Staatsanwalt im Sal. Oppenheim-Prozess:
Angeklagter wollte „Untätigkeit oder Unfähigkeit vertuschen“

Im Sal. Oppenheim-Prozess ist der Showdown im Gange: Die Staatsanwaltschaft ist die ehemalige Führung der Bank am Morgen scharf angegangen. Harte Strafen drohen den Angeklagten, die bislang nicht kooperieren.
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KölnBeim Sal. Oppenheim-Prozess hat heute das Finale begonnen. Wegen Untreue und Verstößen gegen das Kreditwesengesetz sind die vier früheren persönlich haftenden Bank-Gesellschafter Matthias Graf von Krockow, Christopher Freiherr von Oppenheim, Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt sowie der Immobilienunternehmer Josef Esch angeklagt.

Alle Blicke richteten sich am Morgen auf die Staatsanwaltschaft. Nach über 120 Verhandlungstagen hatten Angeklagte und Öffentlichkeit gespannt auf deren Schlussplädoyers gewartet. Als erstes ergriff Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich das Wort – und erhob schwere Kritik an der Unternehmensführung.

Im Umgang mit dem Engagement des Geldhauses beim späteren Pleite-Konzern Arcandor sei es zu Pflichtverletzungen gekommen, sagte Elschenbroich. Alle Partner an der Spitze der Bank seien im Detail über die Vorgänge informiert gewesen und hätten Chancen gehabt, gegenzusteuern. „Hier baute sich ein großes Klumpenrisiko auf, ohne dass darauf adäquat reagiert wurde.“

Im Herbst 2008 stockte Sal. Oppenheim auf Geheiß der Führungsriege den Arcandor-Anteil auf und gewährte einen Kredit von 20 Millionen Euro – ohne ausreichende Sicherheiten. Dem Warenhauskonzern half die Geldspritze nicht. Seine Pleite verschärfte die Krise von Sal. Oppenheim. Das Institut überlebte nur durch die Rettung der Deutschen Bank.

Die Banker hätten in den letzten Jahren vor der Finanzkrise eine „gesteigerte Risikobereitschaft“ an den Tag gelegt, so der Oberstaatsanwalt. Während sich die Bank schnell vergrößert habe, sei die Unternehmensleitung jedoch stetig verkleinert worden. Dabei sei die Führung der Bank zum Teil nachlässig mit ihrer Informationspflicht umgegangen. Und Elschenbroich legte noch eins drauf: „Ein Geschäftsführer, der sich wie Pfundt verhält, will Untätigkeit oder Unfähigkeit vertuschen.“

Janssen und Pfundt, ehemaliger Chef der Investmentsparte, dürften heute besonders nervös sein. Bis dato bestreiten sie alle Vorwürfe. Sie haben das höchste Strafmaß zu befürchten: Mangels Geständnis ist für beide eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung realistisch.

Bereits Ende 2014 hatten die Staatsanwälte Elschenbroich und Gunnar Greier eine Zwischenbilanz gezogen und durchblicken lassen, welche Strafen sie für angemessen halten: Vier bis viereinhalb Jahre für Krockow, dreieinhalb bis vier Jahre für Janssen, drei bis dreieinhalb Jahre für Oppenheim.

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Sonderkommission „Byzanz“

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  • Es ist ja bekannt, dass die BAFin eine wichtige Rolle spielte. Ich lese nichts davon.

    Wurde es nicht berichtet oder hängt der Teppich schon an der Wand, weil er nicht mehr auf dem Boden liegen kann.

  • Interessant, was man da erfährt. Informationspflichten?

    Irgendwie passt der Vortrag der Staatsanwaltschaft nicht mehr in unsere heutige Zeit. Heute wird "alternativlos" und ohne Information, beispielsweise beim ESM, entschieden und der ESM ist - obwohl es da um viel, viel größere Beträgr als in diesem Fall geht - nicht einmal auskunftspflichtig. Gleichzeitig sieht dieser Vertrag vor, dass die Akteure wegen eines Fehlverhaltens strafrechtlich nicht belangt werden dürfen. ... (und vieles mehr).

    Und ausgerechnet in diesem Fall, wo kein Normalbürger (im Gegensatz zum ESM) betroffen ist, wird so argumentiert.

    Ein Schauprozess wie ich an anderer Stelle bereits bemerkte.

    D.h. nicht, dass ich mir eine Verurteilung nicht vorstellen könnte. Wenn dem aber so wäre, dann sollte auch der Gleichheitsgrundsatz ziehen und die Politiker nicht nur für zuständig sondern auch für verantwortlich erklärt werden.

    Googlen Sie einmal selbst nach: Richter Fahsel a.D. Stuttgart

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  • Als Fulltime-Trader kann ich es mir leider nicht erlauben auf das zu achten, was man dem Volk (nur) als Ablenkung und zu Belustigung an Brotkrumen zuwirft.

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