geld übrig hatten und denen, die es als Kredite benötigen. Und zwar - im Ganzen gesehen - für wirtschaftlich sinnvolle Unternehmungen, bei denen der return bald höher als der Zins ist, sonst macht es nämlich keinen Sinn, z.B. höhere Produktionskapazität auf Kredit zu finanzieren.
    Und wenn ein Banker früher zu oft von dem Prinzip abwich war er pleite.

    Aufgabe der Banken war nie, Asset-Blasen aufpumpen zu helfen,
    wirtschaftlich unsinnige Spekulationsgeschäfte zu befördern -viele Hedgefonds erhalten Kredite von Banken
    und es war auch nie Augabe einer Bank, einen riesigen, hochgehebleten Eigenhandel zu betreiben, getarnt unter dem schönen Namen "Investmentbanking" . Das hat sich alles verselbständigt.

    Und wenn heute Banker zu leichsinnig sind, dann geht die Bank nicht pleite, aber die Aktionäre und die Steuerzahler verlieren einen Haufen Geld. HRE, Coba, IKB nur in Deutschland. Außerdem werden bei Banken wie sonst in kaum einer Branche durch die riskanten Hebel erwirtschafteten Riesen-Gewinne in guten Zeiten nicht an Aktionäre, sondern an die Mitarbeiter ausgeschüttet.
    Das kritisieren selbst viele Fondsmanager.

    Diese ganzen Fehlentwicklungen müssten dringend korrigiert werden, aber davon ist außer Sonntagsreden und Lippenbekenntnissen unserer Politschwätzer nichts zu sehen. Kaum Regulierung, kaum Kontrolle, die Bafin ist ein zahnloser Beamtenhaufen. Es darf vermutet werden, dass die Bankenlobby (wie auch andere) inzwischen viel zu mächtig ist, wie in den USA schon lange zu sehen.
    (Maulheld Obama).

  • @Radiputz:
    Wenn man ein bisschen im Stress ist und sich ständig aufregt wegen solchen Kommentaren, dann passiert es leider, dass man nicht auf Rechtschreibung und Grammatik achtet.

    @sepp und Radiputz:
    Nur ein kleiner Teil arbeitet im FrontOffice und hat mit den Kunden zutun. Viele arbeiten im sogenannten BackOffice und sorgen dafür, dass ihre Wertpapierkäufe/verkäufe auch an der Börse ankommen. Wenn Sie sich vorstellen, dass es mit der Eingabe in den OnlineSystemen erledigt ist, dann tauschen Sie sich gewaltig.
    Ausserdem gibt es diverse (Privat-)Banken, welche keine Hilfe/Geld vom Staat oder der EZB bekommen haben, weil diese seriös arbeiten (und den Kunden nicht jeden Schrott andrehen wollen/müssen).

    @ex-Baenker:
    Ich weiss leider nicht in wlecher Bank/Sparkasse Sie gearbeitet haben, aber ich glaube Sie hatten sogut wie keinen Einblick in die normalen Geschäftstätigkeiten gehabt. Vielen Sachen müssen, aufgrund der fehlerhaften Bearbeitung an der "Front", nachbearbeitet und dies können selbst moderne Systeme nur sehr beschränkt.
    Das man keine Schalter zur Geldausgabe mehr benötigt mag stimmen, aber bei vielen anderen Sachen ist es nicht so.
    Kunden wollen bzw. müssen beraten werden von einer Person, weil die Leute einfach (salopp gesagt) zu faul sind sich zu informieren oder keine Zeit haben.

    @all: Glaube Sie mir, wir Bänker finde es genauso mies wie es momentan läuft. Viele wollen den Schrott (was nunmal viele Sachen leider sind) nicht verkaufen, auch finden viele das Spekulieren mit Geld anderer oder gar Nahrungsmitteln unmenschlich und ungerecht.
    Auch wir sind Menschen. Nur müssen wir, genauso wie alle anderen Arbeiter, den Anweisungen der Arbeitgeber folgen. Ohne dies würden wir auf der Straße stehen und es gibt noch genügend Leute, wleche den Platz dann liebend gerne einnehmen.

  • Bester B-MItarbeiter, ich formuliere es für Sie etwas eleganter, da Sie der deutschen Sprache offenbar nur unzureichend mächtig sind.

    "Wenn wir normalen Bankmitarbeiter es verdient haben entlassen zu werden, dann haben es die Opel-Mitarbeiter, Schlecker-Mitarbeiter etc. ebenfalls verdient.
    Die normalen Bankmitarbeiter sind für den ganzen Mist ebensowenig verantwortlich, wie die Schlecker-Mitarbeiter für die Gier des Herrn Schlecker + Kinder."

    Denn letzten Satz kann man zur Not stehen lassen, allerdings "ersthaft glauben" anstatt "glaube".

    Nehmen Sie es mir nicht übel, ich würde Ihnen als Anlageberater allerdings nur sehr bedingt mein Geld anvertrauen.

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