Staatshilfe: Commerzbank: Schwere Bürde für die Zukunft

Staatshilfe
Commerzbank: Schwere Bürde für die Zukunft

Die Commerzbank könnte ein Jahrzehnt brauchen, um die Staatshilfen zurückzuzahlen

FRANKFURT. Wenn Commerzbank-Chef Martin Blessing die Übernahme der Dresdner Bank in den kommenden Tagen endgültig abschließt, dürfte die Freude ziemlich getrübt sein. Zwar ist das fusionierte Institut durch die zehn Mrd. Euro, die der Staat erneut hineinpumpt, erst einmal gerettet. Doch die zweitgrößte deutsche Bank muss auf ihrem Weg in die gemeinsame Zukunft eine Bürde schleppen, die ihr auf Jahre die Luft zum Atmen nimmt.

Bis zu zehn Jahre könnte es dauern, bis die Commerzbank die insgesamt in zwei Schritten erhaltenen 16,4 Mrd. Euro an staatlichen stillen Einlagen und die 750 Mill. Euro an stillen Einlagen von der Allianz zurückgezahlt haben könnte, schätzen Analysten. Und bei dieser Rechnung haben sie die 1,8 Mrd. Euro, die der Bund für seine Aktienbeteiligung von 25 Prozent plus eine Aktie bezahlt hat, noch nicht berücksichtigt. Ob sich der Staat, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel am Wochenende betonte, zurückziehen wird, "sobald die akute Notlage überstanden ist", scheint äußerst fraglich.

Bei ihren groben Überschlagsrechnungen gehen die Analysten davon aus, dass die Commerzbank im Schnitt rund 1,5 Mrd. Euro netto pro Jahr verdient. Das wäre in etwa so viel wie sie im noch relativ guten Bankenjahr 2007 ohne die Dresdner verdient hat. Dann würde es, Dividendenzahlungen ausgenommen, acht bis zehn Jahre dauern, bis sie trotz der zusätzlichen jährlichen Zinslast für die mit neun Prozent verzinsten stillen Einlagen genügend Eigenkapital aufgebaut hätte, um diese zurückzuzahlen, schätzt Analyst Joachim Müller von Cheuvreux. Auch Analyst Konrad Becker von Merck, Finck & Co. ist überzeugt: "Dieses Thema wird die Commerzbank das nächste Jahrzehnt beschäftigen." Selbst wenn man davon ausgehe, dass Commerzbank und Dresdner zusammengenommen in ihren besten Jahren für einen Gewinn von drei Mrd. Euro gut seien, bräuchten sie fünf Jahresüberschüsse, um die stillen Beteiligungen zurückzuzahlen.

Blessing betonte in der "Welt am Sonntag", die Commerzbank wolle sowohl das Geld für die stillen Einlagen wie für die Aktienbeteiligung "so schnell wie möglich zurückzahlen". Die Summe sei gewaltig. "Aber wer sagt, dass die Commerzbank für ihre Geschäfte auch in fünf Jahren noch so viel Kapital vorhalten muss? Entspannt sich die Lage, können wir überschüssiges Geld wieder an den Staat zurückgeben", sagte er. Das heißt aber auch, dass in besseren Zeiten, in denen sich andere Institute strategischem Wachstum widmen können, die kombinierte Commerzbank noch Altlastenbewältigung betreiben muss.

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