Staatsanwaltschaft Bochum
Das besondere Schnäppchen unter den Steuer-CDs

Insgesamt vier Steuer-CDs mit Informationen zu Schwarzgeld hat das Land Nordrhein-Westfalen gekauft. Eine Scheibe mit UBS-Daten erweist sich als sehr ertragreich. Die wenigsten Steuersünder darauf haben sich angezeigt.
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BochumMutmaßliche Steuerhinterzieher aus Deutschland haben bei der Schweizer Großbank UBS nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Bochum mehrere Milliarden Euro angelegt. Sie hätten dabei Hunderte Millionen Euro Steuern hinterzogen. Dies zeigten Untersuchungen einiger Daten einer CD mit Angaben über Kunden der UBS, teilte die Behörde mit. Die nordrhein-westfälischen Finanzbehörden hatten mehrere solcher Datenträger trotz harscher Kritik aus der Schweiz gekauft.

Finanzminister Norbert Walter-Borjans sagte am Dienstag in Düsseldorf, die Behörden seien „großen Steuerbetrügereien“ auf der Spur. Auch deshalb gab Walter-Borjans dem Vermittlungsverfahren zur Rettung des Steuerabkommens mit der Schweiz keine Chance. Die Schweiz lehrt Änderungen an dem Abkommen kategorisch ab.

Nach einer ersten Bilanz enthalte die CD Angaben zu rund 750 Stiftungen sowie zu 550 weiteren Fällen mit einem Anlagevolumen bei der UBS von mehr als 3,5 Milliarden Schweizer Franken (knapp 2,9 Milliarden Euro). In 135 Fällen hätten Steuersünder bereits vor Aufnahme der Ermittlungen Selbstanzeige erstattet. In den vergangenen Wochen untersuchte die Staatsanwaltschaft Bochum dann nach eigenen Angaben 115 „Stiftungsfälle“.

Dabei gab es auch Razzien in Büros und Wohnungen der Verdächtigen. Mehrere Staatsanwalte und rund 80 Steuerfahnder rückten aus. Die betroffenen Kunden hätten „nach vorläufiger Berechnung durch das Verschweigen ihrer Vermögensanlagen bei der UBS und der darauf entfallenden Kapitalerträge Steuern in Höhe von etwa 204 Millionen Euro hinterzogen“.

Für den Fiskus ist dies ein gutes Geschäft, der Kauf der CDs wirft für die öffentliche Hand hohe Renditen ab: Walter-Borjans zufolge kostete die Daten-CD rund 3,5 Millionen Euro. Und die bislang entdeckten Steuerhinterziehungen von über 200 Millionen Euro seien „noch lange nicht alles“. Auch für die UBS könnte der Fall weitere Folgen haben: „Im Rahmen der Ermittlungen wird auch der Frage nachgegangen, ob und inwieweit Mitarbeiter der UBS den inländischen Kunden Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet haben“, teilte die Staatsanwaltschaft Bochum mit.

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  • Kein Abkommen ist besser als dieses Abkommen!
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    "Nach einer ersten Bilanz enthalte die CD Angaben zu rund 750 Stiftungen sowie zu 550 weiteren Fällen mit einem Anlagevolumen bei der UBS von mehr als 3,5 Milliarden Schweizer Franken (knapp 2,9 Milliarden Euro). In 135 Fällen hätten Steuersünder bereits vor Aufnahme der Ermittlungen Selbstanzeige erstattet."

    Diese "Stiftungen" sind natürlich nicht von dem "sogenannten" Abkommen betroffen.
    Das sind die sogenannten "Sieben Wege ins Glück" welche die Bankster den Steuerkriminellen reichen.
    Und auf der UBS-CD war auch ein "Lehrfilm" für die Bankster enthalten, wie sie ihre "Kunden" beraten sollen.
    Deshalb ist der Kauf von Steuer-CDs immer noch der beste Weg, um Steuerkriminellen auf die Spur zu kommen!

    Sieben Wege, das Steuerabkommen zu umgehen
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    •die Domizillösung, bei der der Bankkunde eine Scheinadresse in einem Land einrichtet, das kein Steuerabkommen mit der Schweiz getroffen hat. Die Bank verspricht im Gegenzug, Adressen nicht zu überprüfen. Steuersünders einziger Nachteil: Wer an seine Unterlagen heranmöchte, muss persönlich vorbei kommen.
    •Beim Liechtensteiner Rettungsanker gründet der deutsche Kunde in Liechtenstein eine Stiftung und überweist sein Geld auf ein neues Konto. Verwaltet wird das Vermögen aber weiterhin von der gleichen Bank, die Kommunikation läuft lediglich über einen Treuhänder in Liechtenstein. So entfällt die Quellsteuer - schließlich gehen die Zinsen allem Anschein nach auf ein Konto in Liechtenstein.
    •Wer wirklich sehr viel Vermögen habe, dem raten die Schweizer Banken laut Herrmann dazu, ihr Geld in Offshore-Gesellschaften zu transferieren, was aber wohl nicht ganz billig und auch nicht ganz einfach sei.
    •Alternativ sollen Bankkunden auf zinsfreie Anlageformen ausweichen, bei denen sie nicht abgeltungssteuerpflichtige Sonderzahlungen kassieren.

    Quelle: Wirtschaftswoche

  • Insgesamt ist mir das mehr Recht als wurst, wenn Rechtsbrecher sich gegenseitig die Hölle heiß machen. Digitalisierung hat ihren Preise, Verblödung, Denunziation und Datenspionage.
    Was den ein- oder anderen aber vielleicht erschrecken sollte, in welchen Niederungen sich Politiker herumtreiben, und mit welcher Abgebrühtheit Kundenberater ihre Kunden verraten.


  • Solange es Steuerverbrecher gibt ist dieser Ankauf sehr sinnvoll. Man muß den Verbrechern schon auf gleicher Ebene begegnen.
    Oder wirden sie einen Polizisten mit einem Fahrrad einen Raser verfolgen lassen?

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