Spekulation um Vertragsverlängerung
Bleibt Blessing bei der Commerzbank?

Seit 2008 steht Martin Blessing an der Spitze der Commerzbank, nicht immer galt er für den Posten als gesetzt . Nun kursieren Gerüchte über eine Vertragsverlängerung. Die Chancen, dass Blessing bleibt, stehen nicht schlecht.
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FrankfurtEs gab Zeiten, in denen es so aussah, als ob Martin Blessing seinen Posten bald los sein könnte. Gerüchte zu möglichen Nachfolgern Blessings an der Commerzbank-Spitze machten die Runde. Nun aber wird darüber spekuliert, ob sein Vertrag, der im Oktober 2016 ausläuft, schon bald verlängert wird. Bei großen börsennotierten Konzernen ist es üblich, dass Verträge der Vorstände ein Jahr vor deren Auslaufen – so zeitig wie rechtlich möglich – verlängert werden. Man will Unklarheiten vorbeugen.

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtete mit Verweis auf das Umfeld des Aufsichtsrats, dass Blessing ein neuer Vertrag angeboten werden solle. Einiges spricht dafür, offiziell ist aber noch nichts. In Finanzkreisen wird relativiert: Bislang sei im Aufsichtsrat nicht über das Thema gesprochen worden. Auch im September werde eine Vertragsverlängerung nicht auf der Tagesordnung der Sitzung stehen.

Es sei bestenfalls denkbar, dass man sich dann informell darüber austausche, heißt es. Auch Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller habe bisher keinen Vorstoß wegen der Personalie unternommen oder sich dazu schriftlich geäußert. Blessings Vertrag läuft bis Ende Oktober 2016.

Für die Commerzbank würde die Vertragsverlängerung Kontinuität an der Unternehmensspitze bedeuten. Martin Blessing arbeitet seit fast 14 Jahren im Vorstand des zweitgrößten deutschen Geldhauses, seit 2008 ist er Vorstandschef. Für den 52-Jährigen spricht derzeit, dass die Bank nach vielen Problemen zuletzt im operativen Geschäft wieder Tritt gefasst hat.

Lange Zeit musste Blessing viel Kritik einstecken. Kein Wunder, ist der Aktienkurs doch dramatisch eingebrochen. Im Jahr 2000 kostete eine Commerzbank-Aktie zeitweise 263 Euro. Doch nicht nur die Finanzkrise macht der Commerzbank zu schaffen. Sie hat sich auch bei der Übernahme der Dresdner Bank im Jahr 2008 verhoben. Als der Deal abgeschlossen wurde, stand Blessing bereits an der Spitze der Commerzbank.

Das Geldhaus geriet in eine so schwere Schieflage – teils wegen problematischer Wertpapiere, teils wegen der noch unter Blessings Vorgänger Klaus-Peter Müller gekauften Hypothekenbanken Eurohypo und Essenhyp –
dass es mit rund 18 Milliarden Euro vom Staat gerettet wurde. Der Bund hält noch immer einen Anteil von 15 Prozent an dem Institut. Den großen Teil davon, stille Einlagen, zahlte die Commerzbank später zurück.

Allerdings benötigte Blessing dann doch Kapital. Ganze neun Kapitalerhöhungen gab es seit seinem Amtsantritt, was den Besitz der Bestandsaktionäre erheblich verwässert. Die müssen zudem seit Jahren auf eine Dividende verzichten – während Blessing dieses Jahr erstmals seit der Finanzkrise wieder einen Bonus bekam.

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