Spitzenvertreter der Branche sagen Konzentration voraus: Versicherer befürchten überzogene Eigenkapitalanforderungen

Spitzenvertreter der Branche sagen Konzentration voraus
Versicherer befürchten überzogene Eigenkapitalanforderungen

Die Versicherungswirtschaft sieht sich vor einer Welle der „Re-Regulierung“: Nachdem in den vergangenen Jahren Regeln abgebaut wurden, läuft es jetzt wieder in die andere Richtung.

rl MÜNCHEN. Führende Vertreter der Branche haben daher auf der Tagung des Handelsblatts „Assekuranz im Aufbruch“ eine wachsende Konzentration vorausgesagt. Als Treiber dieser Entwicklung gelten in erster Linie die international geplanten Eigenkapitalvorschriften (Solvency II). Davon sind insbesondere die Rück- und Industrieversicherer betroffen, die traditionell die schwersten Risiken tragen.

Die aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen der Versicherungswirtschaft sind 1995 unter dem Schlagwort „Deregulierung“ in der EU stark gelockert worden. Seitdem hat sich viel verändert, was bei Aufsehern und Gesetzgebern zu einer allmählichen Rückbesinnung führt – hin zu einer Art Re-Regulierung. Die Veränderungen sind durch die Kapitalmarktkrise vor fünf Jahren und die Häufung großer Schadenereignisse, wie Natur- und Terrorkatastrophen, angestoßen worden. „Das hat nachhaltig am Image der Versicherungswirtschaft gekratzt“, sagte Nikolaus von Bomhard, Chef des Weltmarktführers Münchener Rück. In einer Zeit allgemein zunehmender Kapitalmarktorientierung, schmerzt das besonders.

Die Assekuranz ist mehr denn je auf ihre Kapitalgeber angewiesen, denn Solvency II sitzt ihnen schon im Nacken. „Spätestens 2010 ist es Realität“, schätzt Björn Jansli, Chef des auf Industriekunden spezialisierten Gerling-Versicherungskonzerns. Er erwartet durch die neuartige Risikoorientierung der Kapital-anforderungen eine stärkere Trennung zwischen dem Privat- und dem Industriekundengeschäft. Letzteres gilt als ungleich volatiler und benötigt daher nach dem geplanten Solvency-Modell mehr Sicherheitskapital. Jansli: „Teilweise steigt der Kapitalbedarf in der Industrieversicherung, insbesondere in den Bereichen Haftpflicht, Transport und Sturm.“ Gleichzeitig würden große Investitionen nötig, die die Kosten nach oben trieben. Folge: „Die Konsolidierung steigt.“ Für ihn sind deshalb klar die großen Unternehmen die Gewinner.

Jansli und von Bomhard sind sich darin einig, dass die neuen Anforderungen nicht auf die lange Bank geschoben werden dürfen. „Das ist Chefsache“, sagte der Chef der Münchener Rück. Er warnte davor, mit Solvency II über die Anforderungen für die Banken (Basel II) hinauszugehen. „Wir stehen mit den Banken im Wettbewerb um Kapital; der sollte auf fairer Basis bleiben.“ An einer nachhaltigen Profitabilität des Geschäfts führe jedoch kein Weg vorbei. Marktanteilsdenken dürfe nicht im Vordergrund stehen. Ertrag gehe klar vor Wachstum. Dazu seien die Verzinsungsanforderungen an die Rückversicherer heute schon „zu stramm“, sagte von Bomhard. Und im Vergleich zu den Banken: „Wir glauben, dass die Eigenkapitalanforderungen an die Rückversicherer zu hoch sind.“ Die Rückversicherer werden deshalb auch anders gegenüber ihren Kunden agieren, vermutet Jansli. „Sie werden sich genau überlegen, wo sie ihre Kapazität künftig hingeben.“

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